McKinsey

Amerikanische Unternehmensberatung.
Wer sich mit den Biografien vieler Gründer der New-Economy beschäftigt, wird früher oder später auf den Namen McKinsey stoßen, denn viele der jungen Unternehmer, zumindest aus Deutschland, waren bei der „einflußreichsten Unternehmensberatung der Welt“, wie „Business Week“ bereits 1993 schrieb, beschäftigt. Der Exodus ging teilweise sogar so weit, daß eine große deutsche Tageszeitung im Sommer 2000 von „teilweise entvölkerten Büros“ der Niederlassung im ßßß Silicon Valley sprach. Die Unternehmensberatung McKinsey wurde 1926 von James O.McKinsey in Chikago gegründet, er hatte die damals neue Idee, Inhabern großer Firmen als Berater zur Seite zu stehen. 1933 trat der in Harward promovierte Rechtsanwalt Marvin Bover in die Firma ein. Als McKinsey 1939 starb, übernahm Marvin Bover das NewYorker Büro der Unternehmensberatung und führte es unter dem bekannten Namen weiter. Bover verpflichtete seine Angestellten, eine einheitliche Arbeitskleidung zu tragen, deren Bestandteile unter anderem ein Hut und Kniestrümpfe waren. Auch gehörte es zu seinen Prinzipien, hohe Honorare zu fordern, um so die Bedeutung seiner Dienstleistung zu unterstreichen. Wichtiger für den Erfolg von McKinsey waren allerdings drei Grundsätze, nach denen er die Firma führte: Absoluter Vorrang der Interessen der Klienten, nur Aufträge anzunehmen, die auch erfüllt werden können und gegenüber dem Kunden immer unabhängig und objektiv zu bleiben, auch auf die Gefahr hin, den Auftrag zu verlieren. Inzwischen hat die Firma 80 Niederlassungen in 41 Ländern. 500 Mitarbeiter kümmern sich allein um den Bereich E-Commerce. McKinsey beteiligte sich an der Gründung der NASA, beriet den Vatikan, die Frankfurter Börse, die Treuhandanstalt bei der Abwicklung der DDR-Wirtschaft und führte in den USA den Universal Product Code, das Gegenstück zum Europäischen EAN-Code, der alle Waren kennzeichnet, ein.

Der Artikel beschreibt den Stand aus dem Jahr 2000 und bedarf der Aktualisierung

Christian Jagodzinski

Deutscher Unternehmer.

Christian Jagodzinski hat seine ersten Programmiererfahrungen mit dem programmierbaren Sharp Taschenrechner seines Großvaters gemacht, mit dem er die Programmiersprache Basic lernte. Auf seinem ersten Computer, einem Commodore C64, lernte er wenig später die Maschinensprache Assembler. Häufig hielt sich der 1968 geborene Gymnasiast in der Computerabteilung des Kaufhauses Horten seiner Heimatstadt Regensburg auf, wo viele Schüler an den ausgestellten Geräten spielten. Für Christian war dies jedoch auf die Dauer nicht interessant genug, er studierte die im Geschäft angebotenen Fachbücher zum Thema Programmierung, um in seinem Hobby weiter zu kommen. In der Computerabteilung lernte er auch ßßß Michael Gleissner kennen, der bereits nebenbei mit dem Programmieren Geld verdiente. Gleissner erstellte bei einer Agentur Seiten für das BTX-System. Auch Jagodzinski begann für die Agentur zu arbeiten. Die zwei entwickelten ein Programm zur Erstellung von BTX-Seiten, das von ihrem Arbeitgeber gegen eine Gewinnbeteiligung vermarktet werden sollte.
Da der erhoffte Erlös zu wünschen übrig ließ, die Agentur arbeitete lieber selbst mit der Software, statt sie zu vermarkten, beschlossen Jagodzinski und Gleissner eine eigene Firma zu gründen, um ihr Produkt selbst zu verkaufen. Nachdem den beiden Schülern vom Vormundschaftsgericht die Geschäftsfähigkeit bestätigt worden war, sie waren bei der Firmengründung noch keine 18 Jahre alt, ging 1986 die „Gleissner und Jagodzinski GbR“ von Michael Gleissners Jugendzimmer aus an den Start. Später konnte die Firma dann Räumlichkeiten im Haus der Großmutter Jagodzinskis beziehen. Die beiden Jungunternehmer entwickelten neben der Schule unter anderem ein Bestellsystem für den Buchgroßhändler „Libri“ und ein Programm zum Onlinezugriff auf Börsendaten und Wertpapierkurse. 1989 wurde aus der Firma die „ArtData GmbH“. Um ihren Geschäftsbereich zu erweitern, dachten sie zunächst daran, ein Reisebüro oder einen Kartenservice im BTX zu eröffnen. Schließlich entschieden sie sich für einen online-Buchhandel, der ihnen gleichzeitig die Möglichkeit eröffnete, für das Studium notwendige Fachbücher zu einem günstigen Preis zu erwerben. 1991 ging der ABC-Bücherdienst online. 1995 wurde das Geschäft ins World Wide Web verlegt und begann kräftig zu expandieren.
Christian Jagodzinski machte neben seiner unternehmerischen Karriere das Abitur und studierte Betriebswirtschaftslehre. Als der ABC-Bücherdienst weltweit tätig wurde, übernahm er die Leitung des Firmenbüros in Miami. Nach der Übernahme des Unternehmens durch ßßß Amazon, war Jagodzinski zunächst als „Interim Managing Director“ für die deutsche Niederlassung zuständig, bevor er vor seinem Ausscheiden aus dem Unternehmen zwei Monate als „Strategic Alliance Manager“ für Europa tätig war. Inzwischen lebt Christian Jagodzinski wechselweise auf den Fidschi-Inseln, in Miami oder in Paris und betätigt sich als Investor in zukunftsweisende Projekte der „New Economy“.

