Robert M. (Bob) Metcalfe

Amerikanischer Ingenieur und Journalist, entwickelte das Ethernet.

Auf der sechsten WWW-Konferenz, die im Jahr 1996 stattfand, konnten die Besucher einem ungewöhnlichem Schauspiel beiwohnen: Der Kolumnist des Computermagazins „Info World“, Bob Metcalfe, verzehrte vor dem versammelten Publikum ein mit etwas Wasser vermischtes Stück Zeitung. Er löste damit ein Versprechen ein, das er im Jahr zuvor gab, nachdem er in einer Kolumne den Zusammenbruch des Internet für 1996 vorausgesagt hatte. Zwar betonte er, daß im August 1996 die Router bei dem Provider AOL ihren Dienst versagt hatten, was ihn jedoch nicht von seiner ungewöhnlichen öffentlichen Mahlzeit bewahrte. Andere seiner Aussagen waren zutreffender, 1991 prangerte er als erster ßßß Microsofts monopolistisches Verhalten an und sagte richtig des Rückzug Bill Gates aus der Leitung der Firma voraus. Vor allem ist Metcalfe jedoch als Erfinder des Ethernet bekannt geworden, dem heutigen Standard für lokale Netzwerke. Schon als Kind hatte sich der 1946 in Brooklyn geborene Metcalfe mit der Elektrotechnik beschäftigt, damals allerdings eher zufällig: Als der zehnjährige Schüler sich anschicktein letzter Minute einen Schulaufsatz über ein Buch zu schreiben, welches er gelesen hatte, erwischte er im Regal seines Vaters, eines Raumfahrt-Technikers, ein Werk über Elektrotechnik, dessen Inhalt er in besagter Hausarbeit beschrieb. Zwar hatte er davon eigentlich nichts verstanden, doch um eine gute Note zu bekommen, formulierte er am Schluß seines Aufsatzes den Wunsch, später auch ein Elektroingenieur zu werden. Tatsächlich nahm er 1961 ein Studium am MIT auf und erlangte dort 1969 jeweils einen Abschluß als Elektroingenieur und im Fach Betriebswirtschaft. 1970 ging er nach Harvard, wo er Mathematik und Informatik studierte. Seine Doktorarbeit über das ARPANET wurde jedoch zunächst abgelehnt, 1973 promovierte er doch noch, mun aber mit einer Arbeit über ßßß Norman Abramsons ALOHANET. Schon während seiner Studienzeit begann Bob Metcalfe 1972 am „Palo Alto Research Center“, PARC, der Firma Xerox zu arbeiten. Dort entwickelte er gemeinsam mit D.R. Boggs das Ethernet, ein Netzwerk, das es erlaubt, Computer verschiedener Hersteller zu vernetzen. Als Datum der Erfindung wird der 22. Mai 1973 genannt, damals wurden erstmals mehrere Rechner mit einem Drucker verbunden. 1976 wurde die Entwicklung in dem Papier „Ethernet: Distributed Packet Switching For Local Computer Networks“ dokumentiert. Bei Xerox PARC arbeitete Metcalfe außerdem an der Entwicklung der Xerox Star Workstation, dem ersten mausgesteuerten Rechner mit einer grafischen Benutzeroberfläche. 1979 gründete Bob Metcalfe schließlich im Alleingang die Firma „3Com – computers, communication compatiblity“-, um die Verbreitung der von ihm entwickelten Netzwerktechnologie voranzutreiben. Das Unternehmen konnte, gemeinsam mit Intel, DEC und Xerox das Ethernet als Standard durchsetzen und brachte 1982 einen entsprechenden Netzwerkadapter für Intel-basierte Computer auf den Markt. „3com“ arbeitete mit IBM und Microsoft zusammen, wurde jedoch später vom Redmonter Software-Giganten über den Tisch gezogen. 1990 zog sich Metcalfe aus dem Unternehmen zurück. Nach einer Gastprofessur am Computerlabor der Universität Cambridge begann er als Journalist zu arbeiten. Er war zeitweise Herausgeber des Magazins „InfoWorld“, hält Vorträge und organisiert Konferenzen, wie die „Agenda 99“ oder die jährlich inzwischen auch in Europa stattfindende „Vortex“. Dabei nimmt er für sich in Anspruch, die Bezeichnung „Keynote Speech“ für einen 45-minütigen Vortrag zu einem bestimmten Thema geprägt zu haben. Außerdem ist nach ihm das „Metcalfsche Gesetz“ benannt, welches davon ausgeht, daß ein Netzwerk mit zunehmender Größe immer nützlicher und kostengünstiger wird. Bob Metcalfe, der mit seiner Familie, er ist verheiratet und hat zwei Kinder, lange im ßßß Silicon Valley lebte, hat sich nun in einer „frischen, lebendigen Gegend“ niedergelassen. Die Metcalfes haben in Maine eine Farm erworben, dort widmet sich seine Frau Robyn der Zucht seltener Haustierrassen, und er selbst erscheint zuweilen als „Farmer Bob“ auf den Titelseiten von Hochglanzmagazinen.

