Prodigy

Amerikanischer Onlinedienst.

Die Firma „Prodigy“ wurde im Februar 1984 ganz unspektakulär als Gemeinschaftsunternehmen der Firmen IBM Sears und CBS unter dem Namen „TRINTEX“ gegründet. Im September 1988 begann das Unternehmen, das inzwischen unter der Bezeichnung „Prodigy“ firmierte, in fünf amerikanischen Städten ein Pilotprojekt als Onlineservice. 1990 etablierte sich die Firma neben Unternehmen wie AOL und Compuserve als landesweiter Anbieter. Inzwischen ist „Prodigy“ ein Internet-Provider mit 2,5 Millionen Abonnenten. Bekannt wurde die Firma, als Ende 1993 zunächst eine windowsbasierte Software eingeführt wurde und der Online Shopping- sowie der News-Service mit Bildern und Sounds aufgepeppt wurden. Im Januar 1995 bot „Prodigy“ seinen damals knapp einer Millionen Abonnenten als erster Online-Service den Zugriff auf das World Wide Web an, und im Sommer kam die Möglichkeit hinzu, eigene Web-Seiten einzurichten. 1999 machte das Unternehmen erneut von sich reden, als ein zweisprachiges Angebot, Englisch und Spanisch, eingerichtet wurde.

Priceline

Amerikanisches Unternehmen im Internet.

Die Idee ist simpel und im Internet leicht durchzuführen: Ein Kunde gibt an, wieviel er für eine Ware oder Dienstleistung bezahlen möchte und ein Vermittler versucht, ihm das Gesuchte zu besorgen. So ein Vermittler ist das 1996 von ßßß Jay Walker gegründete Unternehmen „Priceline“, das 1998 online ging. Jay Walker machte sich dabei die Tatsache zunutze, daß immer wieder Plätze in Flugzeugen nicht gebucht werden oder Hotelzimmer leer bleiben. Die Unternehmen sind dann häufig gern bereit, die freien Kapazitäten zu einem günstigen Preis abzugeben. „Priceline“ begann zunächst mit der Vermittlung von Flugkarten und Hotelzimmern und weitete das Geschäft schon bald auf die Finanzierung von Immobilien, Vermittlung günstiger Anbieter vonFerngesprächen und den Verkauf von Neuwagen aus. Eine Erweiterung des Sortiments auf Lebensmittel und Benzin, die unter der Bezeichnung „WebHouse Club“ an den Start gegangen war, wurde im Februar 2001 wieder geschlossen. Überhaupt hat das Unternehmen seine Expansionspläne ad acta gelegt, nachdem der Aktienkurs, der zunächst von 16 auf 162 Dollar stieg, Mitte 2000 auf knapp zwei Dollar gefallen war, und auch Gewinn wurde noch nicht erzielt. „Priceline“ fand natürlich auch Nachahmer, in Deutschland zum Beispiel die Firmen „Ihrpreis“ oder „Tallymann“. In den USA gründete Microsoft mit „Expedia“ ein ähnliches Unternehmen. Doch Walker hatte seine Geschäftsidee in den USA patentieren lassen, als ob sich jemand die Idee „Eis in transportablen Kühltaschen zu verkaufen“ schützen ließe („Computerwoche“). „Priceline“ verklagte Microsoft wegen Patentrechtsverletzung, was Bill Gates mit dem Hinweis, Walker könne sich gern in die Schlange all jener einreihen, die ähnliche Prozesse gegen Microsoft führten, kommentierte. Der Prozeß endete im Januar 2001 jedoch mit der Vereinbarung, daß „Expedia“ künftig Lizenzgebühren an „Priceline“ zahlen werde.

Beitragsbild: Screenshot der Webseite 1999

Reinhold Pretscher

Betreiber des ersten deutschen Internetcafés.