Christian Jagodzinski hat sich mittlerweile vom Internet-Business verabschiedet.  Mit seiner Firma Villazzo vermietet er Luxusvillen.

Dr. Michael Birkel

Deutscher Unternehmer.

Wer in Deutschland Birkel hört, denkt zunächst einmal an Nudeln, das ist auch hier zutreffend, denn der 1968 geborene Michael Birkel stammt aus der bekannten Nudeldynastie. Allerdings machte er sich nicht sonderlich viel aus diesen Teigwaren, sondern studierte in München und Oxford theoretische Teilchenphysik. Zuvor hatte er 1987 eine Auszeichung für das beste Abitur in der Geschichte des Remstal-Gymnasiums .- seine Durchschnittsnote betrug 0,9 – erhalten Während seines Studiums in München war er unter anderem als Honorarkraft bei der Organisation „David gegen Goliath“ beschäftigt, einem Verein, der es sich nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zur Aufgabe gemacht hatte, die Menschen durch „bewußten fröhlichen Verzicht auf alle überflüssigen, die Umwelt und unsere Innenwelt belastenden Dinge“ zur „Bewahrung der Schöpfung“ aufzufordern. Michael Birkel machte Praktika beim Teilchenbeschleuniger am CERN in Genf, bei der Unternehmensberatung ßßß McKinsey in Frankfurt und Düsseldorf sowie bei den UN in New York. Nachdem er Ende 1997 in Oxford sein Studium erfolgreich mit dem Doktor der Physik abgeschlossen hatte, arbeitete er bis zum Herbst 1999 bei Mc Kinsey in München, wo er sich um die Betreuung von High-Tech Start-ups kümmerte. Ende 1999 gründete Dr. Michael Birkel gemeinsam mit fünf Freunden die weltweit erste Firma für m-commerce (mobile commerce) 12Snap, die Auktionen mit Hilfe des Handy ermöglicht. Die „Wirtschaftswoche“ wählte ihn im Jahr 2000 in die Liste der 100 wichtigsten deutschen Persönlichkeiten für das Internet. Auch Dr. Michael Birkel gehört zu den Propheten des ungezügelten Wachstums, auf der Web-Seite von 12Snap gibt er potentiellen Gründern den Rat „…Das Tempo ist wesentlich. Wachstum wird verkümmern, wenn es nicht mit größenwahnsinniger Geschwindigkeit vorangetrieben wird…“

 

