Carl Malamud

Amerikanischer Autor, Gründer des ersten Internet Radios.

Im Gegensatz zu den meisten Protagonisten des Internet, ist Carl Malamud der Meinung, daß auch die Regierungen eine wichtige Rolle im Netz spielen sollten. Natürlich fordert er nicht, daß durch bürokratische Regelungswut etwa die Meinungsfreiheit eingeschränkt wird. Vielmehr ist er der Ansicht, daß sich das weltweite Netzwerk nur durch Beteiligung der Regierungen in eine Richtung entwickeln kann, die Zugriff auf alle Informationen und Meinungsfreiheit ermöglicht. Sonst könnte das Internet schließlich in totalem Chaos versinken. Denn „Technologie allein ist keine Garantie für Meinungsfreiheit.“ Schließlich würden auch die Städte und Gemeinden der realen Welt entsprechend verwaltet, zum Beispiel indem Straßen angelegt werden. Um diesem Ziel näher zu kommen, forderte er 1994 von der amerikanischen Regierung, diverse Informationen im Internet zur Verfügung zu stellen, etwa das Archiv des Patentamtes oder die „EDGAR“ Firmendatenbank. Carl Malamud gehört nicht zu den Computerfreaks im eigentlichen Sinne. Zwar hatte der 1959 in New York geborene Malamud schon als Schüler ersten Kontakt mit Großrechnern (er durfte Zahlenkolonnen eingeben, die zum Booten der Rechner nötig waren), als sein Vater, einer der Gründer des „Fermilab“, dem amerikanischen Teilchenbeschleuniger, ihm dort Experimente erklärte. Doch Sohn Carl studierte lieber Wirtschaftswissenschaften und Jura wobei er die Rechner der Universität nur zur Textverarbeitung oder zur grafischen Darstellung von Wirtschaftstheorien verwendete. Als er sich im Computerzentrum über die umständliche Arbeit mit den Programmen beschwerte (die Computer arbeiteten damals noch mit Lochkarten), ließ er sich dazu überreden, dort als Berater für andere Nutzer zu arbeiten. 1991 erschien sein Buch „Exploring the Internet – ein technischer Reisebericht“ in dem er über Personen berichtete, die maßgeblich an der Entstehung des Netzes beteiligt waren. Er kam auf die Idee, Interviews, die er im Zusammenhang mit dem Buch gemacht hatte, im Internet als Sound-Dateien zu veröffentlichen. So entstand 1993 daß erste Radioprogramm, in dem Gespräche mit entsprechenden Persönlichkeiten unter dem Titel „Geek of the Week“ veröffentlicht wurden. Das Konzept kam an und es wurde durch die „Übertragung“ von Pressekonferenzen und ähnlichen Veranstaltungen zum „Internet Talk Radio“ erweitert. Organisiert wurde das Radio vom „Internet Multicasting Service“, einer Non Profit Organisation Malamuds, die verschiedene Internet-Dienste anbot. Einer davon ist „North Pole.org“. Dort kann man mit dem Weihnachtsmann Kontakt aufnehmen oder verschiedene Geschichten rund um Weihnachten abrufen. Über diese Web-Seite lernte Malamud auch seine Ehefrau Rebecca kennen, die sich an „santa@north.pole.org“ gewandt hatte, um die Erlaubnis zur Nutzung einiger Audio-Dateien zu erhalten. Zwei Wochen später war sie schon an der Organisation der „Internet 1996 World Exhibition“ beteiligt. Für diese Weltausstellung hatte Carl Malamud 30 Länder bereist und dort um Unterstützung geworben. Die Ausstellung im World Wide Web zog während des Jahres 1996 fünf Millionen Besucher aus 130 Ländern an. Seine Erlebnisse bei der Organisation dieser Veranstaltung verarbeitete er in dem 1997 erschienenen Buch „A World’s Fair for the Global Village“ (Eine Weltausstellung für das Globale Dorf) für das der Dalai Lama das Vorwort und die Künstlerin Laurie Anderson das Nachwort schrieb. Weitere Bücher Malamuds beschäftigen sich mit Netzwerktechnologie. Gemeinsam mit Marshall Rose gründete er 1998 außerdem die Firma „Invisible Worlds“ die an Technologien für den besseren Zugriff auf die Datenmengen des Internet arbeitet.