Beitragsbild: By Andreu Veà, WiWiW.org – Own work, CC BY-SA 3.0

Michaela Merz

Deutsche Unternehmerin.

1999 wurde in den deutschen Medien eine lebhafte Diskussion über das Programm „Web Washer“ der Firma Siemens geführt, eine Software, die das Ausblenden von Werbebannern beim Surfen im Internet erlaubt. Die damalige Geschäftsführerin des Providers „Germany.Net“ gehörte zu den entschiedenen Gegnern dieser Technologie. Kein Wunder, denn der von ihr im Jahr 1995 gegründete Dienst „Germany.Net“ bot einen, bis auf die Telefongebühren kostenlosen Zugang zum Internet, der sich durch Werbung finanzierte. Also beschwor sie den Konsens „Werbung gegen Information“, der im Internet zwischen Anbietern und Abrufern bestünde. Michaela Merz wurde 1960 in Kassel geboren und begann nach dem Abitur ein Studium der Betriebswirtschaftslehre. Während dieser Zeit war sie mit einem Informatiker liiert, von dem sie sich nach einem Streit trennte. Allerdings ließ er in ihrer Wohnung seinen Computer, einen Sinclair ZX 81, zurück. Michaela Merz begann, sich mit diesem Gerät zu beschäftigen. Sie lernte Programmieren und nutzte die Mailboxsysteme des Fido- und Magicnet. Auch entwickelte sie mit Freunden und Bekannten Software, die über eine eigene Mailbox verteilt wurde. Später entstand daraus die „Free Software Association of Germany“, FSAG, ein Unternehmen zur Entwicklung und zum Vertrieb freier Software. Zu den Kunden gehörten Unternehmen wie IBM, Siemens oder Hewlett Packard. Nach ihrem Studium arbeitete Michaela Merz zunächst als Trainee bei einer internationalen Werbeagentur und war dann Marketingleiterin eines japanischen Unternehmens, das elektronische Systeme für den Point of Sale entwickelte. Den Namen „Germany.Net“ ließ sie im Jahr 1994 registrieren und ein Jahr später wurde die Firma „Callisto Germany.Net“ gegründet. Michaela Merz wollte mit der Firma breitere Bevölkerungsschichten für das Internet interessieren, auch reizte sie die Aufgabe, die Kommunikationsmöglichkeiten, die sie im Netz kennengelernt hatte, mit dem Marketing zu verbinden. Ihr Plan sah daher vor, einen kostenlosen, durch Werbung finanzierten, Internetzugang anzubieten. Ihr Konzept ging auf und „Germany Net“ war 1996 der drittgrößte Online-Dienst Deutschlands, noch vor AOL oder dem Microsoft Network. 1997 verkaufte Merz ihre Firmenanteile an den Telefonanbieter „O.tel.o“ und zog sich schließlich 1999 gänzlich aus dem Unternehmen zurück. Inzwischen lebt sie in Florida, wo sie die Firma „Steyla Technologies“ gründete, welches Projekte und Technologien für Unternehmen im Bereich der Telekommunikation entwickelt. Außerdem ist sie Vorstandsvorsitzende eines Providers für E-Commerce-Lösungen. In ihrer Freizeit beschäftigt sie sich mit Dingen, die nichts mit dem Internet zu tun haben. Die begeisterte Pilotin fliegt außerdem viel und lernt auf diese Weise die Landschaften und Naturwunder der USA kennen.