Die Idee, ein „Strickcafé“ zu eröffnen, gefiel Angelika Hammer, der Schwester des Computerhändlers Rüdiger Pretschers nicht, daher machte sie den Vorschlag, ein mit Rechnern ausgestattetes Café zu eröffnen. Als Gastronomen holten sie ihren jüngeren Bruder Reinhold, der Konditor gelernt hatte, mit ins Boot. Der am 23. 06. 1971 geborene Reinhold Pretscher hatte bereits im Alter von 14 Jahren die Welt der Rechner kennengelernt, als er sich mit Freunden in einem Gartenhaus mit einem Amiga-Computer beschäftigte, was gelegentlich sogar zu Ärger mit seinen Eltern führte, wenn er darüber die Zeit vergaß und einige Tage nicht nach Hause kam. Inzwischen kann er sich in seinem Internet-Café „Falkens Maze“ in Fürth den ganzen Tag mit Computern beschäftigen, Neulinge mit den Gepflogenheiten im Internet vertraut machen und die Nutzer unterstützen. Sein Anliegen ist es, möglichst vielen Menschen den Weg in das Netz zu ermöglichen und so die Fortentwicklung dieses Mediums zu unterstützen. Das Café wurde am 1.7. 1994 eröffnet, schuf einen Tag später eine Verbindung zum Internet und bald darauf wurde das Lokal mit Hilfe von Gästen verkabelt, um auch Netzwerkspiele spielen zu können. Rüdiger Pretscher stieg schon bald aus dem Geschäft aus. Reinhold und seine Schwester führen den Betrieb durch manche Schwierigkeiten erfolgreich bis heute.

Odd de Presno

Norwegischer Computerspezialist und Autor.

„Es gibt Gegenden auf der Welt, zum Beispiel in Afrika, wo die Menschen sich noch nicht einmal eine Briefmarke leisten können“, weiß Odd de Presno. Trotzdem engagiert er sich in der Organisation „Kidlink“, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Kommunikation der Kinder dieser Welt über das Internet voranzutreiben. Odd de Presno wurde am 18. April 1944 als ältestes von drei Kindern eines Supermaktbesitzers in Arendal, Norwegen, geboren. Er studierte Betriebswirtschaft am Bedriftsøkonomisk Institut in Oslo und belegte während des Studiums auch einen der ersten Computerkurse, die an der Hochschule angeboten wurden. Seine Programmierkenntnisse ermöglichten es ihm, sich 1967 mit einer kleinen Softwarefirma selbständig zu machen. Später arbeitete er bei verschiedenen Datenverarbeitungsunternehmen und beschäftigte sich seit 1973 mit der Netzwerktechnologie. Von 1985 bis 1997 betrieb er ein Bulletin Board mit Shareware. Presno ist Autor zahlreicher Bücher und Artikel zum Thema Computer und Internet. Sein Buch „Online World“, das eine Einführung in das Internet gibt, hat weltweit Beachtung gefunden. Er übersetzte es in die englische Sprache und stellte es im Internet zum Herunterladen zur Verfügung. Das Besondere daran ist, daß er es regelmäßig aktualisiert. „Kidlink“ wurde 1990 ins Leben gerufen, als Presno auf einer Konferenz der „Electronic Networking Association“ eine Online-Konferenz für Kinder aus Kanada, den USA und Norwegen organisiert hatte. Die große Resonanz brachte ihn dazu, die Gründung einer entsprechenden Organisation anzuregen. Inzwischen ist „Kidlink“ als international tätige gemeinnützige Organisation etabliert, an deren Mailinglisten und Chats inzwischen über 175.000 Kinder aus 141 Ländern teilgenommen haben. Odd de Presno, der zum zweiten Mal verheiratet ist und drei Kinder hat, verbringt den größten Teil seiner Freizeit mit Arbeit für Kidlink, unter anderem bemüht er sich darum, in Entwicklungsländern entsprechende Internet-Cafés einzurichten, um auch den Kindern in diesen Teilen der Welt den Zugang zu den Ressourcen des Internet zu ermöglichen.

Jon Postel

Amerikanischer Ingenieur
(06.09. 1943 – 16.10. 1998)

