John Seabrook

Amerikanischer Autor, schrieb „Odyssee im Cyberspace“.

Der am 17. Januar 1959 in Philadelphia, USA, geborene John Seabrook wuchs auf dem Land auf. In der Schule interessierte er sich besonders für die Naturwissenschaften und zeigte Talent zum Schreiben. Nach seinem Studium in Oxford und Princeton begann er als Wissenschaftsjournalist zu arbeiten. Für Computer hatte er zunächst nichts übrig, doch Mitte der 80er Jahre begann er, einen „Macintosh“-Rechner als Schreibmaschine zu benutzen. Dabei beeindruckte ihn die Möglichkeit, Texte mittels „cut and paste“ (Ausschneiden und Einfügen) schnell verändern zu können. Im Juli 1993 wollte er ein Interview mit Bill Gates machen, doch der Gesprächstermin, den er bekam, sollte erst im Oktober stattfinden. Nachdem er bei der Firma Microsoft gesehen hatte, wie einfach es dort für die Angestellten war, per E-Mail mit ihrem Chef Kontakt aufzunehmen, legte sich Seabrook ein Modem und einen Netz-Zugang bei Compuserve zu. Seine erste E-Mail schrieb er an Bill Gates. Die Antwort kam schon nach kurzer Zeit, und John Seabrook war fasziniert. Er setzte diese Korrespondenz fort und wurde schließlich zum begeisterten Nutzer des Netzes. Die folgenden zwei Jahre verbrachte er überwiegend am Computer, wo er zunächst E-Mail mit allen möglichen Menschen austauschte, im Chat mit wechselnden Identitäten spielte, die Schwarzen Bretter der „Usenet“ und natürlich auch das World Wide Web entdeckte. Seine Erfahrungen beschrieb er in dem 1997 erschienen Buch „Odyssee im Cyberspace – Leben in virtuellen Welten“. Nach anfänglicher Euphorie erkannte er das Netz als Abbild der realen Welt, das zunächst von Idealisten und später von Geschäftemachern bevölkert wurde. Dabei tritt er der Ansicht entgegen, daß der technische Fortschritt unweigerlich auch die soziale Entwicklung fördert. John Seabrook, der für das Magazin „The New Yorker“ tätig ist, lebt mit seiner Frau und einem Kind in New York City. Er lehnt die moderne Technik nicht grundsätzlich ab. Zwar kann er den Mobiltelefonen nichts abgewinnen – er berichtet, daß er sich bei einem Aufenthalt in Singapur ohne ein solches Gerät wie ein Außerirdischer vorkam – doch hält er das Internet noch immer für ein hervorragendes Kommunikationsmittel, das auch Kindern viele Möglichkeiten bietet.

Peter Scott

Kanadischer Computerspezialist, entwickelte „HyTelnet“. (1947 – 2013)

Das „Telnet“-Protokoll stammt aus der Frühzeit des Internet, es wurde bereits 1969 entwickelt. Dieses Protokoll macht es möglich, über das Netz auf alle möglichen Rechner zuzugreifen. Allerdings muß zuvor bekannt sein, auf welchem Computer welches Angebot zu finden ist. Peter Scott, einem Computerspezialisten der Bibliothek der University of Saskatchewan in Saskatoon, Kanada, ist es zu verdanken, daß dieses Verfahren erleichtert wurde. Er schuf Ende 1990 das System „HyTelnet“ (die Wortschöpfung ist eine Kombination aus Hypertext und Telnet), das einen einfach zu bedienenden Index verschiedener Bibliotheken, die über das Internet erreichbar sind, darstellt. Weiterhin ist er der Autor von „LibDex“, einem Bibliotheksverzeichnis im World Wide Web, das mittlerweile über 17 000 Einträge enthält, auch ist er als Redner zum Thema Bibliotheken und Internet bekannt. Daneben ist er ein begeisterter Blues-Musiker, der für seine Komposition „TV Preacher“, die 1992 im Rahmen eines Blues-Projektes auf einer Schallplatte veröffentlicht wurde, mit dem kanadischen „Juno Award“ ausgezeichnet worden ist.