Beitragsbild: Von Mathesar – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0,

Mary Meeker

Amerikanische Analystin und Börsenmaklerin, Cheerleader des Internet.

„Königin des Web“, „First Lady des Internet“ oder die Wahl zur drittwichtigsten Frau der Welt; die amerikanische Presse ist um Superlative für die Analystin Mary Meeker nicht verlegen. Kritiker sehen in ihr jedoch die Symbolfigur einer Fehlentwicklung der Wall Street, bei der selbst Unternehmen mit Verlusten in Millionenhöhe zu schwindelerregenden Preisen gehandelt werden. Meeker selbst gibt zwar zu, daß 70 Prozent der „Dot.Coms“, wie die Firmen im Internet heißen, weit über Wert gehandelt werden, trotzdem ist ihr Optimismus ungebrochen, was die Erfolgsaussichten der Internet-Wirtschaft anbelangt. Die im September 1959 in Portland, Indiana, geborene Mary Meeker hat Psychologie und Wirtschaftswissenschaften studiert. Schon während ihres Studiums begann sie als Börsenmaklerin zu arbeiten. 1986 trat sie eine Stelle als Analystin bei der Börsenmaklerfirma „Solomon Brothers“ an. Nach einem Engagement bei einer weiteren Maklerfirma kam sie schließlich 1991 zum Wertpapierhaus „Morgan Stanley Dean Witter“, wo sie als Analystin im Bereich Software/Hardware beschäftigt wurde. In diesem Zusammenhang lernte sie 1994 auch die Firma ßßß Netscape kennen und erkannte das wirtschaftliche Potential des Internet. Sie empfahl Firmen wie AOL oder ßßß Yahoo zum Kauf, als kaum jemand an den Erfolg von Unternehmen dieser Art glaubte. In ihrem 1996 erschienenen Buch „Internet Report“ prophezeite sie der Werbung im Netzt eine goldene Zukunft, was sich mit dem Ende der 90-er Jahre einsetzenden Internet-Boom bewahrheitete. Inzwischen entscheidet sie mit ihren Empfehlungen über Wohl und Wehe von Unternehmen. Auch nach der mittlerweile eingetretenen Abkühlung des Marktes (so sank etwa der Aktienkurs von Yahoo Anfang 2001 um 94 Prozent) ist sie weiterhin optimistisch. Das ßßß Silicon Valley vergleicht sie mit den Verhältnissen im Basketball während ihrer Hig-School Zeit, damals gab es noch keine Basketball-Liga, und auch unbekannte Mannschaften konnten gegen bislang erfolgreiche Teams spielen und gewinnen. Ebenso können heute kleine Garagenfirmen im Internet gegen Großkonzerne antreten. Über Mary Meekers Privatleben ist nicht viel bekannt, sie ist unverheiratet und verbringt ihre knappe Freizeit beim Angeln und Skilaufen mit ihrem 21 Jahre älteren Bruder.

