Amerikanischer Künstler und Computerspezialist, prägte den Begriff „Virtual Reality“.

„Wer versucht, künstliche Intelligenz zu erschaffen, landet nur bei natürlicher Dummheit.“ Dies vertraute Jaron Lanier in einem Interview dem Magazin „Der Spiegel“ an. Den überwiegenden Teil der derzeit gebräuchlichen Software bezeichnet er als ausgesprochen miserabel und unelegant. Die heutigen Computerprogramme erscheinen ihm als „gefährliche Trojanische Pferde kulturellen Einflusses.“ Das Internet sieht er hingegen als ein Stück „Lebensphilosophie“, da es den Umgang der Menschen untereinander regelt. Jaron Lanier, Jahrgang 1960, wuchs in einem kleinen Nest in New Mexico bei seinem Vater, einem Autor wissenschaftlicher Literatur, auf. Seine Mutter, eine Konzertpianistin, war früh gestorben. Der Einzelgänger träumte davon, als Musiker und Wissenschaftler zu arbeiten. Schließlich brach er die Schule ab, um sich nur noch mit Musik zu beschäftigen. Im Alter von 14 Jahren durfte er an der Universität von New Mexico Fortgeschrittenenkurse in Mathematik besuchen. Eine Ausnahmegenehmigung erlaubte es ihm sogar, selbst Kurse zu geben. Er lernte Programmieren und kam auf die Idee, mathematische Formeln und Symbole als interaktive animierte Computergrafiken darzustellen. Seine Ansätze erschienen erfolgversprechend, doch ging er zunächst nach Santa Cruz, um sich der Computermusik zu widmen. Später begann er, Musik für die Videospiele der Firma „Atari“ im ßßß Silicon Valley zu machen. Das Videospiel „Moondust“, welches er für „Atari“ entwickelte, ermöglichte es ihm an einem eigenen Projekt, einer neuen Form der Datenvisualisierung und Programmierung, zu arbeiten, das bald darauf zur Gründung des Unternehmens „VPL“ führte. „VPL“ ist die Abkürzung von „Virtual Programming Language“ und wurde von Lanier im Zusammenhang mit einem Artikel des „Scientific American“ geprägt, der über ihn und seine Arbeit berichtete. Laniers Ziel war es, ein System zu entwickeln, das die Grenzen überschreiten sollte, welche die physikalische Welt den Menschen in ihren Möglichkeiten setzt, sich auszudrücken und mit andern Personen zu kommunizieren. „VPL“ entwickelte erste Systeme, bei denen Personen in einem virtuellen Raum interagieren konnten. Dabei kamen ein Datenhandschuh, die Entwicklung von Thomas Zimmermann, einem Kollegen Laniers bei „Atari“, und ein Spezieller Helm, der über eingebaute Monitore die visuelle Orientierung in diesem künstlichen Raum ermöglichte, zum Einsatz. Zu den Kunden des Unternehmens gehörte unter anderem die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA. Anfang der 90-er Jahre geriet Laniers Firman jedoch in finanzielle Schwierigkeiten und wurde vom französischen Konzern „Thomson „aufgekauft, wobei auch alle Patente Laniers an das Unternehmen gingen. Inzwischen ist „VPL“ vom Computerhersteller SUN übernommen worden. Jaron Lanier, der in einem Haus mit Blick über die Bucht von San Francisco lebt, hat seither auch als Künstler von sich reden gemacht. Der Mann mit den langen Rastalocken, der auch als „Rasta Hobbit“ bezeichnet wird, besitzt eine Sammlung von 300 Musikinstrumenten. Er schrieb ein Ballett, führte in einem Film für den deutsch-französichen Sender ARTE Regie und komponiert moderne Kammer- und Orchestermusik, die er mit Virtual Reality Performances ergänzt, wobei zum Beispiel eine virtuelle Welt durch ein Klavier kontrolliert wird, auf dem er selbst spielt. Lanier macht Techno-Musik auf Eingeborenen-Instrumenten und rekonstruiert altägyptische Kompositionen. Auch in der Computerindustrie ist er weiterhin aktiv. Zum Beispiel engagiert er sich in der „National Tele-Immersion Initiative“, NTII, die Systeme zur Übertragung dreidimensionaler Bilder entwickelt, um so zum Beispiel die Videokonferenzen zu revolutionieren. Auch ist er in der Firma „Eyematic“ aktiv, dort werden Avatare (künstliche Gestalten auf dem Bildschirm, die den Nutzer zum Beispiel in Computerspielen verkörpern) mit realen Gesichtern versehen. Die Computertechnologie ist für Lanier jedoch kein Selbstzweck, sondern eine faszinierende Möglichkeit, um Menschen zu verbinden.
Beitragsbild: SCreenshot von Laniers Homepage 2000