Jeff Bezos

Amerikanischer Unternehmer

Der „Erfinder des E-Commerce“ (Wall Street Journal) und Gründer des bislang größten und erfolgreichsten Internet-Kaufhauses, Amazon.com, Jeffrey Preston Bezos, wurde am 12. Januar 1964 in Albuquerque in New Mexico geboren. Die Ehe seiner damals 17-jährigen Mutter zerbrach bald darauf, so daß Jeff seinen leiblichen Vater nie bewußt kennenlernte. Später wurde er vom zweiten Ehemann seiner Mutter, dem aus Kuba stammenden Exxon-Ingenieur Mike Bezos, adoptiert.
Jeff galt als außergewöhnlich intelligent. Bereits als Kleinkind zerlegte er sein Kinderbett mit Hilfe eines Schraubenziehers in seine Einzelteile. Seine sechs und sieben Jahre jüngeren Geschwister hinderte er durch eine selbstgebaute Alarmanlage am Betreten seines Zimmers. Schon früh okkupierte er die Garage seines Elternhauses, um dort seine Ideen zu verwirklichen. So konstruierte er etwa aus einem Regenschirm und Aluminiumfolie einen Solarkocher, versuchte aus einem Staubsauger ein Luftkissenfahrzeug zu bauen und er entwickelte einen Würfel, mit dem man angeblich in die Zukunft schauen konnte. Der kleine Star-Trek-Fan war stets bestrebt, die Nummer Eins zu sein. Wenn er mit seinen Freunden Star-Trek spielte, wollte er nur Mister Spock oder Captain Kirk darstellen. War das nicht möglich, so wollte er zumindest ein Computer sein.
Jeden Sommer verbrachte er auf der Farm seines Großvaters, einer Gegenwelt zu seinen kopflastigen Beschäftigungen zu Hause. Hier lernte er reiten, versah das Vieh mit Brandzeichen, fuhr den Mähdrescher oder errichtete Windräder. Die Schule schloß er in Miami ab und entschied sich für ein Physikstudium an der Princeton-Universität. Schon bald merkte er, daß er es nie so weit bringen würde wie Albert Einstein und sattelte auf Elektroingenieurwesen und Informatik um. Bereits bei seiner zweiten Anstellung nach dem Studium brachte er es bei einer angesehenen Firma an der Wall Street zum Vizepräsidenten. Von dort wurde er von der Firma D.E. Shaw abgeworben, wo er Geschäftsideen für die Bereiche Versicherungswesen, Software und später auch für das Internet entwickelte. Bei seiner Beschäftigung mit dem Internet, das damals um 2300% jährlich wuchs, fragte er sich im März 1994, welches traditionelle Versandgeschäft sich wohl am ehesten zur Umsetzung in diesem weltumspannenden Netzwerk eignen würde. Er kam zu dem Schluß, daß das Netz für den Buchhandel prädestiniert sei, denn es ermöglichte den Kunden einfachen Zugriff auf alle lieferbaren Bücher, ohne dicke Kataloge verschicken zu müssen. Er beschloß, am rasanten Wachstum des Internet teilzuhaben und einen Online-Buchhandel zu gründen. Nachdem auch seine Frau, die er 1993 geheiratet hatte, ihn in seinem Vorhaben bestärkte, kündigte er seinen Job bei D.E. Shaw, um sein Ziel zu verwirklichen.
Mit einem von seinen Eltern geliehenen Startkapital von 300 000 Dollar machte er sich mit seiner Frau im Juli in einem 88 Chevy-Geländewagen auf den Weg von Fort Worth in Texas nach Seattle, der Stadt des Internets, um dort in einer Garage die Firma Amazon zu gründen. Den Businessplan für sein neues Unternehmen schrieb er während dieser Fahrt auf seinem Laptop. Während der Reise soll ihm auch der Name für sein neues Geschäft eingefallen sein, zunächst dachte er an den Namen „Abracadabra“, den er wegen der Länge des Wortes in „Cadabra“ kürzte. Da diese Bezeichnung bei vielen Menschen die Assoziation „Kadaver“ hervorrief, entschied er sich einige Zeit später für „Amazon“, nach dem größten Fluß der Erde
Der stets lachende Jeff Bezos, der übrigens ein entfernter Verwandter des in den USA populären Country Sängers George Strait ist, scheint immer in Eile zu sein. Da trifft es sich gut, daß er fast nie Krawatten trägt, denn sie würden „hinter ihm her flattern wie ein Fallschirm hinter einem Dragster“ wie das TIME-Magazin schreibt, das ihn Ende 1999 zur „Person des Jahres“ wählte. Er ist die viertjüngste Person, die diesen Titel verliehen bekam. Jünger als er waren nur Charles Lindberg, dem dieser Titel 1927 im Alter von 25 Jahren verliehen wurde, Königin Elisabeth II 1952 mit 26 Jahren und Martin Luther King (junior), dem diese Ehre 1963 im Alter von 34 Jahren zuteil wurde.
Die Geschwindigkeit, mit er sich das Internet und somit auch seine Firma entwickelt, scheint Jeff Bezos selbst zu ängstigen, denn er fotografiert bei jeder Gelegenheit und macht ständig Videoaufnahmen, um alles zu dokumentieren, als würde sein Leben in einer Geschwindigkeit vorbeirasen, die selbst zum Erinnern zu schnell ist. Als Vorbilder nennt er Thomas Edison und Walt Disney. Edison als großen Erfinder und Geschäftsmann, Disney wegen seiner Vision und seiner Fähigkeit, diese gegen alle Zweifel seiner Umwelt durchzusetzen.
Jeff Bezos Vision ist es, Amazon zum größten Kaufhaus der Welt zu machen, dabei müßten die „echten Läden“ wie er sie nennt, keineswegs auf der Strecke bleiben, sie sollten das Wohlergehen der Kunden in den Vordergrund stellen und mehr Spaß bieten, um zu überleben. Natürlich bestellt er die Windeln für seinen im März 1999 geborenen Sohn im Internet, doch die Hälfte seiner Bücher besorgt er sich nach wie vor im Buchhandel der „Old Economy“, denn er liebt die Stimmung in den kleinen Buchläden.
Bezos selbst gibt sich als Philantrop: Das Wohlergehen der Kunden soll stets im Vordergrund stehen, auch wird eines Tages der Zeitpunkt gekommen sein, sich Gedanken über die Lösung der Probleme der Menschheit zu machen, was weit schwieriger sei, als ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen, meint er. Allein zur Bekämpfung des Hungers der Welt dürfte nicht in Fünf-Jahres-Zeiträumen gedacht werden, davon bekäme man nur Depressionen. Eine solche Herausforderung sollte in einem Zeitraum von 100 Jahren handhabbar sein, das Problem bestünde allerdings darin, daß er dann bereits gestorben sei. Zunächst will er sich jedoch darum kümmern, seiner Firma eine solide Basis zu geben.