Beitragsbild: CC BY 2.0

Neil McElroy

Amerikanischer Geschäftsmann, initiierte als Verteidigungsminister die ARPA.
(1904 – 1972)

„Es ist die Aufgabe der Schulen, den Intellekt der Menschen zu fördern“, hielt Neil McElroy den Kritikern der Seifenopern vor, die behaupteten, die populären Fernseh- und Radioprogramme des Waschmittelherstellers „Procter & Gamble“ (P&G) würden zur Volksverdummung beitragen. Die erste Seifenoper war 1933 unter der Ägide McElroys von P&G eingeführt worden. Die von der 23-jährigen Virginia Payne moderierte Radiosendung mit dem Namen „Oxydols own Ma Perkins“ richtete sich an Hausfrauen und sollte die Marke „Oxydols“ bekannt machen. Der Begriff „Seifenoper“ wurde später zum Synonym für seichte Fernsehprogramme, die von Konsumgüterherstellern finanziert wurden. Neil MacElroy wurde 1904 als jüngster Sohn eines methodistischen Lehrerehepaars in Breda, Ohio, geboren. Sie erzogen ihre Kinder nach dem Motto „Hilf Dir selbst, so hilft Dir Gott.“ Also begann er schon als Schüler, mit dem Austragen von Zeitungen und der Mithilfe in einer Wäscherei sein erstes Geld zu verdienen. Als er im Alter von 16 Jahren die High School beendete, hatte er bereits 1000 Dollar gespart. Wie seine zwei Brüder ging er nach Harvard und studierte dort Wirtschaft. Um sich die Studiengebühren für die Harvard Business School zu verdienen, die er anschließend besuchen wollte, nahm er eine Stellung bei P&G an. McElroy war in dem Unternehmen sehr erfolgreich und wurde bereits 1930 nach England geschickt, um dort eine von seinem Arbeitgeber übernommene Firma zu leiten. Er blieb bei Procter & Gamble, führte dort in den 30-er Jahren die markenorientierte Werbung ein, in dessen Zusammenhang auch die Einführung der Seifenoper stand, auch gründete er eine firmeneigene Forschungsabteilung , auf deren Konto unter anderem die mit Fluor versetzte Zahncreme geht. 1948 wurde er schließlich Präsident des Unternehmens. Neben seiner Arbeit bei P&G engagierte sich McElroy in zahlreichen gemeinnützigen Organisationen, wobei ihm die Bildungspolitik besonders am Herzen lag. In den 50-er Jahren beriet er den amerikanischen Präsidenten Eisenhower in Bildungsfragen und wurde schließlich 1957 Verteidigungsminister der USA. Einige Tage vor seiner Amtseinführung hatte der sowjetische Sputnik die amerikanische Öffentlichkeit aufgeschreckt und so fiel seine drei Jahre dauernde Amtszeit direkt in den kalten Krieg. McElroy sprach sich jedoch gegen ein übertriebenes Raketenbauprogramm aus. Um die Forschung in diesem Bereich voranzutreiben, initiierte er eine unabhängige Behörde, die unter der Bezeichnung „Advanced Research Projects Agency“ (ARPA) durch die Entwicklung eines Computernetzwerkes, das gemeinhin als Vorläufer dies Internet betrachtet wird, in die Geschichte einging. Neil McElroy ging nach seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst wieder zu P&G. Er starb 1972, ein Jahr nach seiner Pensionierung.

Beitragsbild: Gemeinfrei

Marc. P. McCahill

Amerikanischer Programmierer, Mitentwickler von „Gopher“.

In kaum einer Aufstellung zur Geschichte des Internet fehlt der Name Marc P. McCahill. Der 1991 bereits 35 Jahre alte McCahill hatte an der Universität von Minnesota Chemie studiert, dabei jedoch erkannt, daß ihm die Arbeit mit dem Computer besser gefiel als die Tätigkeit im Labor. So war er schließlich Programmierer geworden und leitete das Team, welches 1991 ein Informationssystem für die Universität entwickelte. Während andere Hochschulen auf einen zentralen Rechner setzten, auf dem alle Informationen zur Verfügung gestellt wurden, entschied man sich in Minnesota für ein System aus mehreren Servern. Es wurde eine menügesteuerte Software entwickelt, die es erlaubte, einfach auf die an das System angeschlossenen Rechner zuzugreifen. Das Programm war bewußt einfach gehalten, denn die Entwickler hatten es eilig und außerdem sollte es problemlos möglich sein Software zu schreiben, die es ermöglichte, auf Rechner mit unterschiedlichen Betriebssystemen zuzugreifen. Diese Struktur machte das System populär und im Internet entstand ein darauf aufbauendes umfangreiches Netz von Rechnern. Der Name des Systems ist „Gopher“. Experten sind sich über den Ursprung der Bezeichnung allerdings nicht recht im klaren, einerseits heißt es, sie ginge auf das Maskottchen der Universität von Minnesota, der Taschenratte (Gopher), zurück. Andererseits ist es in den USA üblich, Büroboten mit der Aufforderung „Go fer it“ zu beauftragen, Dokumente herbeizuholen.