Beitragsbild: Screenshot einer Hytelnet Demo

Gordon Ross

Kanadischer Ingenieur und Unternehmer.

Für Gordon Ross ist das Internet mit seiner Fülle an Informationen so etwas wie der „zehnte Planet“, eine Welt ohne Grenzen. Doch nicht alle Inhalte sind für Kinder und Jugendliche geeignet. Das wurde Gordon Ross klar, als er im Fernsehen einen Bericht über einen Pädophilen sah, der sich in einem Chat-Room im Internet an Kinder heranmachte. Ross beschloß, etwas dagegen zu unternehmen und entwickelte eine Filtersoftware, die unter dem Namen „Net Nanny“ (Netz-Kindermädchen) im Januar 1995 von der gleichnamigen Firma als erstes Programm dieser Art auf den Markt gebracht wurde. „Net Nanny“ wird auf einem Rechner installiert und ermöglicht es festzulegen, daß beim Surfen im Internet bestimmte Seiten nicht aufgerufen werden können. Hierzu werden in einer Datenbank die entsprechenden Adressen gesammelt. Es ist aber auch möglich, bestimmte Wörter zu definieren, die maskiert werden sollen und zusätzlich kann ausgeschlossen werden, daß Daten von dem Computer in das Internet übertragen werden, etwa eine Kreditkartennummer zum Abruf kostenpflichtiger Seiten. Gordon Ross wurde am 30. Dezember 1942 in Vancouver, British Columbia, als Sohn eines Bergbauingenieurs geboren. Nach Abschluß der High-School ging er für drei Jahre zur Armee und war während dieser Zeit in Deutschland stationiert. Da er schon als Kind Interesse für Technik und Elektronik gezeigt hatte, studierte er an der California Polytechnic University, Pomona, in den Fächern Elektronik und Elektrotechnik. Er betrieb neun Jahre lang ein eigenes Tonstudio und arbeitete bei einem kanadischen Telekommunikationsunternehmen im Bereich der Netzwerktechnologie, bis er sich mit „Net Nanny“ selbständig machte. Für seine Arbeit wurde ihm 1999 der „Ethics in Action Award“ verliehen, und er bekam eine Auszeichnung der Cyberangels. Neben der Filtersoftware hat „Net Nanny“ auch das Programm „Bio Password“ auf den Markt gebracht, dies prüft anhand der Art der Anschläge auf der Tastatur bei Eingabe des Paßwortes oder Benutzernamens, die Identität von Personen. Der geschiedene Gordon Ross ist Vater von zwei Kindern und hat zwei Enkelkinder. Er lebt in Bellevue, Washington. Obwohl seine Firma sich mit der Filterung von Inhalten beschäftigt, setzt er sich in seinen zahlreichen Vorträgen zum Thema vehement für die Meinungsfreiheit im Internet ein.

Lawrence (Larry) Roberts

Amerikanischer Ingenieur, wird als Vater des Internet bezeichnet.
(1937 – 2018)