Beitragsbild: Steve JurvetsonFlickr: Bezos’ Iconic Laugh, CC BY 2.0, Link

Amazon.com

Beitragsbild Amazon
Größter Buchhandel im World Wide Web
Der von Jeff Bezos 1994 gegründete online Buchhandel hatte 1999 nach Auskunft von Experten einen Wert, der etwa dem des Ölmultis Texaco entspricht, obwohl Amazon in diesem Jahr außer einem Verlust von über 190 Millionen Dollar nichts eingebracht hatte. Bezos machte sich die Möglichkeit des Internet zunutze den Kunden einen bequemen Zugriff auf eine Datenbank zu ermöglichen, die alle lieferbaren Bücher enthält. Daneben schuf er eine Rezensionsdatenbank, in der die Kunden ihre Meinungen zu den Titeln speichern, die von anderen Interessenten gelesen werden können, wodurch der Kunde unmittelbar in den Mittelpunkt gerückt wird. Dabei war Jeff Bezos so clever, sich sein Prinzip des „1-Click ordering“, also der Möglichkeit die Bestellung mit einem Mausklick durchzuführen, patentieren zu lassen. Der erste Firmensitz befand sich in einer Garage in Seattle, dort dienten Türblätter aus dem Baumarkt als Tische für drei Sun-Workstations. – Der erste von Jeff Bezos zusammengezimmerte Tisch soll 1999 für 30 000 Dollar versteigert worden sein – Diese preiswerten Tische werden nach wie vor in Jeff Bezos Imperium verwendet. Sie sollen die Mitarbeiter ständig daran erinnern, daß sie Pioniere sind, denen das Wohl der Kunden und der Firma wichtiger ist als repräsentative Büromöbel. 1995 wurde die erste Web-Site ins Netz gestellt und 300 Freunde und Verwandte dienten als Beta-Tester. Nur durch Mundpropaganda dieses Personenkreises verkaufte er innerhalb von 30 Tagen Bücher in allen Bundesstaaten der USA und in 45 weiteren Ländern. Sogar von einem Flugzeugträger der US-Marine und einer Polarstation in der Antarktis sollen Bestellungen eingegangen sein. Bezos selbst war von dem riesigen Erfolg überrascht: „ Es war klar, daß etwas viel Größeres entstand als wir jemals zu hoffen wagten.“ Inzwischen ist der Firmensitz in einem ehemaligen Krankenhaus in Seattle untergebracht und die Firma hat Distributionszentren überall in den USA. Amazon liefert über 20000 Bücher täglich aus, hatte 1999 13 Millionen Kunden und machte einen Umsatz von über 1,5 Milliarden Dollar. Der Aktienkurs, der beim Börsengang des Unternehmens bei 18 Dollar gelegen hatte, stieg vorübergehend auf über 100 Dollar, Gewinn wird von Experten zur Zeit (Ende 2000) jedoch frühestens für das vierte Quartal 2001 erwartet. Noch gleicht das Unternehmen einem Händler, der 15 Dollar ausgibt, um 10 Dollar zu verdienen. Natürlich fand Amazon viele Nachahmer, insbesondere die „Old Economy“ in Gestalt des größten amerikanischen Buchhändlers Barners & Noble oder des Bertelsmann-Konzerns, wachte auf, als das „Wall Street Journal“ 1996 ein Profil von Amazon auf der Titelseite veröffentlichte und kopierte das Geschäft. Amazon aber expandiert weiter: Um sein Ziel, der größte Händler der Welt zu werden, zu erreichen, verkauft Jeff Bezos inzwischen neben Büchern auch Arzneimittel, Werkzeuge, Spielsachen und andere Waren. Zu diesem Zweck hat sich Amazon an Firmen wie Drugstore.com, Pets.com oder Della.com beteiligt.

