Steven Michael Bellovin


Amerikanischer Computerspezialist, Mitentwickler des Usenet.

Der 1951 geborene Steve Bellovin hat 1979 als Student der Universität von North Carolina mit dazu beigetragen, einen Meilenstein im Internet zu setzen. Gemeinsam mit Tom Truscott und ßßß Jim Ellis, zwei Studenten der Duke Universität, entwickelte er Usenet, das „Arpanet für Arme“, wie es auch genannt wird. Das Usenet kann mit einem elektronischen Schwarzen Brett verglichen werden, über das Nachrichten ausgetauscht werden können, es ist noch immer ein beliebtes Diskussionsforum und dient zum Übermitteln der unterschiedlichsten Botschaften. Die Geschichte ist schnell erzählt und wenig spektakulär: Die Drei suchten eine Möglichkeit, Nachrichten zwischen den beiden Universitäten auszutauschen. Anfangs verwendeten sie das Unix eigene Übertragungsprotokoll UUCP, um die Daten mit Hilfe selbstgebastelter Modems über die Telefonleitung zu übertragen. Steve Bellovin schrieb das erste Programm, um diesen Datenaustausch zu automatisieren. Die eigentliche Idee zur Vernetzung stammt von Tom Truscott und Jim Ellis. 1995 wurde den dreien für ihre Entwicklung der „Usenix Lifetime Achievement Award“ verliehen. Bellovin arbeitet bei AT&T, wo er sich mit Netzwerken und Datensicherheit befaßt. Speziell interessiert ihn daran, warum diese zwei Dinge nicht zusammenzupassen scheinen.
Beiragsbild: Eileen Barroso/Columbia Engineering.

Wesley Allison Clark

Amerikanischer Computerspezialist, entwickelte die Idee des IMP
1927 – 2016

Wesley Clark hatte 1947 sein Physikstudium in Berkley abgeschlossen und arbeitete in den 50er Jahren am Lincoln Laboratory des MIT. Dort war er unter anderem gemeinsam mit Ken Olson, der später das Unternehmen DEC gründete, an der Konstruktion des TX-0 Computers beteiligt. Im Licoln Lab lernte er auch Joseph Licklider kennen, den späteren Leiter des ARPA. Clark traf Licklider, als er eines Tages durch den Gebäudekomplex streifte und ihn in einem abgedunkelten Labor an einem Monitor arbeiten sah. Die Männer kamen ins Gespräch und es kam zur Zusammenarbeit der beiden, während der Wesley Clark den interssierten Licklider in die Arbeit mit dem TX-2 Computer einführte. Später arbeiteten die beiden wieder zusammen, als es bei ARPA um die Vernetzung verschiedener Rechner ging. Es bestand das Problem, die mit unterschiedlichen Betriebssystemen arbeitenden Computer miteinander kommunizieren zu lassen, und es wurde vorgeschlagen, einen Zentralrechner als „Dolmetscher“ arbeiten zu lassen. 1967 wurde während eines Treffens, der am ARPA beteiligten Wissenschaftler dieses Problem diskutiert. Clark erinnert sich, daß er, am Ende der Diskussion, an der er sich kaum beteiligte, die Idee hatte, jedem am Netz beteiligten Computer einen kleinen Rechner, den „Interface Message Processor“ IMP, vorzuschalten der diese Arbeit erledigen sollte. Auf der Taxifahrt zum Flughafen unterbreitete er seinen Vorschlag den mitfahrenden Kollegen. Clarks Idee wurde in die Tat umgesetzt, und 1969 konnte BBN den ersten IMP liefern.
Wesley Clark, der auch als „Großvater des Personal Computers“ bezeichnet wird, da er mit seinem Studenten James Molnar 1964 den LINC (Laboratory INstrument Computer) der als erster persönlicher Computer gilt entwickelte,  starb im Frühjahr 2016 im Alter von 88 Jahren.

Das Beitragsbild zeigt Clark mit dem von ihm entwickelten LINC.