Als die ARPA Mitte der 60-er Jahre die Idee des Timesharing, der gemeinsamen Nutzung von Rechnerkapazizäten, zu verfolgen begann, waren die beteiligten Organisationen zunächst nicht begeistert, denn die Kapazitäten waren knapp. Da die ARPA jedoch auch über die Vergabe von Forschungsgeldern entschied, konnte das Projekt dennoch durchgeführt werden. Leiter der Arbeitsgruppe zur Planung eines entsprechenden Netzwerkes war Lawrence Roberts. Er hatte am MIT einen Master und Bachelor erlangt und seine Doktorarbeit unter Wesley Clark gemacht. Er arbeitete am Lincoln Laboratory des MIT, als er 1965 von der IPTO, des „Information Processing Techniques Office“ der ARPA, den Auftrag zur Entwicklung eines Computernetzwerkes erhielt. Gemeinsam mit Tom Marill wurde eine erste Verbindung zwischen zwei Rechnern über die Telefonleitung im Oktober des selben Jahres realisiert. Ein Jahr später veröffentlichten Roberts und Marill ihre Erfahrungen in der Schrift „Toward A Cooperative Network Of Time Sharing Computers“. Ende 1966 kam Lawrence Roberts im Alter von 29 Jahren zur IPTO, um ein Netzwerk zu entwickeln. Ein erstes Konzept dazu wurde von ihm im April 1967 auf einem Treffen der beteiligten Forschungsgruppen vorgestellt. Dabei sollten die Rechner durch einen Zentralcomputer verbunden werden. Die Idee, den Zentralcomputer durch kleine Rechner, die IMPs, zu ersetzen, die den am Netz beteiligten Computern vorgeschaltet werden sollten, stammte von Wesley Clark. Im Oktober 1967 wurde das „Message Switching Proposal“ schließlich der Öffentlichkeit vorgestellt und im Juni 1968 dem IPTO-Direktor vorgelegt. Der Plan beschrieb die Aufgabe des ARPANET und enthielt die technischen Spezifikationen. Damit war er der Grundstein zur Entwicklung des ARPANET, dessen erste Knoten 1969 die University of California at Los Angeles (UCLA), die Universität Utah und die University of California at Santa Barbara waren. Roberts übernahm die Leitung des IPTO im September 1970 von ßßß Robert Taylor, er behielt diese Position bis 1973. Danach gründete er „Telenet“, das erste Unternehmen, das die paketvermittelnde Datenübertragung anbot. 1979 wurde die Firma verkauft. Roberts hatte diverse Positionen in der Industrie inne und ist zur Zeit (2001) Präsident eines Unternehmens für Internet-Technologie. Für seine Arbeit wurden ihm verschiedene Auszeichnungen verliehen. Unter anderem 1981 der Erickson Award, der mit dem Nobelpreis gleichzusetzen ist. Privates ist von Lawrence Roberts kaum bekannt. Er wird als eher zurückhaltender Mensch beschrieben, der eine außergewöhliche Konzentrationsfähigkeit besitzen soll. Es wird berichtet, daß er mit einer Geschwindigkeit von 30.000 Wörtern in der Minute lesen kann und daß er es schaffte, sich innerhalb weniger Wochen so gut im Gebäude des Pentagon auszukennen, (es gilt als eines der weitläufigsten Bauwerke der Welt), daß er problemlos immer den kürzesten Weg zwischen zwei Punkten fand. Inzwischen beschäftigt er sich mit den Möglichkeiten der Verlängerung des menschlichen Lebens. Als ein Mittel hierfür empfiehlt er das Arzneimittel „Deprenyl“, das gewöhnlich zur Behandlung der Parkinsonschen Krankheit Verwendung findet.
Beitragsbild: Von Autor unbekanntCC BY-SA 4.0,

Jenni Ripley

404 Research Lab

Wohl jeder Surfer im World Wide Web hat sich schon über die toten Links geärgert, auf die man im Netz immer wieder stößt und die sich durch die Meldung „404 File Not Found“ zu erkennen geben. „Alles was 404 hat, bietet sie Dir an, wohl wissend, das Du sie dennoch verachtest und sie so schnell verläßt, wie Du gekommen bist. Aber 404 wird jeden Besucher so empfangen, unabhängig von Rasse, Religion oder Geschlecht.“ So singt Jenni Ripley aus Minneapolis, Minnesota, das Loblied auf die Fehlermeldung die jeder Web-Surfer zu sehen bekommt, sobald er eine Seite aufruft, die nicht mehr existiert oder er bei der Eingabe der Adresse einen Fehler gemacht hat. „404 File Not Found“ ist ein, 1992 vom W3 Konsortium festgelegter Status-Code, den ein Web-Server erzeugt und an den anfragenden Computer sendet. Im Regelfall wird der Code „200“ gesendet, den man jedoch nicht zu Gesicht bekommt, da normalerweise die gesuchte Seite sogleich folgt. Die 1973 geborene Jenni Ripley arbeitet als Webmaster bei einem Unternehmen des E-commerce. Auch sie war frustriert von den vielen Verweisen, deren Adresse nicht mehr exisitiert und die buchstäblich ins Nichts führen. Im Mai 1999 verband sie daher Beruf und Hobby und gründete in ihrer Freizeit das „404 Research Lab“. Dort findet man neben dem Loblied auf diese Fehlermeldungen auch Sammlungen der lustigsten, coolsten, informativsten und anderen Seiten, die mit der 404-Meldung erscheinen können. Jenni Ripley favorisiert übrigens die „404 File Not Found“ Seite des MIT. Das Research Lab gibt daneben auch Hinweise für Webmaster, die selbst eine entsprechende Seite einrichten möchten. Auch wird mit dem Mythos aufgeräumt, der behauptet, die Bezeichnung „404“ würde auf die Nummer eines Raumes des CERN zurückgehen, in dem Tim Berners Lee das World Wide Web erfunden haben soll. Dies ist unmöglich, denn die Numerierung im entsprechenden Gebäude beginnt mit 410. „404 öffnet ihre Seele für Dich. Sie überbringt Dir ihre Botschaft und verlangt nichts von Dir .Sie verlangt keinen „Login-Namen“, kein Passwort. Sie zeigt kein Banner und keine Mailingliste hält Dich über künftige Updates auf dem Laufenden…. Enstpanne Dich, 404 ist Deine Freundin.“ Fast könnte man meinen, die „404 File Not Found“-Seiten seien die besten im gesamten Netz.