Beitragsbild: By Tim Wilson -, CC BY 2.0

Michael Mauldin

Amerikanischer Wissenschaftler, Entwickler der Suchmaschine Lycos.

„Ein Methode zur Erstellung eines Kataloges von Dateien in einem Netzwerk, das aus einer Vielzahl von verbundenen Computern besteht, auf denen wiederum eine Vielzahl von Dateien gespeichert sind…“ So beginnt der Text des US Patents 5748954. Es beschreibt die Suchmaschine Lycos, die 1994 von Michael L. Mauldin entwickelt wurde. Fuzzy, wie er auch genannt wird, beschäftigte sich als Forscher an der Carnegie Mellon Universität als erster Wissenschaftler mit der Erfassung und Sammlung des Inhaltes des World Wide Web. In diesem Zusammenhang entstand die Suchmaschine Lycos. Der Name leitet sich aus der lateinischen Bezeichung der Wolffspinne, ein Tier, das Michael Mauldin sehr bewundert, her. Diese Spinne baut kein Netz, sondern jagt ihre Beute im schnellen Lauf. Als die Universität von Anfragen bezüglich der Suchmaschine förmlich überschwemmt wurde, kam es zur Gründung der Lycos Inc. in Boston. Michael Mauldin wurde 1959 in Dallas, Texas, geboren. Schon als Kind entdeckte er sein Interesse an der Computertechnik. 1977 beendete er die High Shool und studierte Mathematik und Informatik, wobei er seinen Doktortitel 1989 an der Carnegie Mellon Universität erlangte, wo er noch immer als Forscher tätig ist. Dort beschäftigt er sich unter anderem mit künstlicher Intelligenz und dem Verwalten und Auffinden von Informationen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt in der Einbindung der natürlichen Sprache in die Computertechnik. Er war wesentlich an der Entwicklung von „Julia, dem Chatterbot“ beteiligt. Ein Chatterbot ist ein Chat-Roboter, also eine Maschine, mit der man eine Unterhaltung führen kann. 1994 nahm Julia am „Turing Test“ um den Loebner Preis teil und belegte bei fünf Teilnehmern den vierten Platz. Beim Turing Test stellt ein Mensch einem Computer und einem anderen Menschen Fragen, dabei muß er anhand der Antworten herausfinden, wer der Mensch und wer der Computer ist. Ist das nicht möglich, so hat der Computer den Test bestanden und kann gemäß dem Entwickler des Tests denken. Bislang ist dies allerdings noch keinem Computerprogramm gelungen. Außerdem ist Michael L. Mauldin Manager bei der Firma „Virtual Personalities“. Dort beschäftigt man sich mit der Entwicklung von künstlichen Charakteren als neuartige Benutzeroberflächen .Michael Mauldin ist verheiratet und hat drei Kinder. Der begeisterte Hobby-Kunstflieger besitzt drei Sportflugzeuge. Daneben baut er in seiner Freizeit.an Battle Bots, an Kampfrobotern. Diese mit allen möglichen Zerstörungswerkzeugen ausgerüsteten Geräte treten einmal jährlich auf einer großen Veranstaltung gegeneinander an. Gewonnen hat, wer übrig bleibt.

Angela Marquardt

Deutsche Politikerin, ihre Web-Seite wurde von Amts wegen gelöscht.

