Rick Gates

Amerikanischer Bibliothekar, veranstaltete den ersten „Internet Hunt“.
Wissen Sie, wo man im Internet Satellitenbilder eines herannahenden Hurrican bekommen kann oder wo der aktuelle Wechselkurs des Yen zu finden ist? Die Antworten zu diesen und weiteren acht Fragen sollten die Teilnehmer des ersten „Internet Hunt“, einer Art virtueller Schnitzeljagd nach Informationen, im Internet finden. Dieses Suchspiel wurde das erste Mal im September 1992 veranstaltet. Damals war das World Wide Web nur ein kleiner Teil des Internet und an Suchmaschinen, die auf jede Anfrage hunderte von Antworten ausspucken, war nicht zu denken. Wer nach Informationen suchte, mußte die Rechner der in Frage kommenden Institutionen direkt aufrufen oder entsprechende Newsgruppen im Netz besuchen. Organisiert hatte den „Internet Hunt“ der damals 37-jährige Bibliothekar Rick Gates. Der Angestellte der „University of California, Santa Barbara“ war ein echter „Informations-Junkie“, der eine Enzyklopädie wie einen Roman lesen konnte. 1984 hatte er an der Universität von Arizona einen Abschluß in „General Studies“ erlangt, einem Studium, das sowohl Informatik als auch Englisch und Soziologie umfaßte. 1988 machte er außerdem seinen „Master of Library Science“. In Santa Barbara war er für den Online-Katalog der Bibliothek verantwortlich. Die Idee für den Internet Hunt enstand 1991, als ihm klar wurde, welch riesige Menge an Informationen das schnell wachsende Internet bot. Es machte ihm Spaß, das Netz nach neuen Quellen zu durchsuchen und er vermutete, daß es sicher auch Kollegen mit demselben Faible geben müsse. Die Grundlage des Spiels bildete eine Aufgabe, die ihn während seines Studiums begeistert hatte: Die Studenten mußten innerhalb einer vorgegebenen Zeit aus dem Fundus der Bibliothek die Antworten auf einige Fragen finden. So war auch der Internet Hunt aufgebaut, die Teilnehmer hatten zehn Fragen, für die jeweils Punkte vergeben wurden, zu beantworten. Die Fragen wurden im Internet veröffentlicht und Interessenten gebeten, die Lösungen via E-Mail an Rick Gates zu senden. Um sicherzustellen, daß die Antworten tatsächlich aus dem Netz stammten, sollte auch die Quelle möglichst präzise angegeben werden. Der Sieger der ersten Jagd war die Bibliothekarin Hope N. Tillman, die 46 von 48 erreichbaren Punkten erzielte. Das Spiel, das monatlich mit immer neuen Aufgaben stattfand, war recht erfolgreich, zwar beteiligten sich nur wenige Wißbegierige an der Suche, doch dafür lasen um so mehr Interessierte die Nachrichten mit den korrekten Antworten. Sie versprachen sich davon wertvolle Hinweise auf eigene Recherchen im Internet. Schlagzeilen machte der Internet-Hunt 1993, als die Teilnehmer aufgefordert wurden, anhand einer E-Mail Adresse möglichst viele Informationen über die Person, der diese Adresse gehörte, zu sammeln. Die Adresse und die Idee stammten von dem Mitarbeiter der CIA, Ross Stapleton, den Gates auf einer Bootsfahrt anläßlich eines Kongresses kennengelernt hatte. Nur aufgrund der E-Mail-Adresse fanden die Spieler Stapletons Telefonnummer, die Namen seiner Eltern, die Titel der von ihm abonnierten Zeitungen und vieles mehr heraus. Dadurch wurde deutlich, daß das Internet inzwischen ein Raum geworden war, in dem die Privatsphäre der Personen ,die sich dort bewegten, nicht geschützt wurde. Eine Erweiterung des Internet-Hunt auf das World Wide Web, die für 1994 geplant war, wurde nicht realisiert. Rick Gates, der 1993 ein Schulungsunternehmen mitgründete, arbeitete als Dozent an verschiedenen Universitäten. Er ist zur Zeit (2002) am „Rochester Institute of Technology“ tätig. Neben dem Internet-Hunt richtete er den ersten Raum für Internet-Recherchen für die ALA, die „American Library Association“, ein. Außerdem gehörte er zu den Initiatoren des inzwischen eingestellten Projektes „Interpedia“, einer Enzyklopädie im Internet, welches als Vorläufer von Wikipedia gilt.
Ach so: Für einen Dollar bekam man im August 1992 übrigens 126,23 Yen und die Satellitenbilder waren bei „ftp to vmd.cso.uiuc.edu.“ zu finden.