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Horst Albach

Wirtschaftsprofessor und „Business Angel“.
Der 1931 geborene Professor Dr. rer. Pol., Dr. oec. h.c.  Horst Albach wurde im Jahre 2000 von der Zeitschrift „Wirtschaftswoche“ unter die „Top 100 der New Economy“ gewählt. Dies ist kein Wunder, denn viele seiner Studenten an der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung in Koblenz haben Unternehmen in diesem Bereich eröffnet. Horst Albach, der seit 1987 an dieser Hochschule lehrt, steht ihnen als sogenannter Business Angel zur Seite, das heißt, im Gegensatz zu einem Risikokapitalgeber stellt er nicht nur Geld, sondern auch Know-how und Kontakte zur Verfügung. Seine Studenten haben bereits 14 Unternehmen gegründet. Zu den erfolgreichsten gehören die Gründer von Alando. Bei anderen Start-ups von WWHU- Absolventen, wie econia, ecapella oder Venture Parc, sitzt er außerdem im Aufsichtsrat. Horst Albach der Betriebs-wirtschaftslehre, Volkswirtschaft, Jura und Mathematik in Köln, Bonn und den USA studierte, ist seit 1961 als Berater und Universitätsprofessor tätig. Der Autor zahlreicher Fach- publikationen beschäftigt sich vor allem mit einem Thema „Was macht Unternehmen groß und was zerstört sie.“ Er schreckt dabei auch vor ungewöhnlichen Vergleichen nicht zurück. In einem 1969 erschienen Aufsatz „Unternehmer und Organisationen bei Kafka“ stellt er zum Beispiel fest, daß Franz Kafka die reale Macht der Bürokratie beschrieben hat und keine mystischen Kräfte sein Thema waren, wie es von den „Schulphilologen“, die „alles mögliche in Kafka hineininterpretieren, aber das Naheliegende außer acht lassen“ behauptet wird. Im Gegensatz zur herrschenden Theorie ist er keineswegs der Meinung, alle Kapitalisten würden nur aus eigennützigen Motiven heraus handeln. Auch vertritt er die Ansicht, daß eine große Angebotsvielfalt keineswegs gut für den Kunden ist. Im Gegenteil, der Kunde könne den Markt nicht mehr überblicken und außerdem würde die Innovation behindert. Daher ist er ein Befürworter von Fusionen und staatlicher Industriepolitik. So hatte er denn auch ständig Meinungsverschiedenheiten mit der Mehrheit der Nationalökonomen als er in den Jahren 1978 – 1983 Mitglied im „Rat der fünf Weisen“ war, der die Bundesregierung in wirtschaftlichen Fragen berät. Von 1982 – 1993 saß er im Aufsichtsrat des alteingesessenen Kugellagerherstellers FAG Kugelfischer und mußte erleben, wie der Betrieb nach Übernahme der Kugellagerfabriken in der DDR fast zugrunde ging, da es Probleme mit der Kapitalbeschaffung gab. Er erkannte die Abhängigkeit der mittelständischen Wirtschaft von den Banken als größtes Innovationshindernis und fordert seitdem die Erschließung neuer Finanzierungswege.
Horst Albach wurden zahlreiche Ehrungen zuteil, er ist Eherndoktor verschiedener Universitäten, im Sommer 2000 erhielt er eine der höchsten Auszeichnungen die einem Wissenschaftler verliehen werden können: Er wurde in den Orden Pour le mérite für Wissenschaften und Künste gewählt. – Dieser wurde im Jahre 1842 von König Friedrich Wilhelm IV von Preußen als Friedensklasse des militärischen Ordens Pour le mérite gestiftet und 1952 vom Bundespräsidenten Theodor Heuss wiederbelebt. – Seit 1960 ist er mit der Tochter seines Doktorvaters, des „BWL Papstes“ Erich Gutenberg, verheiratet und hat drei Kinder. Die New Economy mit ihren schwindelerregend schnellen Entwicklungszyklen scheint für den Freizeitbergsteiger wie geschaffen: Ende der achtziger Jahre hielt er sogar die Sprechstunde für seine Studenten im Intercity zwischen Bonn und Koblenz ab, um zwischen seinen vielfältigen Aktivitäten ja keine Zeit zu verlieren.