Dr. Jonathan B. (Jon) Postel, einer der Väter des Internet, war Zeit seines Lebens außerhalb der Netzgemeinde eher unbekannt, sogar die Wachmannschaften des Weißen Hauses wollten den Mann mit Pferdeschwanz und Sandalen nicht hereinlassen, als er einer Einladung Präsident Clintons zu einem Dinner folgte. Jon Postel war als Direktor der IANA, einer Organisation zur Koordination der Entwicklung des Internet, für die Verwaltung der IP-Adressen, der Kennungen der an das Internet angeschlossenen Rechner, verantwortlich und Herausgeber der RFC`s, der Dokumente, mit den technischen Spezifikationen des Internet, weshalb er auch als „Godfather“ des Internet bezeichnet wurde. Der 1943 geborene Postel hatte, wie Vinton Cerf, die Van Nuy High School im San Fernando Valley nördlich von Los Angeles besucht. An der Universität von Los Angeles, wo er Cerf wieder traf, machte er 1966 und 1968 Abschlüsse als Ingenieur. Als graduierter Student kam er an der neugegründeten Fakultät für Informatik zur der Gruppe, die unter Leonard Kleinrock an Entwicklungen für das ARPANET arbeitete. Nach seiner Promotion 1974 blieb er an der Universität und leitete dort seit 1977 die Abteilung für Netzwerke am Institut für Informatik. Wegen seines exzentrischen Aussehens, er trug stets Sandalen, hatte lange Haare und einen wallenden Bart, galt er dort bald als „Hauseigener Hippie-Patriarch“ (Cerf). Die Herausgabe und Verteilung der RFC`s (Request for Comments) hatte er übernommen, nachdem Steve Crocker das erste dieser Dokumente geschrieben hatte und ein Freiwilliger für deren Betreuung gesucht wurde. Außerdem war Postel maßgeblich an der Entwicklung des DNS, des Namensystems der Rechner im Internet, beteiligt. Auch deren Verwaltung hatte er freiwillig übernommen. Er war Mitbegründer des „Internet Architecture Board“ und 1992 das erste Einzelmitglied der „Internet Society“, ISOC, einer regierungsunabhängigen Organisation zum Ausbau und zur Koordinierung der Vernetzung. Postel, eine Autorität in seinem Bereich, war wegen seiner ruhigen und besonnen Art bei Untergebenen und Kollegen gleichermaßen geschätzt. Diese Autorität kam ihm zugute, als er im Januar 1998 die Betreiber der zwölf Root Server via E-Mail bat, die Adresse des A-Root Servers (des Rechners, der die Verweise auf die Datenbanken der Top Level Domains enthält) zu ändern und auf seinen Rechner zu verweisen, was tatsächlich geschah. Die Aktion fand im Zusammenhang mit der Diskussion um die Neuorganisierung des Namens-Systems statt, für die sich auch Postel einsetzte. Jon Postel, der Naturfreund und leidenschaftliche Wanderer, hatte bereits 1991 eine Herzoperation überstanden, als er 1998 nach einer erneuten Operation starb. Er war nicht verheiratet und hatte keine Kinder. Vinton Cerf verfaßte einen Nachruf auf Postel in Form eines RFC und rief den „Jonathan B. Postel Service Avard“ ins Leben, der 1999 posthum an Jon Postel verliehen wurde. Zur Trauerfeier in der Universität von Los Angeles brachte Jons Bruder Mort 250 Papierflugzeuge mit, die von den Trauergästen gleichzeitig mit dem Ausruf „In Gedenken an Jon Postel“ in die Luft geworfen wurden.

Jean Armour Polly

Amerikanische Bibliothekarin und Autorin, prägte den Begriff „Surfing the Internet“.

