Alando

Deutsche Kopie einer Amerikanischen Geschäftsidee.
Die Firma Alando ist ein Musterbeispiel dafür, wie man es auch ohne eigene Geschäftsidee innerhalb kürzester Zeit zu Ruhm und Vermögen bringen kann: Die 1999 von sechs Freunden gegründete Firma wurde kaum 100 Tage nach ihrer Eröffnung vom amerikanischen Konkurrenten ßßß eBay gekauft, dessen Geschäftsidee die Freunde kopiert hatten. Der Erlös für Alando bestand aus Aktien im Wert von 104 Millionen DM. Wer die sechs Firmengründer als clevere Abzocker betrachtet, denkt allerdings etwas zu kurz. Da sind zunächst die drei Brüder Samwer, Oliver, Alexander und Marc, damals 24, 26 und 28 Jahre alt. Die sprachbegabten Brüder, alle sprechen Englisch, Französich und Spanisch, Alexander und Oliver außerdem Chinesisch, träumten bereits als Kinder davon, ein eigenes Unternehmen zu haben, in ihrer Phantasie sahen sie schon eine ganze LKW-Flotte mit ihrem Namen an sich vorüberziehen. Marc, der älteste der drei, studierte Jura in Berlin, Köln und Genf. Er arbeitete bei unterschiedlichen Firmen in Brüssel, Paris und London. Zuletzt war er beim Internet-Pionier Visto im ßßß Silicon Valley tätig. Sein jüngerer Bruder, Alexander, erhielt 1994 einen Preis für das beste Abitur in Nordrhein-Westfalen. Er studierte an der Universität Oxford Wirtschaftswissenschaften und Philosophie. Alexander arbeitete unter anderem für einen Senator der französischen Republik als Assistent, war für die angesehene Unternehmensberatung ßßß Mc Kinsey tätig, arbeitete in Hongkong, bis er schließlich auch im Silicon Valley landete. Oliver Samwer absolvierte nach seinem Abitur zunächst eine Banklehre, die er im Jahre 1994 als Bester in Nordrhein-Westfalen abschloß. Er studierte vier Jahre an der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung in Koblenz und gründete schon während seines Studiums eine Firma. 1997 war er geschäftsführender Partner bei der Multimedia Agentur Denkwerk. Oliver arbeitete für Bertelsmann und im Silicon Valley. Auch die drei anderen Gründer hatten entsprechende Erfahrungen. Der zum Zeitpunkt der Alando Gründung 26 Jährige Karel Dörner hatte sein Betriebswirtschaftsstudium 1998 mit Auszeichnung abgeschlossen. Als Austauschstudent war er in Paris und Michigan, bevor er für die Unternehmensbersatung Mc Kinsey zu arbeiten begann. Der fünfte Gründer, Jörg Rheinbold, war 1999 27 Jahre alt, er gründete nach seinem Betriebswirtschatftsstudium die Multimediaagentur Denkwerk. Der Sechste im Bunde, Max Finger, ebenfalls ein Betriebswirt, hatte jeweils ein Semester in Schweden und Chile studiert, bevor er für ein mittelständisches Unternehmen in Japan und China arbeitete. 1998 verfaßte er gemeinsam mit Oliver Samwer eine Studie über die 100 erfolgreichsten Startup-Unternehmer. Dabei lernten sie natürlich auch das Konzept von eBay kennen, einer Auktionsplattform im Internet, auf der Privatpersonen alle möglichen Dinge zum Verkauf anbieten. So wurde ein Wirtschaftsplan aufgestellt und Startkapital organisiert. Im März 1999 konnte vom Kölner Reihenhaus der Eltern der Samwer-Brüder aus Alando.de online gehen. Freunde und Bekannte wurden überredet, Stofftiere, alten Hausrat und Modelleisenbahnen anzubieten. Bald mußte der Firmensitz  verlegt werden, denn das Geschäft wurde ein voller Erfolg und die Firma zog in ein Hinterhaus in Berlin-Kreuzberg. Alando wurde rasch zum größten Internet-Versteigerungshaus Deutschlands. Dies blieb dem Gründer von eBay, ßßß Pierre Omidyar in den USA, nicht verborgen Doch statt die Gründer von Alando zu verklagen, bot er ihnen an, die Firma zu kaufen. Im Juli 1999 wechselte Alando den Besitzer und firmierte fortan als eBay Deutschland. Ein halbes Jahr später schieden die Samwer-Brüder sowie Karel Dörner und Max Finger aus der Firma aus. Ihnen schmeckte die Tätigkeit als Angestelle nicht mehr. “Ich bin Unternehmer, kein Manager.“ So wurde Marc Samwer von der Süddeutschen Zeitung zitiert. Die drei Samwer-Brüder arbeiteten danach gemeinsam mit Max Finger an einer neuen Geschäftsidee, Karel Dörner beteiligte sich an der Automobil Onlineplattform CarBoulevard.com und leitet die Startup Campus AG in Frankfurt. Auch gehören die Gründer von Alando zu den Initiatoren des „Silicon City Club“ einer Plattform zur Förderung von Jungunternehmern. Wegen des Geldes haben die Sechs Alando jedenfalls nicht verkauft. Jörg Rheinbold, der als Einziger bei der Firma geblieben ist, meint zwar: „Wenn jemand Gutes leistet, soll er auch gut verdienen.“ Aber Oliver Samwer sagt im Nachhinein: „Heute würde ich nochmal darüber nachdenken.“ Womöglich war Alando jedoch nur ein ungewöhnlicher Finazierungsweg für neue Projekte. Schließlich haben Karel Dörner, Max Finger und Oliver Samwer an der WHU, der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung, in Koblenz studiert. Dort lehrt auch Horst Albach, der unter anderem fordert, neue Finanzierungswege zu erschließen um von den Banken unabhängig zu werden.