Alando

Deutsche Kopie einer Amerikanischen Geschäftsidee.
Die Firma Alando ist ein Musterbeispiel dafür, wie man es auch ohne eigene Geschäftsidee innerhalb kürzester Zeit zu Ruhm und Vermögen bringen kann: Die 1999 von sechs Freunden gegründete Firma wurde kaum 100 Tage nach ihrer Eröffnung vom amerikanischen Konkurrenten ßßß eBay gekauft, dessen Geschäftsidee die Freunde kopiert hatten. Der Erlös für Alando bestand aus Aktien im Wert von 104 Millionen DM. Wer die sechs Firmengründer als clevere Abzocker betrachtet, denkt allerdings etwas zu kurz. Da sind zunächst die drei Brüder Samwer, Oliver, Alexander und Marc, damals 24, 26 und 28 Jahre alt. Die sprachbegabten Brüder, alle sprechen Englisch, Französich und Spanisch, Alexander und Oliver außerdem Chinesisch, träumten bereits als Kinder davon, ein eigenes Unternehmen zu haben, in ihrer Phantasie sahen sie schon eine ganze LKW-Flotte mit ihrem Namen an sich vorüberziehen. Marc, der älteste der drei, studierte Jura in Berlin, Köln und Genf. Er arbeitete bei unterschiedlichen Firmen in Brüssel, Paris und London. Zuletzt war er beim Internet-Pionier Visto im ßßß Silicon Valley tätig. Sein jüngerer Bruder, Alexander, erhielt 1994 einen Preis für das beste Abitur in Nordrhein-Westfalen. Er studierte an der Universität Oxford Wirtschaftswissenschaften und Philosophie. Alexander arbeitete unter anderem für einen Senator der französischen Republik als Assistent, war für die angesehene Unternehmensberatung ßßß Mc Kinsey tätig, arbeitete in Hongkong, bis er schließlich auch im Silicon Valley landete. Oliver Samwer absolvierte nach seinem Abitur zunächst eine Banklehre, die er im Jahre 1994 als Bester in Nordrhein-Westfalen abschloß. Er studierte vier Jahre an der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung in Koblenz und gründete schon während seines Studiums eine Firma. 1997 war er geschäftsführender Partner bei der Multimedia Agentur Denkwerk. Oliver arbeitete für Bertelsmann und im Silicon Valley. Auch die drei anderen Gründer hatten entsprechende Erfahrungen. Der zum Zeitpunkt der Alando Gründung 26 Jährige Karel Dörner hatte sein Betriebswirtschaftsstudium 1998 mit Auszeichnung abgeschlossen. Als Austauschstudent war er in Paris und Michigan, bevor er für die Unternehmensbersatung Mc Kinsey zu arbeiten begann. Der fünfte Gründer, Jörg Rheinbold, war 1999 27 Jahre alt, er gründete nach seinem Betriebswirtschatftsstudium die Multimediaagentur Denkwerk. Der Sechste im Bunde, Max Finger, ebenfalls ein Betriebswirt, hatte jeweils ein Semester in Schweden und Chile studiert, bevor er für ein mittelständisches Unternehmen in Japan und China arbeitete. 1998 verfaßte er gemeinsam mit Oliver Samwer eine Studie über die 100 erfolgreichsten Startup-Unternehmer. Dabei lernten sie natürlich auch das Konzept von eBay kennen, einer Auktionsplattform im Internet, auf der Privatpersonen alle möglichen Dinge zum Verkauf anbieten. So wurde ein Wirtschaftsplan aufgestellt und Startkapital organisiert. Im März 1999 konnte vom Kölner Reihenhaus der Eltern der Samwer-Brüder aus Alando.de online gehen. Freunde und Bekannte wurden überredet, Stofftiere, alten Hausrat und Modelleisenbahnen anzubieten. Bald mußte der Firmensitz  verlegt werden, denn das Geschäft wurde ein voller Erfolg und die Firma zog in ein Hinterhaus in Berlin-Kreuzberg. Alando wurde rasch zum größten Internet-Versteigerungshaus Deutschlands. Dies blieb dem Gründer von eBay, ßßß Pierre Omidyar in den USA, nicht verborgen Doch statt die Gründer von Alando zu verklagen, bot er ihnen an, die Firma zu kaufen. Im Juli 1999 wechselte Alando den Besitzer und firmierte fortan als eBay Deutschland. Ein halbes Jahr später schieden die Samwer-Brüder sowie Karel Dörner und Max Finger aus der Firma aus. Ihnen schmeckte die Tätigkeit als Angestelle nicht mehr. “Ich bin Unternehmer, kein Manager.“ So wurde Marc Samwer von der Süddeutschen Zeitung zitiert. Die drei Samwer-Brüder arbeiteten danach gemeinsam mit Max Finger an einer neuen Geschäftsidee, Karel Dörner beteiligte sich an der Automobil Onlineplattform CarBoulevard.com und leitet die Startup Campus AG in Frankfurt. Auch gehören die Gründer von Alando zu den Initiatoren des „Silicon City Club“ einer Plattform zur Förderung von Jungunternehmern. Wegen des Geldes haben die Sechs Alando jedenfalls nicht verkauft. Jörg Rheinbold, der als Einziger bei der Firma geblieben ist, meint zwar: „Wenn jemand Gutes leistet, soll er auch gut verdienen.“ Aber Oliver Samwer sagt im Nachhinein: „Heute würde ich nochmal darüber nachdenken.“ Womöglich war Alando jedoch nur ein ungewöhnlicher Finazierungsweg für neue Projekte. Schließlich haben Karel Dörner, Max Finger und Oliver Samwer an der WHU, der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung, in Koblenz studiert. Dort lehrt auch Horst Albach, der unter anderem fordert, neue Finanzierungswege zu erschließen um von den Banken unabhängig zu werden.