Für Angela Marquardt ist das Internet eine hervorragende Möglichkeit zur Stärkung der Demokratie. Diese Meinung wird jedoch nicht unbedingt von den deutschen Behörden geteilt. Die Internet-Seite welche die damalige stellvertretenden Parteivorsitzende der PDS bei dem Provider CompuServe eingerichtet hatte, wurde auf Geheiß der Staatsanwaltschaft im September 1996 gelöscht, denn Frau Marquardt hatte auf ihrer Seite einen Link zu der in Deutschland verbotenen Zeitschrift „Radikal“ eingerichtet, die unter anderem durch die Veröffentlichung des „Kleinen Leitfaden zur Behinderung von Bahntransporten aller Art“ aufgefallen war. Die am 03.08. 1971 in Ludwigslust geborene Angelika Marquardt hatte sich nach der „Wende“ in Greifswald für ein selbstverwaltetes Jugendzentrum eingesetzt. Durch diese Arbeit kam sie auch in Kontakt mit der PDS, in deren Bundesvorstand sie 1991 gewählt wurde. Seit 1998 ist die Studentin der Politikwissenschaften Abgeordnete des Deutschen Bundestages, in dessen eher grauen Versammlung sie mit ihrer bunten Punk-Frisur immer wieder auffällt. Das Internet wurde ihr durch einen Mitarbeiter schmackhaft gemacht, der bereits eine eigene Homepage hatte. Angela Marquardt war fasziniert von den Möglichkeiten der „unzensierten und unkontrollierten weltweiten Information und Kommunikation“, die das Netzwerk bietet. Daher war es nur konsequent, daß ihre Homepage im Zuge der Diskussion um militante linke Politik auch einen Verweis zu der umstrittenen Zeitschrift enthielt. Allerdings fehlte der Hinweis nicht, daß Marquardt selbst Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung ablehnt. So kam es zu dem oben genannten, die Gemeinde der Internet-Nutzer empörenden Zwischenfall. Noch heute erhält Angelika Marquardt gelegentlich Anfragen von Menschen aus aller Welt, die sich mit diesem Fall der Zensur im Internet beschäftigen. Mit der Löschung ihrer Homepage war es jedoch nicht getan; Marquardt wurde wegen „Billigung von Straftaten“ angeklagt. Das Verfahren endete jedoch mit einem Freispruch, da der Link von Marquards Seite schon vor dem mißliebigen Artikel bestand und der Verweis nicht direkt zu der Publikation führte. Das Verfahren gegen die Politikerin war übrigens nicht die einzige Aktion, welche die Staatsanwaltschaft gegen die Web-Seiten von „Radikal“ durchführte. So sperrte unter anderem das DFN Anfang 1997 den Zugang zum niederländischen Provider „XS4ALL“, auf dessen Server sich die Seiten der umstrittenen Publikation befanden. Ein ziemlich sinnloses Unterfangen, denn durch Unterbringung der betreffenden Seiten auf anderen Rechnern im Internet blieb „Radikal“ erreichbar. Nur den kommerziellen Kunden von „XS4ALL“ bereitete diese Aktion Verdruß, denn sie waren zeitweise von Deutschland aus nicht erreichbar.

Marimba

Amerikanisches Softwareunternehmen.