Razorfish

Amerikanische Internetagentur.

Während des Rummels um die „New Economy“ war auch der Name der Firma Razorfish in aller Munde. In den einschlägigen Publikationen wurde das Unternehmen als „Digital Solutions Provider“ oder „e-Integrator“ bezeichnet. Die Firma selbst sieht sich als „Globaler Dienstleister für strategische digitale Kommunikation“ und der Mitbegründer von „Razorfish“, Jeffrey Dachis, bezeichnete das Unternehmen in einem Interview mit der „Computerwoche“ schlicht als „Unternehmensberatung“. „Razorfish“ entwickelt Strategien für Unternehmen, die im Internet tätig sein wollen, und beteiligt sich auch bei deren technischen und gestalterischen Umsetzung. Gegründet wurde die Firma 1995 von dem 1966 geborenen Jeffrey Dachis und Craig Kanarick. Dachis, der sechs Geschwister hat, die alle in unterschiedlichen Bereichen selbständig sind, zeigte sich schon in der High School vielseitig interessiert: Er machte eine Radiosendung, beteiligte sich am Schulfernsehen, wirkte in 30 Theateraufführungen mit und verkaufte gemeinsam mit seinen Geschwistern Gebrauchtwagen. Neben seinem Studium, er hat einen Bachelor-Abschluß in Tanz und Theaterliteratur und ein Examen aus dem Bereich „performing arts administration“, machte er sich mit der Werbeagentur „In Your Face“ selbständig. Nach seiner Ausbildung arbeitete er in einer Firma eines seiner Brüder, einem Geldtransfer-Service für Glücksspielunternhemen. 1994 lernte er bei Craig Kanarick das World Wide Web kennen. Kanarick war ein Schulfreund von Dachis, er hatte Informatik und Philosophie an der Universität von Pennsyslvania studiert und einen Abschluß in „visual studies“ am MIT gemacht. 1995 gründeten die Freunde „Razorfish“. Kanarick verstand es, das Image einer ausgeflippten Agentur aufzubauen, die sich um die „Digitalisierung der Welt“ kümmert, und das Unternehmen wurde bald zu den sogenannten „Fast Five“ gerechnet, einer Gruppe von Beratungsunternehmen, die frühzeitig den Internet-Boom erkannt hatten und davon profitierten. Zu den Kunden von „Razorfish“ gehörten Unternehmen wie „Ford“ oder „Giorgio Armani“. Die Agentur vergrößerte sich durch den Kauf anderer Firmen und expandierte unter anderem auch nach Deutschland. 1999 ging „Razorfish“ schließlich an die Börse. Das rasante Wachstum bekam dem Unternehmen jedoch nicht gut: Kunden beschwerten sich über schlechte Leistungen, und auch der abflauende Internet-Boom ging nicht spurlos an der Agentur vorbei. Das Unternehmen, das seit seiner Gründung steigende Gewinne gemacht hatte, rutschte Ende 2000 in die roten Zahlen und mußte 400 seiner weltweit 1900 Mitarbeiter entlassen. Anfang 2001 zogen sich Dachis und Kanarick schließlich aus der Geschäftsleitung zurück.