Akademie.de

Deutsches Projekt zum Online-Lernen
Ray Mary Rosdale, die Mitbegründerin von Akademie.de, bekam ihren ersten Computer 1984 von ihren Eltern zum bestandenen Examen als Historikerin geschenkt. Da das Gerät nicht funktionierte, wollte sie es reklamieren, bekam aber zu hören, daß es sich um einen „Anwenderfehler“ handelte. Da sich dies ständig wiederholte, blieb ihr nichts anders übrig, als sich selbst grundlegend mit dem Rechner auseinanderzusetzen. Als sie so den Fehler gefunden hatte, der tatsächlich auf das Gerät zurückzuführen war, war die Garantiezeit allerdings abgelaufen.
Die Kenntnisse und Erfahrungen, die sie auf diese Weise gesammelt hatte, kamen ihr jedoch später bei ihrer Tätigkeit als Unternehmensberaterin zugute, wo sie zum Beispiel im Multimedia-Projektmanagement als Dolmetscherin zwischen Entwicklern und Anwendern fungieren konnte. Das Projekt „Akademie.de“ entstand 1996. In der berliner Unternehmensberatung von Hase, Rosdale und Partner wurde das Internet als Chance für kleinere und mittlere Unternehmen gesehen. Allerdings mangelte es zu dieser Zeit an Spezialisten in diesem Bereich, auch waren Schulungen und die nötige Ausstattung für einen Internetauftritt zu kostspielig. Als weiteres Problem kommt bei kleineren Unternehmen hinzu, daß diese nicht unbedingt die Möglichkeit haben, Mitarbeiter für längere Fortbildungen freizustellen. So wurde von Frau Rosdale und ihrem Geschäftspartner Dr. von Hase die Idee geboren, Lehrgänge online anzubieten, die Lehrgangsteilmehmer sollten sich von ihrem Arbeitsplatz aus das nötige Wissen erarbeiten können. Vorbilder in dieser Richtung gab es bis dahin noch nicht, selbst in Amerika war ein derartiger Ansatz unbekannt. Nachdem der Senat von Berlin, dem Sitz des Unternehmens, eine Förderung des Vorhabens abgelehnt hatte, fand das Projekt Unterstützung beim Bundesministerium für Arbeit , welches Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds bereitstellte. Das Angebot konnte im Januar 1997 online gehen, wobei die Kurse zunächst kostenlos waren. – Noch heute gibt es auf der Web-Seite Akademie.de einige kostenlose Angebote, wie zum Beispiel ein Net-Lexikon, in dem Begriffe aus der Welt des Internet nachgeschlagen werden können. – Nur den Internetzugang und das Equipment mußten die Unternehmen ihren interessierten Mitarbeitern zur Verfügung stellen. Die Akademie war ein großer Erfolg. Wurde anfänglich mit höchsten 1500 Teilnehmern gerechnet, so hatten im zweiten Jahr schon 10000 Personen die Kurse belegt. Akademie.de kümmert sich jedoch nicht nur um die Ausbildung, 1998 wurde, gemeinsam mit Focus-Online, die Net-Offensive gestartet. Bei dieser Aktion wurden den Teilnehmern der Akademie verbilligte Web-Server angeboten. Heute kümmert sich Speedlink, ein Ableger der Akademie, um das technische Equipment und bietet maßgeschneiderte Lösungen für kleine und mittlere Unternehmen an.

Der Artikel beschreibt den Stand von 2001

Hier geht es zur aktuellen Webseite von Akademie.de

Beitragsbild: Ausschnitt aus einem Screenshot von 1996

John McAfee

Amerikanischer Unternehmer und Computervirenjäger
Die Firma McAfee ist das Synonym für Virenschutzsoftware geworden, nachdem ihr Firmengründer John McAfee kräftig die Computervirenhysterie geschürt hatte, um sein Geschäft anzukurbeln. Zum Beispiel prophezeite er 1992, daß am 6. März des Jahres mindestens 20 Millionen PC s dem „Michelangelo-Virus“ zum Opfer fallen würden: Tatsächlich waren kaum 20 000 Geräte infiziert. Daher wird John McAfee auch als „Großvater der Computervirus Panikmache“ bezeichnet. Im Internet gibt es sogar den „John McAfee Award for Computer Virus Hysteria“, der an Firmen und Persönlichkeiten verliehen wird, die sich bei der Hysterie um die Computervieren besonders hervorgetan haben. John McAfee wurde in England geboren, wuchs aber im Roanoke Valley in Virginia auf, wo er auch das College besuchte, das er 1967 abschloß. Zunächst arbeitete er bei Lookhed als System-Architekt. Nebenbei versuchte er mit einer Datenbank Geld zu verdienen, in die sich HIV-negativ getestete Personen gegen eine Gebühr eintragen lassen und daraus einen Partner suchen konnten. Dieses Geschäft war nicht besonders erfolgreich. 1987 hörte er von einem Computervirus mit der Bezeichnung „Pakistani Brain“, der Dateien auf den infizierten Computern zerstörte. Er beschloß, aus der Jagd nach solchen „Viren“ ein Geschäft zu machen, kündigte bei Lookhed und zog mit einem entsprechend ausgerüsteten Campingbus, dem „Bugbuster“, durch die Lande, um Firmen bei der Suche nach Computerviren zur Seite zu stehen. Seine erste Virenschutzsoftware kam als Shareware auf den Markt und fand rasch Verbreitung. Um daraus ein lukratives Geschäft zu machen, bot er seine Software auch Firmen kostenlos zur Nutzung an, nur der Support und die Updates sollten etwas kosten. Ein Anfang der 90-er Jahre noch ungewöhnliches Konzept. John McAfee hatte Erfolg, nicht zuletzt durch die anhaltende Hysterie um die Gefährlichkeit von Computerviren, die von ihm und anderen Unternehmen kräftig geschürt wurde. 1993 ging das Unternehmen an die Börse und ein Jahr später verkaufte John McAfee seine Anteile für 100 Millionen Dollar. Die Firma heißt inzwischen „Network Associates“, NAI, und gehört zu den größten Softwareunternehmen im Bereich der Netzwerksicherheit und des Netzwerkmanagement. NAI entstand durch die Fusion der Firmen McAfee mit dem Unternehmen Network General. 1998 erwarb NAI die Verschlüssellungssoftware PGP von ßßß Phil Zimmermann und gelangte in die Schlagzeilen, da auch ein Unternehmen zu NAI gehört, das eng mit der amerikanischen Regierung zusammenarbeitet, die bekanntlich die Verbreitung von Verschlüsselungssoftware zu behindern versucht. Nach seinem Rückzug aus der Firma kaufte John McAfee 160 Hektar Wald in Colorado und baute sich dort ein Haus mit Ausblick auf einen schneebedeckten Berggipfel. Er startete ein neues Projekt, „Tribal Voice“, -Stimme des Stammes – das mit der Software PowWow eine Messanger Software auf den Markt brachte, die es sieben Nutzern gleichzeitig erlaubte miteinander zu kommunizieren und es speziell indianischen Kindern und Schulen ermöglichen sollte, echte Interessengemeinschaften im Netz zu bilden. Ende 1999 hatte Tribal Voice 5 Millionen Teilnehmer und McAfee verkaufte seine Anteile für einen nicht genannten Preis. John McAfee gibt sich als Asket (Ein Verhalten, das bei Unternehmern der New Economie weit verbreitet sein soll): Bei einem Interview mit Journalisten eines amerikanischen Magazins in einem vegetarischen Restaurant aß er gerade eine halbe Tasse Bohnensuppe. Er steht morgens um halb fünf auf und widmet sich zwei Stunden seiner E-Mail. Danach macht er Yoga, meditiert und telefoniert mit seiner Frau, die in Kalifornien lebt. Allerdings soll John McAfee einen „unwahrscheinlichen Sinn dafür haben, wo Geld zu machen ist“. So ist es auch nicht verwunderlich, daß er sich nun als Risikokapitalgeber für Internetfirmen betätigt.

