DFN

Vorläufer des Internet in Deutschland.

Auch in Deutschland machte man sich Anfang der 80-er Jahre Gedanken über die Vernetzung verschiedener Universitäten. 1981 entstand die Idee, ein Netzwerk zwischen den Universitäten von Bremen, Hamburg, Hannover und Kiel zu schaffen. Nachdem der Vorschlag dem zuständigen Bundesministerium unterbreitet worden war, wurde im November 1981 auf einer Veranstaltung der Universität Hamburg erstmals die Überlegung eines bundesweiten Forschungsnetzes diskutiert. Nach Ausarbeitung verschiedener Pläne und Konzepte durch diverse Arbeitsgruppen wurde 1984 der „DFN-Verein“ gegründet, da diese Organisationsform den Beteiligten als die flexibelste erschien. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten die TU Berlin, die Universitäten Hamburg und Karlsruhe sowie drei Großforschungseinrichtungen und die Frauenhofer Gesellschaft. Die Wirtschaft war durch IBM Deutschland, Philips, den Computerhersteller Nixdorf und die Siemens AG vertreten. Die Aufgabe des Vereins war es, ein Netz zu schaffen, das die Kommunikation und dadurch die Zusammenarbeit wissenschaftlicher Gruppen unterstützen sollte. Auch versprach sich das Ministerium so eine bessere Nutzung der Fördermittel bei einer gleichzeitigen Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit durch Entwicklungen in der Netzwerktechnologie. Das Deutsche Forschungsnetzwerk sollte eine Infrastruktur schaffen, die lokalen Netzwerken den Zugang zum DFN ermöglichte, die Übertragung grafischer Darstellungen möglich machen und ein System zur Übermittlung elektronischer Nachrichten entwickeln sollte. Dabei stützte man sich unter anderem auf das Datex-P Netz der Post. Zur Datenübertragung wurde das OSI-Protokoll („Open Systems Interconnection“, Verbund von Rechnern unterschiedlicher Hersteller) gewählt, obwohl das stark wachsende ARPANET in den USA sich bereits 1983 für das Protokoll TCP/IP entschieden hatte. Das DFN arbeitete erfolgreich, 1985 wurden die ersten Kommunikationsdienste zwischen deutschen Hochschulen eingeführt, 1987 ein elektronischer Nachrichtendienst zum Internet. 1989 kam das Wissenschaftsnetz, WiN, hinzu und 1991 bot der DFN-Verein als Dienstleistung den Zugang zum Internet an. Heute existiert das „Gigabit Wissenschaftsnetz“ mit einer Datenübertragungsrate von bis zu 2,5 Gbit/s, es wird zum Beispiel für die Kooperation von Großrechnern im medizinischen Bereich verwendet. Auch wird die Initiative „Schulen ans Netz“ gefördert. Kritiker, wie Prof. Dr. Karl Zander, der selbst Mitglied des Verwaltungsrates des DFN-Vereins war, sehen das deutsche Forschungs-Netzwerk eher negativ. Durch die Förderung des OSI-Protokolls hätte man sich von der internationalen Entwicklung abgekoppelt, Deutschland hätte so gut wie keinen Beitrag zu den Standards des Internet geleistet und auch von einer Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit sei nichts zu spüren. Im Gegenteil, fast die gesamte Technologie stamme aus den USA. Dies sei vor allem auf die zu enge Bindung an das Forschungsministerium zurückzuführen, das immerhin 300 Millionen Mark in das DFN investiert hat. Zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit mit der freien Wirtschaft kam es nicht. Prof. Zorn zitiert in einem, in diesem Zusammenhang 1998 erschienenen Artikel einen aus den USA stammenden Ratschlag: „Don’t use tax payer’s money to compete with the private market“. („Versuche nicht mit Steuergeldern mit der Privatwirtschaft zu konkurrieren.“)

Beitragsbild: Screenshot der Webseite des DFN von 1999