Beitragsbild: Screenshot der WEbseite 1997

Bob Rankin

Amerikanischer Informatiker, Mitherausgeber des Internet Tourbus.

„Warum Surfen, wenn Du den Bus nehmen kannst?“ Das ist das Motto der Herausgeber des Newsletter „The Internet Tourbus“ Bob Rankin und Patrick Crispen. Der E-Mail-Newsletter, eine Idee Rankins, erscheint seit 1995 zweimal wöchentlich und beschreibt das Internet in einer verständlichen Sprache. Der am 17. März 1962 in New Castle, Pennsylvania geborene Bob Rankin machte seine erste Bekanntschaft mit der Computertechnik mit einem programmierbaren Taschenrechner, dem er das „Bellen, Sitzen und Kniffelspielen“ beibrachte. Eine Verbindung der High-School, die er besuchte, mit einem Universitätsrechner tat ihr übriges, um ihn für diese Technologie zu begeistern. Nach einem Informatikstudium begann er bei IBM zu arbeiten. Dort lernte er das Internet kennen, als er 1993 über das Netz mit Hilfe eines Konferenzsystems mit Mitarbeitern der Firma in aller Welt kommunizierte. Von nun an ließ ihn das Internet nicht mehr los, und 1994 veröffentlichte er sein Buch „Accessing The Internet By E-Mail“. Darin beschreibt er, wie es möglich ist, nur mit Hilfe der elektronischen Post gezielten Zugriff auf verschiedene Dienste des Internet, darunter FTP oder das World Wide Web, zu erlangen. Da er das Buch kostenlos im Internet zur Verfügung stellte, fand es, in über 30 Sprachen übersetzt, eine enorme Verbreitung. Im Jahr 1995 startete er gemeinsam mit Patrick Crispen, der bereits Erfahrungen bei der Herausgabe eines Newsletters mit etwa 80.000 Lesern gemacht hatte, den „Internet Tourbus“ der, damals noch ein Novum, mit Werbung angereichert war. Zunächst wurde das Projekt nebenberuflich durchgeführt. Doch 1997 gab Bob Rankin seine Arbeit bei IBM auf und ist seitdem Unternehmer und Autor. Neben der Arbeit für den „Internet-Tourbus“ schreibt Dr. Bob, wie Rankin auch genannt wird, Bücher und gestaltet Web-Seiten. Als Hobby gibt er an, mit einem kleinen Plastikbus zu spielen der ein „cooles Geräusch“ macht, wenn er ihn über den Schreibtisch schiebt.

NSFNET

Rückgrat des Internet in den USA.

An dem Computernetzwerk der ARPA konnten sich nur Institutionen beteiligen, die auch an Forschungsaufträgen dieser Agentur arbeiteten. Ende der 70-er Jahre gab es in den USA bereits 120 Fakultäten des Fachbereichs Informatik, doch nur 15 der damaligen 61 Rechner des Arpanet befanden sich an Universitäten. Von der Universität Wisconsin ging die Initiative aus, ein kostengünstiges Netzwerk mit einer einfachen Struktur zu errichten, um auch die Ressourcen der nicht an das Arpanet angeschlossenen Rechner gemeinsam nutzen zu können und die Kommunikation zwischen den Instituten zu verbessern. So kam es 1981 zur Gründung des „Computer Science Research Network“, CSNET, das neben einem E-Mail Service auch die Nutzung des Telenet, dem ersten kommerziellen Netzwerk, das 1974 vom Unternehmen BBN aus der Taufe gehoben wurde, bot. Außerdem gab es eine Verbindung zum Arpanet. Das von der „National Science Foundation“, NSF, einer 1950 gegründeten Organisation zur Förderung von Forschung und Lehre in den Naturwissenschaften, finanzierte Projekt war ein voller Erfolg. Von der NSF wurde daraufhinbeschlossen, auch ein Netzwerk zu etablieren. Das 1986 errichtete Hochgeschwindigkeitsnetz NSFNET verband die sechs Supercomputerzentren der USA miteinander. Außerdem erhielten die lokalen Netzwerke der USA die Möglichkeit, sich an dieses Netz anzuschließen, wodurch die Verbindung der Netze untereinander möglich wurde und das NSFNET zum „Backbone“, dem Rückgrat, des Internet in den USA wurde.