Der Artikel beschreibt den Stand aus dem Jahr 2001

Beitragsbild: Ausschnitt aus einem Foto von Gage Skidmore,
CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=49809371

ABC Bücherdienst

Auch telebuch.de – Erster deutscher online-Buchhändler
Der ABC Bücherdienst wurde 1991 von ßßß Michael Gleissner, ßßß Christian Jagodzinski, und Gleissners damaliger Freundin Ulrike Stadler gegründet. Michael Gleissner und Christian Jagodzinski hatten, obwohl sie erst 22 und 23 Jahre alt waren, bereits Erfahrungen als Unternehmer im EDV-Bereich gemacht. Sie hatten unter anderem eine Software zur Gestaltung von BTX-Seiten entwickelt und selbst vermarktet. Nun reizte es sie, mehr mit dem BTX-System zu machen. Die Ideen für ein Reisebüro oder einen Kartenservice wurden wieder verworfen. Statt dessen gründeten sie einen Buchhandel, da sie in diesem Bereich bereits Erfahrungen mit einem Buchkatalog auf CD-ROM und einem Online Bestellsystem für den Buchgroßhändler „Libri“ sammeln konnten, zudem bekam der Jurastudent Michael Gleissner durch den Buchhandelsrabatt die Möglichkeit, teure Fachbücher billiger einkaufen zu können. Während Gleissner und Jagodzinski sich um die technischen Belange des Unternehmens kümmerten, war Ulrike Stadler, die bereits in einem Versandhandel gearbeitet hatte, für die Abwicklung der Bestellungen zuständig. Anfangs war das Geschäft eine Beschäftigung, die nach Feierabend erledigt werden konnte. Als das Internet zu wachsen begann, erkannten die Firmeninhaber schnell, daß BTX bald von diesem Netz abgelöst werden würde, und der ABC Bücherdienst ging 1995 ins World Wide Web. Hier konnte die Firma rasch expandieren, 1997 hatte der Bücherdienst 50 Angestellte und machte einen Umsatz von elf Millionen Mark. Auch gab es Zweigstellen in Kapstadt, Mailand und Miami. Ein Jahr später erhielt das Unternehmen ein Übernahmeangebot von Amazon. Den drei Gründern war klar, daß sie dieser Konkurrenz im Zweifelsfall nicht gewachsen wären und griffen zu. Zunächst arbeiteten sie für Amazon. Während Christian Jagodzinski, der das ABC-Büro in Miami geführt hatte, die deutsche Niederlassung von Amazon betreute, ging Michael Gleissner nach Seattle. 2001 waren die drei Freunde nicht mehr für Amazon tätig, sie lebten in den USA und gingen dort unterschiedlichen Aktivitäten nach.

Beitragsbild. Ausschnitt aus einem Screenshot von 1999