Die Geschichte, wonach der von Jean Armour Polly geprägte Begriff „Surfing the Interent“ durch die Abbildung eines Surfers auf ihrem Mouse Pad angeregt wurde, gehört wahrscheinlich in das Reich der Legenden, denn das Netz wurde damals noch durch textbasierte Anwendungen bestimmt. Jean Armour Polly hatte im Juni 1992 einen Artikel über die Nutzung des Internet geschrieben und den Ausdruck „Surfing the Interent“ als Überschrift gewählt, da das Wort „Surfen“ am treffendsten die Fähigkeiten beschrieb, die damals für eine erfolgreiche Recherche im Internet notwendig waren. Das Netz erschien wie ein unbekannter Ozean, zu dessen Erforschung eine Menge Sachkenntnis, aber auch Geschicklichkeit und Ausdauer notwendig waren. Doch auch Spaß und Abenteuer kamen dabei nicht zu kurz. Der Ausdruck verbreitete sich rasch und wurde bald zum Allgemeingut. Nur die Gemeinde der „echten“ Surfer fühlte sich durch die Gleichsetzung ihres Sports mit einer vergleichsweise stupiden Tätigkeit auf den Schlips getreten, und es soll sogar zur Gründung einer Newsgruppe im Internet gekommen sein, in der man Polly die Krätze an den Hals wünschte. Jean Armour Polly wurde am 12. Oktober 1952 in Syracuse, New York, geboren. Schon in der High School entdeckte sie ihr Talent zum Schreiben, sie verfaßte zum Beispiel das High-School-Jahrbuch und das dazugehörige Literaturmagazin. Auf dem College gewann sie 1974 den „Whiffen Poetry Prize“. Dort wurde auch ihr Interesse an der Datenverarbeitung geweckt, als sie freiwillig Kurse für die Programmiersprachen „Basic“ und „Fortran“ besuchte. Den Computer nutzte sie auch während ihrer Ausbildung an der Universität von Syracuse, dort studierte sie mittelalterliche Geschichte und Bibliothekswesen. Dabei beschäftigte sie sich mit dem Computer als Mittel zur Informationsbeschaffung. Nach Beendigung des Studiums im Jahre 1975 wollte sie sich eigentlich mit antiquarischen Büchern und alten Handschriften beschäftigen, doch sie landete schließlich in der Bücherei von Liverpool, New York. Dort richtete sie 1981 einen der ersten öffentlichen Computerarbeitsplätze in einer amerikanischen Bibliothek ein, gab Computerunterricht und etablierte ein Bulletin Board System. Ihren eigenen Internet-Zugang erhielt sie 1991, und ein Jahr später folgte der entsprechende Anschluß an ihrem Arbeitsplatz. Im selben Jahr begann sie, bei einem lokalen Internet Service Provider zu arbeiten, wo sie sich unter anderem mit der Einführung von Journalisten in diese Thematik beschäftigte, was ihr den Spitznamen „Internet Mom“ einbrachte. Polly war am Projekt „Gain“ (Global Access Information Network), einer Studie über die Möglichkeiten der effektiven Nutzung des Internet zur Recherche beteiligt, und sie war die zweite Frau, die Mitglied der „Interent Society“, ISOC, wurde, einer Organisation, die sich unter anderem mit der Koordination von für das Internet entwickelten Technologien beschäftigt. 1995 machte Jean Armour Polly sich als „Net Mom“ selbständig. Sie schrieb das Buch „The Internet Kids and Family Yellow Pages“ einen familienfreundlichen Führer durch das World Wide Web, der mittlerweile in der sechsten Auflage erschienen ist. Auch ist sie als Beraterin tätig. „Net Mom Approved“ ist in den USA inzwischen als Qualitätssiegel für Internetseiten bekannt. Jean Armour Polly ist verheiratet und hat einen Sohn. Ihr Haus, in dem neben der Familie auch eine große Anzahl Katzen ein Heim gefunden hat, ist natürlich mit einem Netzwerk ausgestattet.

Beitragsbild: Von Elon University’s Imagining the Internet Center at the Internet Society’s Internet Hall of Fame Induction 2019 in San José, Costa Rica. – CC-BY 4.0,

Politik digital

Plattform zur politischen Diskussion im Internet.

„…die Gleichberechtigung von Mann und Frau, ihre Unabhängigkeit in der partnerschaftlichen Lebensgestaltung zu sichern und in der Umweltmedizin. Wir wollen, daß Verwaltungen bürgernah und transparent arbeiten. Gemeindegebietsreformen sollen mit den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern in Ehrenamt und Freiwilligendiensten stärker anerkennen und fördern…“ Was auf den ersten Blick wie die Aussage eines beliebigen Politikers wirkt, ist tatsächlich eine Komposition des „Phrasendreschers“, eines Programms der Internetseite „Politik digital“, das aus den Verlautbarungen der Parteien neue Aussagen zusammenstellt. „Politik digital“ beschäftigt sich mit der „Digitalisierung und Vernetzung der Politik“. Dabei werden Berichte und Analysen zu aktuellen Themen geboten, und die Besucher der Seite werden zur Mitwirkung aufgefordert, indem sie zum Beispiel mit Politikern chatten können. Die online-Aktion „Vote Against Spam“, die 1999 gemeinsam mit einem Computermagazin durchgeführt wurde, reichte beim Europäischen Parlament eine Petition gegen die Legalisierung unerwünschter Werbe-Mail (Spam-Mail) ein. „Politik digital“ wurde 1998 von Peer-Arne Böttcher, Lars Hinrichs und Philipp Stradtmann als Nachfolger von „Wahlkampf98“ gegründet. „Wahlkampf98“ war ein Internetprojekt, das Böttcher und Hinrichs mit Unterstützung eines Hamburger Nachrichtenmagazins zur damaligen Bundestagswahl durchgeführt hatten. Der 1976 in Berlin geborene Peer-Arne Böttcher wuchs in Hamburg auf, wo er die Waldorfschule in Hamburg-Farmsen besuchte. Er hatte sich bereits in der Schule journalistisch betätigt, schrieb für die Schülerzeitung und veröffentlichte ein Buch. Nach seinem Abitur leistete er seinen Grundwehrdienst als Redakteur im Bundesverteidigungsministerium. Dort lernte er den gleichaltrigen Lars Hinrichs kennen. Hinrichs, der bereits im Alter von 14 Jahren beim Chaos Computer Club Erfahrtungen mit dem Internet gemacht hatte, arbeitete am Internetauftritt der Bundeswehr. Die zwei entwickelten die Idee einer Informationsseite zur Bundestagswahl, woraus „Wahlkampf98“ entstand, das später als „Politik digital“ gemeinsam mit dem zwei Jahre älteren Journalisten Philipp Stradtmann ausgebaut wurde. Böttcher und Hinrichs haben außerdem die PR-Agentur „Böttcher Hinrichs AG“ als „Netzwerk von Visionären“ gegründet. Ein aufsehenerregendes Projekt, das die Firma mit drei weiteren deutschen Internetunternehmen in den USA ins Leben gerufen hat, ist die virtuelle Präsidentschaftskandidatin Jackie Strike, die sogar vom amerikanischen Fernsehsender CNN interviewt wurde. Anhand eines Avatars (ein Avatar ist eine animierte Kunstfigur im Internet) demonstrieren die beteiligten Unternehmen recht erfolgreich die Einsatzmöglichkeiten ihrer Technologien.