Beitragsbild: Logo des NSFNET Linzenz

Jon Postel

Amerikanischer Ingenieur
(06.09. 1943 – 16.10. 1998)

Dr. Jonathan B. (Jon) Postel, einer der Väter des Internet, war Zeit seines Lebens außerhalb der Netzgemeinde eher unbekannt, sogar die Wachmannschaften des Weißen Hauses wollten den Mann mit Pferdeschwanz und Sandalen nicht hereinlassen, als er einer Einladung Präsident Clintons zu einem Dinner folgte. Jon Postel war als Direktor der IANA, einer Organisation zur Koordination der Entwicklung des Internet, für die Verwaltung der IP-Adressen, der Kennungen der an das Internet angeschlossenen Rechner, verantwortlich und Herausgeber der RFC`s, der Dokumente, mit den technischen Spezifikationen des Internet, weshalb er auch als „Godfather“ des Internet bezeichnet wurde. Der 1943 geborene Postel hatte, wie Vinton Cerf, die Van Nuy High School im San Fernando Valley nördlich von Los Angeles besucht. An der Universität von Los Angeles, wo er Cerf wieder traf, machte er 1966 und 1968 Abschlüsse als Ingenieur. Als graduierter Student kam er an der neugegründeten Fakultät für Informatik zur der Gruppe, die unter Leonard Kleinrock an Entwicklungen für das ARPANET arbeitete. Nach seiner Promotion 1974 blieb er an der Universität und leitete dort seit 1977 die Abteilung für Netzwerke am Institut für Informatik. Wegen seines exzentrischen Aussehens, er trug stets Sandalen, hatte lange Haare und einen wallenden Bart, galt er dort bald als „Hauseigener Hippie-Patriarch“ (Cerf). Die Herausgabe und Verteilung der RFC`s (Request for Comments) hatte er übernommen, nachdem Steve Crocker das erste dieser Dokumente geschrieben hatte und ein Freiwilliger für deren Betreuung gesucht wurde. Außerdem war Postel maßgeblich an der Entwicklung des DNS, des Namensystems der Rechner im Internet, beteiligt. Auch deren Verwaltung hatte er freiwillig übernommen. Er war Mitbegründer des „Internet Architecture Board“ und 1992 das erste Einzelmitglied der „Internet Society“, ISOC, einer regierungsunabhängigen Organisation zum Ausbau und zur Koordinierung der Vernetzung. Postel, eine Autorität in seinem Bereich, war wegen seiner ruhigen und besonnen Art bei Untergebenen und Kollegen gleichermaßen geschätzt. Diese Autorität kam ihm zugute, als er im Januar 1998 die Betreiber der zwölf Root Server via E-Mail bat, die Adresse des A-Root Servers (des Rechners, der die Verweise auf die Datenbanken der Top Level Domains enthält) zu ändern und auf seinen Rechner zu verweisen, was tatsächlich geschah. Die Aktion fand im Zusammenhang mit der Diskussion um die Neuorganisierung des Namens-Systems statt, für die sich auch Postel einsetzte. Jon Postel, der Naturfreund und leidenschaftliche Wanderer, hatte bereits 1991 eine Herzoperation überstanden, als er 1998 nach einer erneuten Operation starb. Er war nicht verheiratet und hatte keine Kinder. Vinton Cerf verfaßte einen Nachruf auf Postel in Form eines RFC und rief den „Jonathan B. Postel Service Avard“ ins Leben, der 1999 posthum an Jon Postel verliehen wurde. Zur Trauerfeier in der Universität von Los Angeles brachte Jons Bruder Mort 250 Papierflugzeuge mit, die von den Trauergästen gleichzeitig mit dem Ausruf „In Gedenken an Jon Postel“ in die Luft geworfen wurden.

Jean Armour Polly

Amerikanische Bibliothekarin und Autorin, prägte den Begriff „Surfing the Internet“.