Fred Barrie

Mitentwickler der Suchmaschine Veronica für Gopher.
Der 1968 geborene Fred Barrie studierte an der University of Nevada, Reno, Maschinenbau, als er das erste Mal mit der Computertechnik in Berührung kam. 1988 hatte er einen Job als Bote im Computerzentrum der Uni, wo er neben dem Reinigen der Bandlaufwerke auch zum Erstellen der Backups zuständig war. Dort führte er aber auch Berechnungen für sein Studium durch und lernte die Programmiersprache C. Als er 1992 einen Gopher-Server einrichten mußte, kam ihm und seinem Kollegen Steve Foster die Idee, eine Suchmaschine für Gopher zu entwickeln, wie es sie mit Archie bereits für die ftp-Server gab, um auch im Gopherspace schneller an gesuchte Dokumente gelangen zu können. Zunächst wollte Fred Barrie eine Liste mit Links zu Dokumenten erstellen. Steve Foster schlug vor, das Programm so zu gestalten, daß man direkt zur gesuchten Seite geführt würde. Barrie schrieb das Programm zum Sammeln aller Links und den Server zum Bearbeiten der Anfragen. Das System wurde Veronica genannt, nach der Freundin von Archie, dem Helden aus dem in den USA populären Archie-Comic. Veronica ist aber auch die Abkürzung für: „Very easy rodent-orinented net-wide index to computerized archives“, was im allgemeinen mit „Sehr einfach zu bedienender mausorientierter netzweiter Index für Computerarchive“ übersetzt wird. Fred Barrie arbeitet als Chefentwickler bei einem Unternehmen für Glücksspiele in den USA. Über den Verbleib von Steve Foster ist nichts bekannt.

ARCHIE

Die erste Suchmaschine des Internet.
Archie war ein System zum Lokalisieren von Dateien auf FTP-Servern im Internet. Die Bezeichnung ist eine Kurzform des Wortes „Archive“. 1990 war der graduierte Student ßßß Alan Emtage an der Mc Gill Universität in Montreal damit beschäftigt, für die Schule im Internet Public Domain Software ausfindig zu machen. Die Universität hatte zwar Geld für Hardware, aber beim Personal und bei der Anschaffung der Software sollte gespart werden. Um sich die Arbeit zu erleichtern, schrieb er ein einfaches Programm, das es ermöglichte, die FTP-Server zu indizieren und die Einträge lokal zu durchsuchen. Die Existenz dieser Datenbank sprach sich herum und der Systemadministrator ßßß Peter Deutsch, auch ein graduierter Student, entschied, die Datenbank auch anderen Interessenten zugänglich zu machen und einen auf dem Übertragungsprotokoll Telnet basierenden Server einzurichten. Ein technischer Angestellter der Universität Namens ßßß Bill Heelan, schrieb die Software, die es erlaubte, sich in das System einzuloggen und nach einem bestimmten Eintrag zu suchen. Bald darauf wurde das System erweitert, indem zwei Datenbanken angelegt wurden: Eine, die „What is Database“, enthält die Beschreibung der gesammelten Dateien. Die zweite Datenbank besteht aus den Dateinamen und den dazugehörigen Adressen. Die Zahl der Zugriffe, die zunächst maximal 30 pro Tag betragen hatte, stieg bald auf fast 30 in der Minute. In Zusammenarbeit mit Clifford Neumann vom Information Science Institute der Universität von Süd-Kalifornien entstand eine Art grafische Benutzeroberfläche, um das System besser bedienen zu können. Auch wurde das System lizenziert und es entstanden weltweit Archie-Server. Die größte Anzahl wurde 1995 mit 63 Stück erreicht. 1992 gründeten Alan Emtage und Peter Deutsch die Firma Bunyip Information Systems, um ihre Entwicklung geschäftlich zu nutzen. Bunyip war die erste Firma, die allein zu dem Zweck gegründet wurde, das Internet kommerziell zu nutzen, was, im Gegensatz zur heutigen Situation, von Protesten begleitet wurde. Bunyip existierte bis 1999. Die Entwicklung von Archie wurde dort jedoch nicht lange weiterverfolgt, die Firma, bei der auch Bill Heelan arbeitete, widmete sich der Entwicklung anderer internet-basierter Techniken.
Die Archie-Server mussten im Sommer 1999 aufgrund juristischer Probleme abgeschaltet werden.