Beitragsbild: Jackie Strike, die virtuelle US-Präsidentschaftskandidatin von Politik digital

Internet Policy Institute

merikanisches Forschungsinstitut

Damit die Wirtschaft sich im Internet zukünftig in geregelten Bahnen entwickelt und die Politik in die Lage versetzt wird, die richtigen Weichen zu stellen, wurde in den USA im November 1999 von diversen Firmen und Organisationen das „Internet Policy Institute“, IPI, ins Leben gerufen. Das Institut beschäftigt sich mit den Umwälzungen, die das Internet für Wirtschaft und Gesellschaft mit sich bringen wird. Die Mitglieder stellen mögliche Entwicklungen dar und geben der Politik so Entscheidungshilfen in den entsprechenden Fragen. Die Themen reichen von den Problemen bei der Erhebung von Mehrwertsteuer auf im Internet verkaufte Waren, über Fragestellungen zu Wirtschaftswachstum und Produktivitätssteigerung durch das Netz bis zur Möglichkeit, Wahlen über das Internet durchzuführen. Das IPI versteht sich als unabhängige Organisation, wird jedoch von Unternehmen wie AOL, EMC2oder Microsoft finanziert. Zum Verwaltungsrat gehören Persönlichkeiten wie James Barksdale, der ehemalige Präsident der Firma Netscape, die Journalistin Esther Dyson oder der Internetpionier Vinton Cerf.

Hasso Plattner

Mitbegründer des Softwareunternehmens „SAP“.