(Foto: Mary Allen Wilkes/Heinz Nixdorf MuseumsForum)

Paul Baran

Amerikanischer Ingenieur (1926 – 2011), hatte die Idee eines dezentralen Netzwerkes.
Paul Baran entwickelte die Idee des dezentralen Netzwerkes und des Packet Switching, der Übertragung von Daten in einzelnen „Paketen“, auf denen das Prinzip der Datenübertragung im Internet beruht. Der 1926 geborene Paul kam im Alter von zwei Jahren mit seinen Eltern aus Polen in die USA. Sein Vater eröffnete in Philadelphia ein Lebensmittelgeschäft. Der kleine Paul half seinem Vater, indem er mit einem Handwagen Lebensmittel auslieferte. Von 1945 bis 1949 absolvierte er am Drexel Institute of Technologie eine Ausbildung zum Elektroingenieur. Seinen ersten Job nahm er bei der „Eckert Mauchly Computer Company“ an, einem Start-up, das von den Entwicklern des ersten elektronischen Computers, dem ENIAC, gegründet worden war. Dort entstand der erste große kommerzielle Rechner, der UNIVAC. Paul Barans Arbeit bestand darin, laufend die elektronischen Komponenten der Rechner, in der Hauptsache Vakuumröhren und Dioden, zu überprüfen, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Nach einem Jahr gab er diese Stellung auf und arbeitete in den nächsten Jahren bei verschiedenen Firmen. Er heiratete und zog nach Los Angeles, wo er eine Stelle bei Hughes Aircraft antrat, bis er 1959 zur RAND Corporation stieß. „RAND Corporation“, der Ausdruck ist aus dem Begriff „Research AND Development“ hergeleitet. Diese Forschungsagentur war nach dem zweiten Weltkrieg gegründet worden, um die während dieser Zeit vom amerikanischen Militär entwickelten Forschungsansätze weiterzuführen. Den dort tätigen Wissenschaftlern war es selbst überlassen, mit welchen Problemen sie sich auseinandersetzen wollten. Noch während seiner Zeit bei RAND setzte Baran seine Fortbildung an der Universität von Kalifornien, Los Angeles, in Abendkursen fort, bis 1962 besuchte er regelmäßig die Lehrveranstaltungen. 1959 hatte er dort einen Abschluß als Ingenieur erlangt. Er bezeichnete es zeitlebens als bedauerliche Tatsache im Leben eines Ingenieurs, daß das Wissen ständig veraltet und man wegen der permanenten Weiterbildung an einen Ort gebunden ist. Paul Barans Arbeit bei RAND fiel in die Zeit des kalten Krieges und beim Geldgeber der RAND Corporation, der Amerikanischen Luftwaffe, machte man sich Gedanken über Kommunikationsmöglichkeiten innerhalb der USA, die einem sowjetischen Raketenangriff standhalten könnten. Baran beschäftigte sich mit diesem Problem und entwickelte das Konzept eines verteilten Netzwerkes, das ohne zentrale Vermittlungsstelle auskommt. Ein solches Netzwerk würde einem Atomschlag standhalten, wenn jeder Knotenpunkt mit drei oder vier andern Knoten verbunden wäre. Die Nachrichten, die über dieses Netz zu versenden waren, sollten in einzelne Segmente, die Pakete, aufgeteilt werden und sich den jeweils günstigsten Weg durch das Netz zum Empfänger suchen. Leider konnte Baran das Projekt nicht im Einsatz erproben, die Telefongesellschaft AT&T, deren Leitungsnetz für Versuche hätte verwendet werden müssen, weigerte sich beharrlich. Auch das Pentagon hielt nicht viel von dieser Idee. So legte Baran das Projekt 1965 entnervt zu den Akten. Er wollte lieber warten „bis mal eine kompetente Organisation vorbeikam“. In den folgenden Jahren tat Paul Baran sich als erfolgreicher Unternehmer hervor. Anfang der siebziger Jahre gründete er die Firma Metricom, für drahtlose Kommunikation. Auch gehört er zu den Mitbegründern der Firma Com21, die sich mit der Entwicklung schneller Internetverbindungen beschäftigt. Weiterhin war er an der Gründung des „Institute for the Future“ beteiligt, das sich mit der Voraussage von Trends in Technik und Wissenschaft beschäftigt. In diesem Zusammenhang sah er bereits den Niedergang der Supermärkte durch den aufkommenden Online-Handel kommen.
Der Ausdruck „Paket Switching“ stammt übrigens nicht von Paul Baran, der seine Entwicklung „distributed adaptive message block switching“ genannt hatte,  sondern von dem Engländer ßßß Donald Watts Davies, der dieses Prinzip Mitte der sechziger Jahre in England entwickelte, ohne Barans Forschungsergebnisse zu kennen.

Paul Baran starb am 26. März 2011 in Kalifornien.

Apache

Software für Web-Server
„Apache ist die am meisten verwendete, aber außerhalb von Insiderkreisen, unbekannteste Applikation im Web“ schrieb das US-Magazin Wired im Februar 2000. Tatsächlich hat diese Software für Web-Server mittlerweile einen Marktanteil von über 60 %. Häufig heißt es, der Name Apache habe nichts mit Indianern zu tun, auch wenn im Logo der Apache Software Foundation, einer Non-profit Company zur Unterstützung von Open Source Projekten, eine bunte Feder erscheint. Der Name gehe auf den Ausdruck „A patch server“ (Ein aus Patches bestehender Server) zurück, der 1995 geprägt wurde. (Patch ist die Bezeichnung für ein Korrekturverfahren, bei dem gezielt einzelne Pogrammfehler behoben werden.) Doch die Apache Software Foundatuion stellt klar, daß der Name aus Respekt vor den strategischen Fähigkeitne und der Ausdauer  der Apachen gewählt wurde.
1995 war der NCSA-Webserver die meistverbreitete Software dieser Art. Als der Hauptentwickler Rob McCool das National Center for Supercomputing der Universität von Illnois (NCSA) verließ, bestand jedoch weiterhin Bedarf die Software weiterzuentwickeln. Aus diesem Grund schlossen sich acht Programmierer zu einer Gruppe zusammen, die den Namen Apache-Group erhielt. Zur Zeit besteht diese Gruppe aus 22 Mitgliedern, der auch drei Deutsche angehören. Apache läuft auf allen gängigen Plattformen und ist als modulares System aufgebaut. Da es sich beim Apache-Server um ein Open- Source Projekt handelt, kann jeder Verbesserungen entwickeln, ob diese dann schließlich in Apache eingebaut werden, wird über eine Mailingliste abgestimmt. Bei Open-Source Projekten ist der Quellcode der Software frei zugänglich, das heißt, jeder kann diese Programme seinen eigenen Bedürfnissen anpassen. So arbeiten manchmal Hunderte von Menschen an einem Programm, wodurch Verbesserungen jenseits von kommerziellen Interessen durchgeführt werden können. 1999 wurde die Apache Software Foundation gegründet, um die Entwicklung dieser Software voranzutreiben und zu koordinieren. Mittlerweile sind auch einige Firmen Mitglieder in der Apache-Group, auch sie möchten die Vorteile der Open-Source-Software für sich nutzen.

Beitragsbild: Ausschnitt aus dem Logo der Apache Software Foundation

Norman Abramson

Amerikanischer Ingenieur, entwickelte den ersten drahtlosen Internetzugang.
Der am 1. April 1932 in Boston geborene Norman Abramson hatte Physik und Elektrotechnik studiert. 1968 arbeitete der begeisterte Surfer als Professor für Ingenieurwesen und angewandte Physik an der Harvard Universität in Boston. Um seinem Hobby besser nachgehen zu können, suchte er sich nach einem Besuch auf Hawaii  an der Universität in Honolulu eine Stelle. Auf Hawaii arbeitete er an einer Möglichkeit der drahtlosen Datenübertragung zwischen Rechnern. So entstand das sternförmige ALOHANET, welches die auf unterschiedlichen Inseln liegenden Institute über Funk miteinander verbindet. Charakteristisch für dieses Netz, das auf nur einem Kanal sendet, ist, daß Kollisionen einzelner Datenpakete vom sendenden Rechner erkannt werden und weitere Sendeversuche in zufälligen Zeitabständen stattfinden. Das entsprechende Protokoll wurde ALOHA, Hallo, genannt. Das ALOHANET war auch die erste drahtlose Verbindung mit dem  ARPANET. Von 1973 an wurde diese Technologie zur Nutzung über Satelliten weiterentwickelt. 1994 gründete Abramson die Firma ALOHA Networks, die sich mit der kommerziellen Nutzung dieser Technologie befaßt. Die Arbeiten von Norman Abramson bilden die Grundlage der heute verbreiteten Mobilfunktechnologie und auch des neuen UMTS-Standard. ALOHA ist wahrscheinlich das heute weltweit am meisten verwendete Zugriffsprotokoll. Norman Abramson erhielt für seine Arbeit zahlreiche Auszeichungen, zuletzt im Jahre 2000 den Technologiepreis der Universität Koblenz

Foto: Norman Abramson, Gemeinfrei,

Der Artikel beschreibt den Stand aus dem Jahr 2000.