„Surfen ist out, die Leute wollen, daß sich ihre Computer genauso leicht bedienen lassen wie Fernseher. Sie wollen nur ein paar Kanäle, die sie sich im Internet ansehen können“. So zitierte das Magazin „Focus“ im Jahr 1997 die Geschäftsführerin der kalifornischen Firma „Marimba“, Kim Polese. Die Softwareschmiede beschäftigte sich mit der „Push-Technologie“, die damals als der letzte Schrei im Internet galt. Die Nutzer des Netzes bedienen sich für gewöhnlich der „Pull-Technologie“, das heißt, sie suchen sich gewünschte Informationen selbst zusammen, indem sie etwa entsprechende Web-Seiten wählen. Bei Verwendung der „Push-Technologie“ hingegen werden die Inhalte den Nutzern frei Rechner geliefert. Eine spezielle Software sorgt dafür, daß Daten von zuvor festgelegten Rechnern aus dem Netz übertragen werden. Dabei kann es sich ebenso um Nachrichten wie um Updates für genutzte Software handeln. Das dafür notwendige Protokoll DRP (Distribution and Replikation Protocol) wurde von „Marimba“ sogar dem W3 Konsortium als Internet-Standard vorgeschlagen. Das Unternehmen wurde 1996 von vier ehemaligen Mitarbeitern der Firma SUN gegründet, die an der Entwicklung der Programmiersprache „JAVA“ mitgearbeitet hatten. Das bekannteste Mitglied des Teams war die damals 34 Jahre alte Italo-Amerikanerin Kim Polese, die für das Marketing des Java-Projektes verantwortlich gewesen war, außerdem gehörten Jonathan Payne, Arthur van Hoff und Sami Shaio zur Gruppe. Die „Push-Technologie“ hat sich zwar nicht großflächig durchgesetzt, doch Marimba beschäftigt sich immer noch mit der Softwareentwicklung in diesem Bereich.

Beitragsbild: Screenshot der Webseite 1999

Thomas (Tom) Marill

Amerikanischer Psychologe und Unternehmer, errichtete das erste WAN.

Der Begriff „Protokoll“ zur Beschreibung der Art der Datenübertragung zwischen verschiedenen Rechnern geht auf Thomas Marill zurück. Er hatte damit das Verfahren bezeichnet, das er verwendete, um zu prüfen, ob die Datenübertragung im ersten „Wide Area Network“, WAN, (einer Verbindung von Computern über eine größere Distanz) korrekt ablief. Marill war Inhaber der Firma „Computer Corporation of America“, CCA, die diesen Versuch im Auftrag der ARPA durchführte. Auf der Suche nach Aufträgen für sein kleines Unternehmen hatte er der ARPA dieses Experiment vorgeschlagen und prompt den Zuschlag erhalten. Allerdings wurde ßßß Larry Roberts vom Lincoln Laboratory des MIT mit der Überwachung des Vorhabens betraut, bei dem je ein Rechner des Lincoln Lab und der Firma „Systems Development Corporation“ über die Telefonleitung verbunden wurden. 1966 veröffentlichten Marill und Roberts ihre Erfahrungen mit diesem Vorläufer des Internet in der Schrift „Toward a cooperative Network of Time Sharing Computers“ Thomas Marill wurde 1929 in Berlin geboren und verbrachte seine Kindheit in Paris, wo er auch die Grundschule besuchte. Nach der deutschen Invasion 1941 emigrierte die Familie in die USA. Marill studierte Wahrnehmungspsychologie an der Cornell Universität und erwarb 1956 am MIT bei ßßß Joseph Licklider einen Doktortitel, sein Thema stammte aus dem Bereich der experimentellen kognitiven Psychologie. Während seines Studiums am MIT war er am Labor für Akustik und am Forschungslabor für Elektronik beschäftigt. Nach der Promotion blieb er zunächst am MIT wo er am SAGE Projekt, einem computergesteuerten System zur Abwehr von sowjetischen Luftangriffen, mitarbeitete. Danach leitete Marill bei BBN die Computerforschungsabteilung, wo er unter anderem an der Entwicklung des ersten Time Sharing -Systems mitwirkte. 1965 machte er sich mit der „Computer Corporation of America“ selbständig, die kurz darauf Internet-Geschichte schreiben sollte. Das Unternehmen besteht immer noch, es entwickelt Datenbanksysteme. Thomas Marill hat sich 1985 aus der Firma zurückgezogen, er beschäftigt sich seitdem am MIT mit künstlicher Intelligenz. Gemeinsam mit seiner Frau Marian lebt er in Cambridge, Massachusetts.

Carl Malamud

Amerikanischer Autor, Gründer des ersten Internet Radios.