Beitragsbild: Screenshot 1999

AltaVista

Vom amerikanischen Computerhersteller Digital Equipment entwickelte Suchmaschine.
Die Suchmaschine Alta Vista wurde Ende 1995 in einer Fernsehshow vorgestellt. Die Firma Digital Equipment (DEC) wollte damit ursprünglich die Leistungsfähigkeit ihrer neuen Rechner beim Arbeiten mit Datenbanken demonstrieren, die 100 Mal schneller sein sollten als die bislang bekannten Systeme. Überhaupt war Alta Vista mit Superlativen nicht sparsam: Einer Werbeaussage zurfolge, sollte Alta Vista nahezu das gesamte Web indiziert haben. Ein Ausspruch, der vom Chefentwickler der Firma Louis Monier zurück-genommen wurde „We don’t index the whole Web, and neither can anyone else“ („Wir indizieren nicht das gesamte Web, und auch niemand sonst ist in der Lage dazu.“) Es stellte sich sogar heraus, daß die Server einiger Anbieter überhaupt nicht durchsucht wurden. 1999 machte die Suchmaschine durch gekaufte Einträge auf den Spitzenplätzen der Suchanfragen von sich reden. Die Grundlage von Alta Vista war ein 1994 von Louis Monier programmierter Web Crawler, der „Scooter“. Mehrere Versionen davon durchsuchten unablässig das Word Wide Web und speicherten die Ergebnisse in einer Datenbank. Ein Vorteil dieser Suchmaschine war es, daß die gesamten Seiten gespeichert werden und somit eine sehr genaue Suche möglich war. Nachteilig wirkte sich aus, daß die Suchanfragen stets die ersten 25 Wörter einer Seite, ohne Gewichtung, anzeigten. Nach der Übernahme von DEC durch Compaq wurde aus Alta Vista ein eigenständiges Unternehmen. Nach mehreren Übernahmen wurde die Suchmaschine, schließlich im Bestiz von Yahoo, im Jahr 2013 eingestellt.
Ein weiterer Service von Alta Vista war der Babelfish: Ein Übersetzungsprogramm, das nach einem Tier aus der Buchreieh „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams benannt wurde. Der kleine gelbe Fisch wird ins Ohr gesteckt und ermöglicht es dann, alle Sprachen der Welt zu verstehen. Die Bezeichnung AltaVista entstand durch Zufall, als im Labor von DEC auf einer Tafel die Textfragmente „Alto“ und „Vista“ nebeneinander zu lesen waren. Ein Mitarbeiter schlug zunächst Alto Vista vor, woraus später „AltaVista“ wurde, was auch „Der Blick von oben“ bedeutet.

Beitragsbild. Ausschnitt aus einem Screenshot von 1999