Äda`web

Kunstprojekt im World Wide Web.
Unter dieser Bezeichnung ging am 15. Mai 1995 eine Seite ins Netz, die es Künstlern ermöglichen sollte „das Netz als neues Medium zu erforschen.“, wie es einer der Gründer, der aus Paris stammende Benjamin Weil ausdrückte. Der Autor und Kurator war bereits 1991 als Gründungsmitglied an ßßß The Thing beteiligt, einem interaktiven Computernetzwerk, das sich mit zeitgenössischer Kunst beschäftigte. Mit Äda`web sollte eine „digitale Gießerei“ entstehen, die sich vor allem an Künstler richtete, die zwar mit der Computertechnik noch nicht vertraut waren, deren Arbeiten aber bewiesen, daß ein System wie das Internet ihre Ausdrucksmöglichkeiten erweitern könnte. Der Partner von Benajmin Weil war John Borthwick, ein damals knapp 30 Jahre alter Wirtschaftsberater. Borthwick hatte das Netz 1994 für sich entdeckt und wollte mit seiner Firma WP-Studio kreative Projekte entwickeln. Die Firma übernahm die Finanzierung des Projektes. Für den Namen des Projektes stand Ada Byron (1815 – 1852) Pate, die Tochter des englischen Dichters Lord Byron. Sie erfuhr 1834 von der Rechenmaschine, die von Charles Babagge erdacht worden war und entwickelte die Idee, daß eine solche Maschine auch Grafiken erstellen oder Musik produzieren könnte. Außerdem gilt sie als die Schöpferin des ersten Computerprogramms überhaupt, als Assistentin des Mathematikers entwarf sie unter anderem die ersten Programmpläne. Äda`web war in fünf Ebenen gegliedert, auf denen neben reinen Netzkunstarbeiten auch Werke zugänglich waren, die sowohl online als auch offline funktionierten. Ein weiterer Ansatz war es, neue Möglichkeiten der Kunstfinanzierung zu finden, denn virtuelle Kunstwerke lassen sich schwerlich verkaufen. So wurde Äda`web auch zu einem Pionier des e-commerce, denn es wurde versucht, auf der Seite auch kleine Kunstgegenstände, Videos, Bücher und Zeitschriften zu verkaufen. Dieser Ansatz kam jedoch für das Internet zu früh und blieb daher ohne Erfolg. 1998 drehte der Sponsor Digital City Studio, wie die inzwischen von AOL übernommene Firma hieß, Äda`web den Geldhahn zu. Die Web-Seiten wurden dem Walker Art Center in Minneapolis geschenkt, von wo sie noch immer aufgerufen werden können http://adaweb.walkerart.org/. Benjamin Weil sah das Ende des Projektes als Ausdruck der Ignoranz einer, nur auf die schnelle Mark fixierten Industrie, die nicht begreift, daß Projekte wie Äda`web die Entwicklung des neuen Mediums sehr wohl fördern können, indem sie neue, dem Internet gemäße Sicht- und Ausdrucksweisen entwickeln. Die Firmen müßten bereit sein, auch Prozesse zu unterstützen, von denen sie keinen unmittelbaren Nutzen zu erwarten haben. Aber auch die Künstler sollten Kompromisse eingehen und nicht jedem Sponsor puren Eigennutz unterstellen.

Beitragsbild: Ausschnitt aus einem Screenshot von 1999