Im Gegensatz zu den meisten Protagonisten des Internet, ist Carl Malamud der Meinung, daß auch die Regierungen eine wichtige Rolle im Netz spielen sollten. Natürlich fordert er nicht, daß durch bürokratische Regelungswut etwa die Meinungsfreiheit eingeschränkt wird. Vielmehr ist er der Ansicht, daß sich das weltweite Netzwerk nur durch Beteiligung der Regierungen in eine Richtung entwickeln kann, die Zugriff auf alle Informationen und Meinungsfreiheit ermöglicht. Sonst könnte das Internet schließlich in totalem Chaos versinken. Denn „Technologie allein ist keine Garantie für Meinungsfreiheit.“ Schließlich würden auch die Städte und Gemeinden der realen Welt entsprechend verwaltet, zum Beispiel indem Straßen angelegt werden. Um diesem Ziel näher zu kommen, forderte er 1994 von der amerikanischen Regierung, diverse Informationen im Internet zur Verfügung zu stellen, etwa das Archiv des Patentamtes oder die „EDGAR“ Firmendatenbank. Carl Malamud gehört nicht zu den Computerfreaks im eigentlichen Sinne. Zwar hatte der 1959 in New York geborene Malamud schon als Schüler ersten Kontakt mit Großrechnern (er durfte Zahlenkolonnen eingeben, die zum Booten der Rechner nötig waren), als sein Vater, einer der Gründer des „Fermilab“, dem amerikanischen Teilchenbeschleuniger, ihm dort Experimente erklärte. Doch Sohn Carl studierte lieber Wirtschaftswissenschaften und Jura wobei er die Rechner der Universität nur zur Textverarbeitung oder zur grafischen Darstellung von Wirtschaftstheorien verwendete. Als er sich im Computerzentrum über die umständliche Arbeit mit den Programmen beschwerte (die Computer arbeiteten damals noch mit Lochkarten), ließ er sich dazu überreden, dort als Berater für andere Nutzer zu arbeiten. 1991 erschien sein Buch „Exploring the Internet – ein technischer Reisebericht“ in dem er über Personen berichtete, die maßgeblich an der Entstehung des Netzes beteiligt waren. Er kam auf die Idee, Interviews, die er im Zusammenhang mit dem Buch gemacht hatte, im Internet als Sound-Dateien zu veröffentlichen. So entstand 1993 daß erste Radioprogramm, in dem Gespräche mit entsprechenden Persönlichkeiten unter dem Titel „Geek of the Week“ veröffentlicht wurden. Das Konzept kam an und es wurde durch die „Übertragung“ von Pressekonferenzen und ähnlichen Veranstaltungen zum „Internet Talk Radio“ erweitert. Organisiert wurde das Radio vom „Internet Multicasting Service“, einer Non Profit Organisation Malamuds, die verschiedene Internet-Dienste anbot. Einer davon ist „North Pole.org“. Dort kann man mit dem Weihnachtsmann Kontakt aufnehmen oder verschiedene Geschichten rund um Weihnachten abrufen. Über diese Web-Seite lernte Malamud auch seine Ehefrau Rebecca kennen, die sich an „santa@north.pole.org“ gewandt hatte, um die Erlaubnis zur Nutzung einiger Audio-Dateien zu erhalten. Zwei Wochen später war sie schon an der Organisation der „Internet 1996 World Exhibition“ beteiligt. Für diese Weltausstellung hatte Carl Malamud 30 Länder bereist und dort um Unterstützung geworben. Die Ausstellung im World Wide Web zog während des Jahres 1996 fünf Millionen Besucher aus 130 Ländern an. Seine Erlebnisse bei der Organisation dieser Veranstaltung verarbeitete er in dem 1997 erschienenen Buch „A World’s Fair for the Global Village“ (Eine Weltausstellung für das Globale Dorf) für das der Dalai Lama das Vorwort und die Künstlerin Laurie Anderson das Nachwort schrieb. Weitere Bücher Malamuds beschäftigen sich mit Netzwerktechnologie. Gemeinsam mit Marshall Rose gründete er 1998 außerdem die Firma „Invisible Worlds“ die an Technologien für den besseren Zugriff auf die Datenmengen des Internet arbeitet.