Die Geschichte, wonach der von Jean Armour Polly geprägte Begriff „Surfing the Interent“ durch die Abbildung eines Surfers auf ihrem Mouse Pad angeregt wurde, gehört wahrscheinlich in das Reich der Legenden, denn das Netz wurde damals noch durch textbasierte Anwendungen bestimmt. Jean Armour Polly hatte im Juni 1992 einen Artikel über die Nutzung des Internet geschrieben und den Ausdruck „Surfing the Interent“ als Überschrift gewählt, da das Wort „Surfen“ am treffendsten die Fähigkeiten beschrieb, die damals für eine erfolgreiche Recherche im Internet notwendig waren. Das Netz erschien wie ein unbekannter Ozean, zu dessen Erforschung eine Menge Sachkenntnis, aber auch Geschicklichkeit und Ausdauer notwendig waren. Doch auch Spaß und Abenteuer kamen dabei nicht zu kurz. Der Ausdruck verbreitete sich rasch und wurde bald zum Allgemeingut. Nur die Gemeinde der „echten“ Surfer fühlte sich durch die Gleichsetzung ihres Sports mit einer vergleichsweise stupiden Tätigkeit auf den Schlips getreten, und es soll sogar zur Gründung einer Newsgruppe im Internet gekommen sein, in der man Polly die Krätze an den Hals wünschte. Jean Armour Polly wurde am 12. Oktober 1952 in Syracuse, New York, geboren. Schon in der High School entdeckte sie ihr Talent zum Schreiben, sie verfaßte zum Beispiel das High-School-Jahrbuch und das dazugehörige Literaturmagazin. Auf dem College gewann sie 1974 den „Whiffen Poetry Prize“. Dort wurde auch ihr Interesse an der Datenverarbeitung geweckt, als sie freiwillig Kurse für die Programmiersprachen „Basic“ und „Fortran“ besuchte. Den Computer nutzte sie auch während ihrer Ausbildung an der Universität von Syracuse, dort studierte sie mittelalterliche Geschichte und Bibliothekswesen. Dabei beschäftigte sie sich mit dem Computer als Mittel zur Informationsbeschaffung. Nach Beendigung des Studiums im Jahre 1975 wollte sie sich eigentlich mit antiquarischen Büchern und alten Handschriften beschäftigen, doch sie landete schließlich in der Bücherei von Liverpool, New York. Dort richtete sie 1981 einen der ersten öffentlichen Computerarbeitsplätze in einer amerikanischen Bibliothek ein, gab Computerunterricht und etablierte ein Bulletin Board System. Ihren eigenen Internet-Zugang erhielt sie 1991, und ein Jahr später folgte der entsprechende Anschluß an ihrem Arbeitsplatz. Im selben Jahr begann sie, bei einem lokalen Internet Service Provider zu arbeiten, wo sie sich unter anderem mit der Einführung von Journalisten in diese Thematik beschäftigte, was ihr den Spitznamen „Internet Mom“ einbrachte. Polly war am Projekt „Gain“ (Global Access Information Network), einer Studie über die Möglichkeiten der effektiven Nutzung des Internet zur Recherche beteiligt, und sie war die zweite Frau, die Mitglied der „Interent Society“, ISOC, wurde, einer Organisation, die sich unter anderem mit der Koordination von für das Internet entwickelten Technologien beschäftigt. 1995 machte Jean Armour Polly sich als „Net Mom“ selbständig. Sie schrieb das Buch „The Internet Kids and Family Yellow Pages“ einen familienfreundlichen Führer durch das World Wide Web, der mittlerweile in der sechsten Auflage erschienen ist. Auch ist sie als Beraterin tätig. „Net Mom Approved“ ist in den USA inzwischen als Qualitätssiegel für Internetseiten bekannt. Jean Armour Polly ist verheiratet und hat einen Sohn. Ihr Haus, in dem neben der Familie auch eine große Anzahl Katzen ein Heim gefunden hat, ist natürlich mit einem Netzwerk ausgestattet.

Beitragsbild: Von Elon University’s Imagining the Internet Center at the Internet Society’s Internet Hall of Fame Induction 2019 in San José, Costa Rica. – CC-BY 4.0,