Im Gegensatz zu den heute umjubelten Unternehmen der „New Economy“ konnte die von Hasso Plattner mitbegründete Firma bereits im ersten Geschäftsjahr einen Gewinn verbuchen, und seit 1995 ist das von ihm im Jahr 1972 mitbegründete Unternehmen „SAP“ Weltmarktführer im Bereich der Programme, die innerbetriebliche Vorgänge steuern, der sogenannten Business-Software. Diese Software wird den Bedürfnissen der Kunden angepaßt und macht eine aufwendige Installation notwendig, was den Anwenderkreis auf Großunternehmen beschränkt. Sogar Firmen wie IBM oder Microsoft gehören zu den Nutzern der Produkte aus dem Hause „SAP“. Hasso Plattner wurde am 21. Januar 1944 als Sohn eines Arztes und einer Lehrerin in Berlin geboren, wo er auch seine Kindheit verbrachte. Nach dem Abitur, das er in Konstanz machte, studierte er Nachrichtentechnik an der Technischen Hochschule in Karlsruhe. Nach dem Studium begann er 1968 bei IBM in Mannheim als Programmentwickler zu arbeiten. 1972 machte er sich mit vier Kollegen mit der Firma „Systemanalyse und Programmentwicklung“ selbständig. Das Unternehmen widmete sich der Entwicklung von kommerzieller Anwendersoftware als Standardprodukt. Der erste große Auftrag kam vom Chemieunternehmen „ICI“, für welches das „System R“ entwickelt wurde, wobei „R“ für „Realtime“ steht. 1979 hatte „SAP“ bereits 100 Kunden und das Unternehmen konnte kräftig expandieren. Das in den 90-er Jahren entwickelte Programm „R/3“ wurde zum de facto Standard in seinem Bereich und machte „SAP“ zum Weltmarktführer. Obwohl „R/3“ seit 1996 Internetfähig ist, warf man „SAP“ vor, das Internet verschlafen zu haben, was Plattner in einem Interview mit den Worten „wir waren zwar nie die Schnellsten, aber immer die Besten“ kommentierte. Inzwischen hat die Firma begonnen, mit „mySAP.com“ Technologien für Marktplätze im Internet zu entwickeln. Dabei soll auch Microsoft angegriffen werden, da die neuen Produkte von „SAP“ auch Bestandteile enthalten, die bislang eine Domäne des amerikanischen Software-Riesen sind. Eine besondere Rivalität besteht allerdings zu Larry Ellison von Oracle. Als Plattner in Lissabon ein großes Fest mit Feuerwerk ausrichtete, pflasterte Ellison den Flughafen der Stadt mit Plakaten, auf denen er verkündete, er habe Millionen Dollar gespart, da er nicht mit der Software von „SAP“ arbeite. Bei einer Wettfahrt vor Hawaii gerieten die beiden Segler aneinander, als Ellisons Schiff an Plattners Yacht, die durch einen Mastbruch manövrierunfähig war, vorbeisegelte. Als ein Begleitboot Ellisons Plattners Yacht umrundete und Videoaufnahmen machte, zeigte Plattner bei heruntergelassener Hose seinen Hintern, was in Amerika als „Mooning“ bezeichnet wird. Der begeisterte Segler Plattner gewann mit seiner 24-Meter-Yacht bereits die Sydney-Hobart-Regatta, die 630 Meilen durch den Pazifik führt, auch ist er ein begeisterter Golfspieler, Fußball- und Eishockeyfan. Das Magazin „Forbes“ zählte ihn 1999 zu den reichsten Personen der Welt. Er ist seit 1978 verheiratet und hat zwei Töchter. Seiner Frau schenkte er zum Geburtstag ein Luxus-Golf-Hotel in Südafrika im Wert von 23 Millionen Mark. Plattner ist sich allerdings dessen bewußt, daß er seinen Erfolg auch seiner guten Ausbildung zu verdanken hat. Daher stiftete er 1998 100 Millionen Mark zur Einrichtung des „Hasso Plattner Softwareinstitut“ in Potsdam. Dort gibt es weltweit den einzigen Studiengang für Softwaresystemtechnik. Er soll die Studenten befähigen, komplexe Softwaresysteme zu entwickeln. Hasso Plattner selbst ist Lehrbeauftragter und Honorar-Professor an der Universität Saarbrücken, von der er auch 1990 einen Ehrendoktortitel verliehen bekam.

Beitragsbild: SAP AG / Wolfram Scheible

Pl@net

Deutsches Internetmagazin.

„Zu kritisch, zu politisch, zu negativ“ so beurteilt der ehemalige Chefredakteur der Zeitschrift „pl@net“, Giesbert Damaschke, das Ableben des Projektes Anfang 1997. Das Magazin war 1995 erstmals als Sonderheft im Ziff Davis Verlag herausgekommen und seit März 1997 regelmäßig erschienen. Verantwortlich für das Blatt waren Barbara Mooser und Giesbert Damaschke, die zuvor beim 1994 eingestellten „Windows Magazin“ des Verlages gearbeitet hatten. Pl@net beleuchtete das Internet jenseits von technischen Fragen, beschäftigte sich mit Politik und Kultur im Netz, setzte sich kritisch mit dem in Deutschland beginnenden Internet-Rummel auseinander und wurde schon mit dem amerikanischen Magazin Wired verglichen. Allerdings paßte die Zeitschrift nicht recht in das Konzept des Verlages, der sich vornehmlich um technische Belange der Computerwelt kümmert. Auch gab es kaum Anzeigenkunden. So war es nicht verwunderlich, daß in der Ausgabe 3/97 unter dem neuen Chefredakteur Alfons Schräder eine „Trendwende“ angekündigt und die Publikation als technisches Magazin für Webmaster unter dem neuen Namen „Internet Professionell“ weitergeführt wurde.