Dr. Edgar Frank (Ted) Codd

Englischer Mathematiker. (1923 – 2003)

Ohne die Ideen von Edgar Frank Codd kommt der heutige E-Commerce mit seinen unvorstellbar großen Datenmengen nicht aus. Er entwickelte die „Relationale Datenbank“, die es ermöglicht, auf einfache Art und Weise auf große Datenbestände zuzugreifen. Die von Codd entwickelte Technologie besagt, daß Datenbestände in einer Struktur aus Tabellen und Spalten organisiert werden sollen. Die Daten sind in einer bestimmten Weise verknüpft – bilden eine Relation – und man kann auf die Daten mit Hilfe einer speziellen Abfragesprache zugreifen. Edgar Frank Codd wurde am 19. August 1923 in Portland in Großbritannien, geboren. Er studierte Mathematik in Oxford und war während des zweiten Weltkrieges bei der Royal Air Force. Nach seinem Studium, das er 1948 beendete, arbeitete er kurzzeitig als Dozent an der Universität Tennessee. 1949 ging er als Programmierer und Mathematiker zu IBM. Er programmierte unter anderem den 1948 auf den Markt gekommenen Großrechner SSEC „Selective Sequence Electronic Calculator“, der neben Röhren noch Relais enthielt. Codd arbeitete ferner an der Entwicklung des Rechners „701“, der auch als „Defense Calculator“ bekannt geworden ist, und am ersten Computer von IBM, der für kaufmännische Anwendungen entwickelt wurde, dem „702“. Nach einer mehrjährigen Tätigkeit in Kanada arbeitete er erneut bei IBM und entwickelte dort das erste Kontrollsystem, das die gleichzeitige Ausführung verschiedener Programme erlaubte. In den 60-er Jahren promovierte er an der Michgan Universität mit einer These zur Theorie der Zellularen Automaten des Mathematikers John von Neumann. Wieder bei IBM, begann er sich 1969 mit dem Modell der relationalen Datenbank auseinanderzusetzen. Seine Ergebnisse veröffentlichte er 1970 unter dem Titel „ A Relational Model For Large Stored Data Banks“. IBM wollte seine Entwicklung anfangs nicht unterstützen. Man warf ihm vor, damit eine schon bestehende Datenbank der Firma zu sabotieren und auch in Fachkreisen wurde seine Entwicklung zunächst als mathematische Kuriosität angesehen. Doch Codd entfachte eine Debatte unter Informatikern und so kam es dazu, daß IBM schließlich eine relationale Datenbank unter der Bezeichnung „System R“ zu entwickeln begann. Ein erster Prototyp war 1975 fertig, worauf eine voll funktionsfähige Version, die 1979 fertiggestellt wurde, folgte. Daraus resultierte die noch heute gebräuchliche Datenbankabfragesprache SQL „Structured Query Language“. 1981 stellte IBM seine erste kommerzielle relationale Datenbank, die SQL/DS, (DS steht für Data System) vor. Den eigentlichen kommerziellen Erfolg erlangte die Entwicklung Ted Codds durch die Arbeiten an der Berkeley Universität. Zeitgleich mit IBM hatte man dort mit der Entwicklung einer relationalen Datenbank begonnen, die als „Ingres“, Interactive Graphics and Retrival System, bekannt wurde. Etwa 1000 Kopien wurden weltweit verbreitet und der Quellcode des Programms war öffentlich. So konnten sich eine Vielzahl interessierter Wissenschaftler an der Entwicklung beteiligen. Einer der Teilnehmer des Projektes, Michael Stonebraker, gründete die .Firma Ingres, zur Vermarktung der Datenbanktechnologie. Der Erfolg von ßßß Larry Ellison ist letztendlich auch auf das „System R“ von IBM und die Entwicklungen in Berkeley zurückzuführen. Ted Codd arbeitete, auch nach seinem Ausscheiden bei IBM im Jahre 1984, weiter an seinem System. 1985 erschienen zwölf Regeln für ein „Relational Database Management System“, RDBMS. Eine Erweiterung wurde 1990 mit dem „RDBMS Version 2“ veröffentlicht, die 333 Regeln enthielt. Codd erhielt für seine Entwicklungen den „Touring Avard“ und wurde in die „National Academy of Engineering“ gewählt. Er lebt, nach Auskunft seines ehemaligen Arbeitgebers, in Florida.