Tim Berners-Lee

Englischer Physiker, Entwickler des World Wide Web.

„Dieser Mann wäre eigentlich ein Kandidat für den Nobelpreis“, so zitiert die New York Times Eric Schmidt, den Chef der Firma Novell, und das Magazin Time wählte Lee unter die 100 einflußreichsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Tim Berners Lee, der am 8. Juni 1955 in London geboren wurde, gilt als der Erfinder des World Wide Web, er machte aus einem Kommunikationsmedium für die Elite der Wissenschaftler ein Massenmedium. Seine Eltern, beide Mathematiker, lernten sich bei der Arbeit am ersten englischen kommerziellen Computer, dem Ferranti Mark I, kennen. Schon am Frühstückstisch drehten sich die Gespräche mit dem Sohn um imaginäre Zahlen – zum Beispiel: Wurzel aus -4 -. Als Kind baute er sich eine Replik des Ferranti aus Pappkartons. Seinen ersten „echten“ Computer konstruierte er sich als Student aus einem M6800 Prozessor, einem alten Fernsehgerät und diversen anderen Bauteilen. Nach der Schulzeit studierte er in Oxford Physik, dieses Fach hatte er gewählt, da es ihm als Kompromiß zwischen Mathematik und Elektronik am interessantesten erschien. Nach dem Studium arbeitete er bei verschiedenen Firmen. Während dieser Zeit war er unter anderem mit der Entwicklung von Software für Textsatzmaschinen und einem Multitasking- Betriebssystem betraut. 1980 arbeitete er zum ersten Mal im ßßß CERN Forschungslabor in Genf, dem Sitz der europäischen Organisation für Kernforschung. Er war dort für sechs Monate als unabhängiger Berater tätig. Während dieser Zeit entstand das Programm „Enquire“. Es sollte Berners-Lee bei der Verwaltung seiner umfangreichen Unterlagen helfen. Die Bezeichnung leitete sich aus dem Namen einer Enzyklopädie her, die ihm aus Kindertagen in Erinnerung war „ Enquire whithin upon everything“ (Frage innerhalb von allem) Das Programm sollte mit den Informationen umgehen, wie das menschliche Gehirn, man sollte damit Assoziationsketten bilden können. Tim Berners-Lee bezeichnet es selbst als Vorläufer des World Wide Web. 1989 war er erneut bei CERN und stand wieder vor der Aufgabe, die großen Datenmengen so zu organisieren, daß die dort ständig wechselnde Belegschaft problemlos auf sie zugreifen konnte. Er stellte sich ein System vor, das es dem Anwender ermöglichte, ohne Schwierigkeiten „ von einer Softwaredokumentation über eine Telefonliste zur grafischen Darstellung einer Organisationsstruktur“ zu gelangen. Aus dieser Überlegung heraus entstand HTML, die Hypertext Markup Language“, mit ihr konnten die Informationen entsprechend aufbereitet werden. Zur Lokalisierung der Dokumente schuf er das Schema der URL des Universal Resource Locator und, um die Daten in einem Netzwerk zu übertragen, wurde das Hypertext Transfer Protocol – HTTP – entwickelt. Zur Sichtbarmachung und Aufbereitung der Daten am Monitor kam noch der erste Browser – Blätterer – hinzu. Mit ihm konnten HTML-Dokumente sowohl aufgerufen als auch erstellt werden. Eigentlich sollte das System nur in dem CERN eigenen Netzwerk laufen, doch Tim Berners-Lee entschied sich dafür, es dem gesamten Internet zur Verfügung zu stellen. Als Name für dieses System schwebten ihm zunächst verschiedene Bezeichnungen vor, etwa „Mine of information – Moi“ oder „The Information Mine – Tim“. Er entschied sich für „web“, weil dies als mathematischer Ausdruck im Englischen das Prinzip des Hypertextes, jeden Punkt eines Systems mit einem beliebigen anderen zu verbinden, am besten beschrieb. Eine Alternative dazu wäre der Begriff „graph“ gewesen. Er bedauert es nicht, das Web nicht kommerziell genutzt zu haben, im Gegenteil: Er ist sogar der Meinung, daß ein kommerzielles Netz sich niemals so schnell verbreitet hätte wie es nach der Veröffentlichung des Browsers Mosaic von Marc Andreessen und seinen Partnern geschah. Tim Berners Lee ist verheiratet und hat zwei Kinder, in seiner Freizeit surft er lieber auf dem Wasser als im Internet. Seit 1994 arbeitet er als Wissenschaftler am MIT, außerdem ist er Direktor des W3 C, des WWW Consortiums, das sich um die Koordinierung der HTML Standards kümmert. Seine Vision eines Netztes, in dem jeder Dokumente empfangen und diese selbst verändern kann, ist noch lange nicht verwirklicht. Er sieht das Netz Ende 1999 als ein Medium mit Millionen von Fernsehsendern.

Beitragsbild:Paul Clarke [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons