Bertelsmann

Deutscher Medienkonzern mit Tradition.

Beinahe in jedem Haushalt findet sich eines der Ratgeber- oder belletristischen Bücher des Bertelsmann Leserings, der 1947 von Reinhard Mohn aus den Trümmern des im zweiten Weltkrieg zerstörten Verlagshauses aufgebaut wurde. Der 1921 geborene Mohn nutzte die damals neue Form des Direktvertriebes, um das Verlagsprogramm erfolgreich unter die Leute zu bringen. Es blieb nicht lange bei Büchern, bereits 1956 gehörte ein Schallplattenring, der Stars wie Peter Alexander, Heintje oder Udo Jürgens bekannt machte , zum Untenehmen. Bertelsmann war aktiv bei der Einführung des Privatfernsehens in Deutschland beteiligt (RTL) und ist heute einer der größten Medienkonzerne der Welt. Die Firma Bertelsmann wurde am 1. Juli 1835 von einem Drucker Namens Carl Bertelsmann (1791 – 1850) in Gütersloh gegründet. Das erste Buch trug den Titel „Theomele“ und enthielt christliche Lieder und Gesänge. Schon bald kamen zwei Zeitungen und allgemeinbildende Bücher hinzu. Sein Nachfolger Heinrich Bertelsmann (1827 – 1887) erweiterte das Verlagsprogramm mit Autoren wie den Gebrüdern Grimm oder Gustav Schwab. Unter der Leitung von Johannes Mohn (1856-1930), dem Schwiegersohn von Heinrich Bertelsmann, war das Verlagsprogramm zunächst wieder mehr theologisch orientiert, bevor Heinrich Mohn (1885-1955) auch Unterhaltungsliteratur einführte und mit neuartigen Werbemethoden, wie Preisausschreiben oder „Neuigkeitspaketen“ von sich reden machte. Die Firma wurde bald zu einem der größten Medienunternehemen, an dessen Erfolg Reinhard Mohn nach dem zweiten Weltkrieg anknüpfte. .Schon in den 50er Jahren besaß die Firma Europas größte Offsetdruckerei. Inzwischen ist Bertelsmann an Verlagshäusern in aller Welt beteiligt oder hat sie gar ganz übernommen. Bekannt ist aber auch das soziale Engagement der Firma, schon der Firmengründer engagierte sich in der Armenpflege. 1887 besaß das Unternehmen bereits eine firmeneigene Alters- und Invalidenkasse und 1910 wurde für die Mitarbeiter von Bertelsmann der bezahlte Jahresurlaub eingeführt. 1977 die Bertelsmann-Stiftung für „Ausbildung, Kultur und Sozialpolitik“ gegründet. Um das „Modell Bertelsmann“ zu sichern, übertrug Reinhard Mohn 68,8 % des Aktienkapitals an die Stiftung. „Bezahlen Sie Ihren Mitarbeitern in einer Börsennotierten Firma mal zwei Monatsgehälter Gewinnbeteiligung. Was meinen Sie denn, was die Aktionärsvertreter in der Hauptversammlung dazu sagen.“ begründete Reinhard Mohn diese Entscheidung. 1999 wurden auch die dazugehörigen Stimmrechte übertragen. Unter der Führung des Vorstandsvorsitzenden Thomas Middelhoff wuchs Bertelsmann zum Multinationalen Medienkonzern der die „Old-“ und die „New-Economie“ gleichermaßen umfaßt. 1995 wurde gemeinsam mit America Online, AOL-Europa gegründet, und die Firma beteiligte sich an unterschiedlichen Projekten der New-Economie, etwa an Pixelpark oder dem Netwerkbetreiber mediaWays. Auch das Wissen, die traditionelle Domäne von Bertelsmann, soll nicht zu kurz kommen: Wissen.de, ein Lexikon im World Wide Web gehört ebenfalls zum Konzern. Der letzte Coup von Bertelsmann ist der Einstieg in die Musiktauschbörse Napster von Shawn Fanning, offenbar soll hier das Prinzip des Buchclubs wiederbelebt werden: Gegen einen monatlichen Beitrag sollen die Interessenten eine bestimmte Anzahl von Songs aus dem Internet herunterladen können. Die Beteiligung an AOL wurde inzwischen, nach der Fusion des Providers mit dem Medienkonzern Time Warner, aufgegeben.

Steven Michael Bellovin


Amerikanischer Computerspezialist, Mitentwickler des Usenet.

Der 1951 geborene Steve Bellovin hat 1979 als Student der Universität von North Carolina mit dazu beigetragen, einen Meilenstein im Internet zu setzen. Gemeinsam mit Tom Truscott und ßßß Jim Ellis, zwei Studenten der Duke Universität, entwickelte er Usenet, das „Arpanet für Arme“, wie es auch genannt wird. Das Usenet kann mit einem elektronischen Schwarzen Brett verglichen werden, über das Nachrichten ausgetauscht werden können, es ist noch immer ein beliebtes Diskussionsforum und dient zum Übermitteln der unterschiedlichsten Botschaften. Die Geschichte ist schnell erzählt und wenig spektakulär: Die Drei suchten eine Möglichkeit, Nachrichten zwischen den beiden Universitäten auszutauschen. Anfangs verwendeten sie das Unix eigene Übertragungsprotokoll UUCP, um die Daten mit Hilfe selbstgebastelter Modems über die Telefonleitung zu übertragen. Steve Bellovin schrieb das erste Programm, um diesen Datenaustausch zu automatisieren. Die eigentliche Idee zur Vernetzung stammt von Tom Truscott und Jim Ellis. 1995 wurde den dreien für ihre Entwicklung der „Usenix Lifetime Achievement Award“ verliehen. Bellovin arbeitet bei AT&T, wo er sich mit Netzwerken und Datensicherheit befaßt. Speziell interessiert ihn daran, warum diese zwei Dinge nicht zusammenzupassen scheinen.
Beiragsbild: Eileen Barroso/Columbia Engineering.

BBN

Amerikanisches Unternehmen, arbeitete am ARPANET mit.
Die legendäre Firma BBN, Bold Beranek & Newman, ist durch ihre Beteiligung an der Entstehung des ARPANET bekannt geworden. Gegründet wurde sie 1948 von dem Elektroingenieur Richard Bolt und dem Architekten Leo Beranek. Beide hatten sich mit der Gestaltung akustischer Eigenschaften von Kinos und Kozertsälen sowie mit dem Schallschutz von Gebäuden beschäftigt. Der Architekt und Physiker Richard Bolt hatte während des zweiten Weltkrieges für die amerikanische Marine an akustischen Methoden zur Ortung von U-Booten gearbeitet und leitete nach dem Krieg die Akustikabteilung des MIT. 1948 erhielt Bolt, der neben seiner Tätigkeit beim MIT als Berater arbeitete, den Auftrag zur Planung der Akustik des neuen UN-Gebäudes in New-York. Um diese Aufgabe bewältigen zu können, gründete er gemeinsam mit Leo Beranek eine Beratungsfirma. 1949 kam der Architekt Robert Newman als Partner hinzu. 1958 schaffte die Firma sich, auf Anraten ihres Mitarbeiters ßßß Joseph Licklider, der mit Aufträgen zur Grundlagenforschung für die Regierung rechnete, den ersten Rechner zum Preis von 25000 Dollar an. Die in Cambridge ansässige Firma erhielt bald den Ruf, die „dritte Universität“ am Ort zu sein. Was sicher auch auf das Prinzip Leo Beraneks, jeder neue Mitarbeiter müsse besser sein als sein Vorgänger, zurückzuführen war. 1968 gewann die Firma die Ausschreibung für den ersten IMP (Interface Message Processor) für das ARPANET und wurde dadurch zu einem der Geburtshelfer des Internet. Auch andere wichtige und bekannte Entwicklungen stammen von BBN, man denke etwa an die erste E-Mail und das damit verbundene Zeichen @, welches 1972 von einem Mitarbeiter der Firma,  Ray Tomlinson, eingeführt wurde. BBN hat aber auch in anderen interessanten Bereichen Wesentliches geleistet: 1963 war die Firma an der Analyse der Tonbandaufnahmen die beim Mord an Präsident Kennedy gemacht wurden, beteiligt. Beim Watergate Skandal 1974 stellten Mitarbeiter von BBN fest, daß die 18,5 Minuten Lücke auf den Tonbändern wissentlich herbeigeführt worden war. Der 1914 geborene Leo Beranek, der sich sein Studium an der Cornell Universität durch das Reparieren von Radios finanzierte, schied 1971 aus der Firma aus und wurde Präsident einer Bostoner Fernsehstation. Nach einem Job bei Wang Laboratories und einer Tätigkeit als Präsident des Bostoner Symphonieorchesters widmete er sich als Berater wieder der Gestaltung von Gebäudeakustik. Von seinen beiden Partnern ist weiter nichts bekannt. Das Unternehmen BBN gibt es immer noch, es gehörte als Forschungsabteilung bis zum Jahr 2004 zur Firma Verizon, wurde durch ein Managaement Buyout zunächst wieder selbständig und gehört seit 2009 unter der Bezeichnung „Raytheon BBN Technologies“ als Forschungsabteilung zum amerikanichen Rüstungs- und Technologie-Konzern Raytheon.

BBNs Akustik-Abteilung wurde bereits 1989 in eine hundertprozentige Tochtergesellschaft Namens Acentech Incorporated ausgegliedert, die seit 1991  vollständig unabhängig von BBN ist. Das Arbeitnehmergeführte Unternehmen welches komplett im Besitz der Belegschaft ist, beschäftigt sich neben der Planung von Gebäudeakustik auch mit akustischem Produktdesign.

Das Foto wurde von Acentech zur Verfügung gestellt

BTX

Onlinedienst der Deutschen Bundespost
„Bundespost im Bildschirmtext-Rausch“ so schrieb die „Computerwoche“ im November 1977 über die Pläne der deutschen Post zur Einführung des neuen Angebotes „Bildschirmtext“, BTX. Doch es sollte noch eine Weile dauern, bis dieser Service nach dem Prinzip des von Sam Fedida entwickelten Videotext flächendeckend eingeführt wurde. Auf der Funkausstellung 1977 war BTX erstmals einem größeren Publikum in Deutschland vorgestellt worden. 1980 wurde ein Feldversuch mit jeweils 2000 Interessenten in Berlin und Düsseldorf gestartet. Die Teilnehmer erhielten einen BTX-Decoder, der an ein Fernsehgerät angeschlossen werden konnte, ein Modem und eine Tastatur. Die Übertragung erfolgte mit 1200 Bit pro Sekunde, wobei in 24 Zeilen mit jeweils 40 Zeichen, einfache Grafiken und Texte nach dem CEPT-Standard übertragen werden konnten. Dieser von den europäischen Postbehörden festgelegte Standard erlaubt die Darstellung aller in Europa verwendeten Zeichen, einschließlich der Umlaute. Die bundesweite Einführung des Bildschirmtext erfolgte 1984. Obwohl zahlreiche Dienste angeboten wurden, die Versandhäuser ßßß Otto und „Quelle“ waren vertreten, und Bankgeschäfte konnten über diese relativ sichere Verbindung abgewickelt werden, erfüllten sich die Vorstellungen der Macher, die schon in den 80-er Jahren über eine Millionen Nutzer erwarteten, nicht. 1994 hatte BTX 500.000 Teilnehmer und erst 1997 nutzten 1,5 Millionen Menschen den Dienst, der inzwischen „T-Online“ hieß. Ein Grund für die mangelnde Akzeptanz waren die zahlreichen Erotikangebote im Bildschirmtext, die sich ungehindert ausbreiten konnten, da es der entsprechende Staatsvertrag der Post nicht erlaubte, Einfluß auf die angebotenen Inhalte zu nehmen. Neben dem beliebten Homebanking wurde das System auch für Dienste innerhalb von Firmen, die heute im Internet neudeutsch als „B2B“ bezeichnet werden, genutzt. Zum Beispiel stand die Firma BMW über BTX in Verbindung mit ihren Händlern, und eine große Versicherungsgesellschaft hielt auf diese Weise Kontakt mit ihren Außendienstmitarbeitern. 1992 wurde BTX in Datex-J (Data Exchange für Jedermann) umbenannt und bald darauf unter dem Namen T-Online (Telekom Online) vermarktet, wobei auch der Zugriff auf das Internet ermöglicht wurde. Mit dem wachsenden Netz entwickelte sich der Betreiber des Dienstes, die ßßß Telekom, eine der Nachfolgefirmen der Bundespost, zum größten Internet-Provider Europas. Der Kreis der Nutzer des ehemaligen BTX verkleinerte sich immer mehr und der Dienst wurde Ende 2001 endgültig eingestellt, nachdem er seit Anfang des Jahres nur noch über eine teure Sondernummer erreichbar war.

Dr. Michael Birkel

Deutscher Unternehmer.

Wer in Deutschland Birkel hört, denkt zunächst einmal an Nudeln, das ist auch hier zutreffend, denn der 1968 geborene Michael Birkel stammt aus der bekannten Nudeldynastie. Allerdings machte er sich nicht sonderlich viel aus diesen Teigwaren, sondern studierte in München und Oxford theoretische Teilchenphysik. Zuvor hatte er 1987 eine Auszeichung für das beste Abitur in der Geschichte des Remstal-Gymnasiums .- seine Durchschnittsnote betrug 0,9 – erhalten Während seines Studiums in München war er unter anderem als Honorarkraft bei der Organisation „David gegen Goliath“ beschäftigt, einem Verein, der es sich nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zur Aufgabe gemacht hatte, die Menschen durch „bewußten fröhlichen Verzicht auf alle überflüssigen, die Umwelt und unsere Innenwelt belastenden Dinge“ zur „Bewahrung der Schöpfung“ aufzufordern. Michael Birkel machte Praktika beim Teilchenbeschleuniger am CERN in Genf, bei der Unternehmensberatung ßßß McKinsey in Frankfurt und Düsseldorf sowie bei den UN in New York. Nachdem er Ende 1997 in Oxford sein Studium erfolgreich mit dem Doktor der Physik abgeschlossen hatte, arbeitete er bis zum Herbst 1999 bei Mc Kinsey in München, wo er sich um die Betreuung von High-Tech Start-ups kümmerte. Ende 1999 gründete Dr. Michael Birkel gemeinsam mit fünf Freunden die weltweit erste Firma für m-commerce (mobile commerce) 12Snap, die Auktionen mit Hilfe des Handy ermöglicht. Die „Wirtschaftswoche“ wählte ihn im Jahr 2000 in die Liste der 100 wichtigsten deutschen Persönlichkeiten für das Internet. Auch Dr. Michael Birkel gehört zu den Propheten des ungezügelten Wachstums, auf der Web-Seite von 12Snap gibt er potentiellen Gründern den Rat „…Das Tempo ist wesentlich. Wachstum wird verkümmern, wenn es nicht mit größenwahnsinniger Geschwindigkeit vorangetrieben wird…“

 

Eric Bina


Amerikanischer Softwarespezialist.

Der talentierte Programmierer entwickelte gemeinsam mit ßßß Marc Andreessen den Browser Mosaic, der zu Gründung der gleichnamigen Firma, die später ßßß Netscape heißen sollte, führte. Es wird berichtet, daß der Löwenanteil des Programms von Bina stammt. Er war am NCSA, dem National Center for Supercomputing Applications, dafür berühmt, daß er 48 Stunden und länger ununterbrochen am Rechner sitzen konnte. Danach reichten ihm zwei bis drei Stunden Schlaf, um die Arbeit weiterführen zu können. Im Gegensatz zu Andreessen arbeitete Bina bei Netscape weiterhin als Programmierer. Er vertrat die Ansicht, daß es sinnlos sei, die Herausforderung von Microsoft anzunehmen und gebannt die Entwicklung des Microsoft Explorers zu verfolgen. So hätte Microsoft den Kampf schon gewonnen, denn dort würden mehr Menschen am Explorer arbeiten als Netscape Angestellte hätte. Auch sah er im schnellen Wachstum der Firma Probleme. Eric Bina, der auch der Autor des Programms xfishtank ist, einer Software, die den Bildschirmhintergrund mit animierten Fischen füllt, arbeitet inzwischen nicht mehr für Netscape. Der begeisterte Gärtner widmet sich der Züchtung spezieller Rosensorten. Als das aufregendste Projekt der letzten Jahre bezeichnet er seine 1995 geborene Tochter Natalie.

Sabeer Bhatia

Indischer Computerfachmann, Mitbegründer von ßßß Hotmail.

Als Shabeer Bhatia 1996 versuchte, Risikokapital für das sein Start-up „Hotmail“ aufzutreiben, hatte er am Telefon zunächst wenig Glück. Die Sekretärinen kicherten, da sie „Hot Male“ (etwa „heißer Kerl“) verstanden und meinten, es würde sich bei seiner Geschäftsidee um ein pornografisches Angebot handeln. Letztendlich hatte Bhatia doch noch Erfolg und er konnte gemeinsam mit seinem Freund und Geschäftspartner Jack Smith 1996 den E-Mail-Dienst Hotmail ins Leben rufen, den sie nur ein Jahr später für 400 Millionen Dollar an ßßß Microsoft verkauften.. Shabeer Bathia stammt aus Bangalore in Indien. Er wurde 1968 als Sohn eines Armeeoffiziers und einer Bankangestellten geboren. Schon in der Schule zeichnete er sich durch großen Ehrgeiz aus. Als er eines Tages weinend von einer Prüfung nach Hause kam, lag es nicht etwa daran, daß er durchgefallen war: Er hatte nicht genug Zeit gehabt alles aufzuschreiben, was er wußte. Als Student des Birla Institute of Technology in Pilani nahm er an einer Prüfung für ein renommiertes Austauschprogramm mit den USA teil. Er bestand das Examen als Bester des Jahres und kam dadurch 1988 in die Vereinigten Staaten. Dort studierte er an der Stanford Universität und machte am California Institute of Technology mit Auszeichnung einen Abschluß als Elektroingenieur. Die Arbeit an seiner Dissertation brach er ab, als er 1995 die Arbeitserlaubnis für die USA, die Green Card, erhielt. Bhatia arbeitete zunächst bei ßßß Apple Computer, wo er auch Jack Smith kennenlernte, mit dem er wenig später bei seinem nächsten Arbeitgeber eine Firma gründete. Die zwei suchten nach einer Möglichkeit, während der Arbeitszeit via E-Mail wichtige Belange ihres Geschäftes zu diskutieren, was verständlicherweise nicht über das firmeneigene Netzwerk geschehen sollte. Auch die Einrichtung eines eigenen Internet-Zugangs war am Arbeitsplatz nicht möglich. Smith kam auf die Idee, einen E-Mail-Service über eine Web-Seite anzubieten, woraus sich Hotmail entwickelte. Als Microsoft 1997 das ungemein erfolgreiche Unternehmen kaufen wollte, konnte Bhatia seine kaufmännischen Fähigkeiten beweisen. Er war es aus Indien gewohnt, bei jeder Kleinigkeit um den Preis zu feilschen und hatte keinen falschen Respekt vor dem reichsten Mann der Welt, ßßß Bill Gates, mit dem er verhandeln mußte. So gelang es ihm, den Kaufpreis für das Unternehmen von ursprünglich gebotenen 160 Millionen Dollar auf 400 Millionen Dollar hochzutreiben. Der Vertrag wurde am 30. Dezember 1997, seinem 29. Geburtstag, unterzeichnet. Nach dem Verkauf arbeitete er zunächst für Microsoft, um 1999 ein zweites Unternehmen zu gründen. Arzoo, das Wort für „Leidenschaft“ in der indischen Sprache Hindi, ist der Name seines  Unternehmens. Es bietet durch ein Netzwerk von Spezialisten eine qualifizierte Beratung für professionelle Kunden in allen Fragen der Informationstechnologie. Er gilt Anfang 2001 als der gefragteste Junggeselle des ßßß Silicon Valley und lebt in San Francisco, wo er in einem Apartment mit Blick über die Golden Gate Brücke residiert. Wie in Amerika üblich, geht ein Teil seines Vermögens an wohltätige Organisationen, wobei er Projekte in Indien und San Francisco unterstützt. Das Motto seines Erfolgs lautet: „Das größte Risiko im Leben ist es, kein Risiko einzugehen.“

 

Jeff Bezos

Amerikanischer Unternehmer

Der „Erfinder des E-Commerce“ (Wall Street Journal) und Gründer des bislang größten und erfolgreichsten Internet-Kaufhauses, Amazon.com, Jeffrey Preston Bezos, wurde am 12. Januar 1964 in Albuquerque in New Mexico geboren. Die Ehe seiner damals 17-jährigen Mutter zerbrach bald darauf, so daß Jeff seinen leiblichen Vater nie bewußt kennenlernte. Später wurde er vom zweiten Ehemann seiner Mutter, dem aus Kuba stammenden Exxon-Ingenieur Mike Bezos, adoptiert.
Jeff galt als außergewöhnlich intelligent. Bereits als Kleinkind zerlegte er sein Kinderbett mit Hilfe eines Schraubenziehers in seine Einzelteile. Seine sechs und sieben Jahre jüngeren Geschwister hinderte er durch eine selbstgebaute Alarmanlage am Betreten seines Zimmers. Schon früh okkupierte er die Garage seines Elternhauses, um dort seine Ideen zu verwirklichen. So konstruierte er etwa aus einem Regenschirm und Aluminiumfolie einen Solarkocher, versuchte aus einem Staubsauger ein Luftkissenfahrzeug zu bauen und er entwickelte einen Würfel, mit dem man angeblich in die Zukunft schauen konnte. Der kleine Star-Trek-Fan war stets bestrebt, die Nummer Eins zu sein. Wenn er mit seinen Freunden Star-Trek spielte, wollte er nur Mister Spock oder Captain Kirk darstellen. War das nicht möglich, so wollte er zumindest ein Computer sein.
Jeden Sommer verbrachte er auf der Farm seines Großvaters, einer Gegenwelt zu seinen kopflastigen Beschäftigungen zu Hause. Hier lernte er reiten, versah das Vieh mit Brandzeichen, fuhr den Mähdrescher oder errichtete Windräder. Die Schule schloß er in Miami ab und entschied sich für ein Physikstudium an der Princeton-Universität. Schon bald merkte er, daß er es nie so weit bringen würde wie Albert Einstein und sattelte auf Elektroingenieurwesen und Informatik um. Bereits bei seiner zweiten Anstellung nach dem Studium brachte er es bei einer angesehenen Firma an der Wall Street zum Vizepräsidenten. Von dort wurde er von der Firma D.E. Shaw abgeworben, wo er Geschäftsideen für die Bereiche Versicherungswesen, Software und später auch für das Internet entwickelte. Bei seiner Beschäftigung mit dem Internet, das damals um 2300% jährlich wuchs, fragte er sich im März 1994, welches traditionelle Versandgeschäft sich wohl am ehesten zur Umsetzung in diesem weltumspannenden Netzwerk eignen würde. Er kam zu dem Schluß, daß das Netz für den Buchhandel prädestiniert sei, denn es ermöglichte den Kunden einfachen Zugriff auf alle lieferbaren Bücher, ohne dicke Kataloge verschicken zu müssen. Er beschloß, am rasanten Wachstum des Internet teilzuhaben und einen Online-Buchhandel zu gründen. Nachdem auch seine Frau, die er 1993 geheiratet hatte, ihn in seinem Vorhaben bestärkte, kündigte er seinen Job bei D.E. Shaw, um sein Ziel zu verwirklichen.
Mit einem von seinen Eltern geliehenen Startkapital von 300 000 Dollar machte er sich mit seiner Frau im Juli in einem 88 Chevy-Geländewagen auf den Weg von Fort Worth in Texas nach Seattle, der Stadt des Internets, um dort in einer Garage die Firma Amazon zu gründen. Den Businessplan für sein neues Unternehmen schrieb er während dieser Fahrt auf seinem Laptop. Während der Reise soll ihm auch der Name für sein neues Geschäft eingefallen sein, zunächst dachte er an den Namen „Abracadabra“, den er wegen der Länge des Wortes in „Cadabra“ kürzte. Da diese Bezeichnung bei vielen Menschen die Assoziation „Kadaver“ hervorrief, entschied er sich einige Zeit später für „Amazon“, nach dem größten Fluß der Erde
Der stets lachende Jeff Bezos, der übrigens ein entfernter Verwandter des in den USA populären Country Sängers George Strait ist, scheint immer in Eile zu sein. Da trifft es sich gut, daß er fast nie Krawatten trägt, denn sie würden „hinter ihm her flattern wie ein Fallschirm hinter einem Dragster“ wie das TIME-Magazin schreibt, das ihn Ende 1999 zur „Person des Jahres“ wählte. Er ist die viertjüngste Person, die diesen Titel verliehen bekam. Jünger als er waren nur Charles Lindberg, dem dieser Titel 1927 im Alter von 25 Jahren verliehen wurde, Königin Elisabeth II 1952 mit 26 Jahren und Martin Luther King (junior), dem diese Ehre 1963 im Alter von 34 Jahren zuteil wurde.
Die Geschwindigkeit, mit er sich das Internet und somit auch seine Firma entwickelt, scheint Jeff Bezos selbst zu ängstigen, denn er fotografiert bei jeder Gelegenheit und macht ständig Videoaufnahmen, um alles zu dokumentieren, als würde sein Leben in einer Geschwindigkeit vorbeirasen, die selbst zum Erinnern zu schnell ist. Als Vorbilder nennt er Thomas Edison und Walt Disney. Edison als großen Erfinder und Geschäftsmann, Disney wegen seiner Vision und seiner Fähigkeit, diese gegen alle Zweifel seiner Umwelt durchzusetzen.
Jeff Bezos Vision ist es, Amazon zum größten Kaufhaus der Welt zu machen, dabei müßten die „echten Läden“ wie er sie nennt, keineswegs auf der Strecke bleiben, sie sollten das Wohlergehen der Kunden in den Vordergrund stellen und mehr Spaß bieten, um zu überleben. Natürlich bestellt er die Windeln für seinen im März 1999 geborenen Sohn im Internet, doch die Hälfte seiner Bücher besorgt er sich nach wie vor im Buchhandel der „Old Economy“, denn er liebt die Stimmung in den kleinen Buchläden.
Bezos selbst gibt sich als Philantrop: Das Wohlergehen der Kunden soll stets im Vordergrund stehen, auch wird eines Tages der Zeitpunkt gekommen sein, sich Gedanken über die Lösung der Probleme der Menschheit zu machen, was weit schwieriger sei, als ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen, meint er. Allein zur Bekämpfung des Hungers der Welt dürfte nicht in Fünf-Jahres-Zeiträumen gedacht werden, davon bekäme man nur Depressionen. Eine solche Herausforderung sollte in einem Zeitraum von 100 Jahren handhabbar sein, das Problem bestünde allerdings darin, daß er dann bereits gestorben sei. Zunächst will er sich jedoch darum kümmern, seiner Firma eine solide Basis zu geben.

Beitragsbild: Steve JurvetsonFlickr: Bezos’ Iconic Laugh, CC BY 2.0, Link

Tim Berners-Lee

Englischer Physiker, Entwickler des World Wide Web.

„Dieser Mann wäre eigentlich ein Kandidat für den Nobelpreis“, so zitiert die New York Times Eric Schmidt, den Chef der Firma Novell, und das Magazin Time wählte Lee unter die 100 einflußreichsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Tim Berners Lee, der am 8. Juni 1955 in London geboren wurde, gilt als der Erfinder des World Wide Web, er machte aus einem Kommunikationsmedium für die Elite der Wissenschaftler ein Massenmedium. Seine Eltern, beide Mathematiker, lernten sich bei der Arbeit am ersten englischen kommerziellen Computer, dem Ferranti Mark I, kennen. Schon am Frühstückstisch drehten sich die Gespräche mit dem Sohn um imaginäre Zahlen – zum Beispiel: Wurzel aus -4 -. Als Kind baute er sich eine Replik des Ferranti aus Pappkartons. Seinen ersten „echten“ Computer konstruierte er sich als Student aus einem M6800 Prozessor, einem alten Fernsehgerät und diversen anderen Bauteilen. Nach der Schulzeit studierte er in Oxford Physik, dieses Fach hatte er gewählt, da es ihm als Kompromiß zwischen Mathematik und Elektronik am interessantesten erschien. Nach dem Studium arbeitete er bei verschiedenen Firmen. Während dieser Zeit war er unter anderem mit der Entwicklung von Software für Textsatzmaschinen und einem Multitasking- Betriebssystem betraut. 1980 arbeitete er zum ersten Mal im ßßß CERN Forschungslabor in Genf, dem Sitz der europäischen Organisation für Kernforschung. Er war dort für sechs Monate als unabhängiger Berater tätig. Während dieser Zeit entstand das Programm „Enquire“. Es sollte Berners-Lee bei der Verwaltung seiner umfangreichen Unterlagen helfen. Die Bezeichnung leitete sich aus dem Namen einer Enzyklopädie her, die ihm aus Kindertagen in Erinnerung war „ Enquire whithin upon everything“ (Frage innerhalb von allem) Das Programm sollte mit den Informationen umgehen, wie das menschliche Gehirn, man sollte damit Assoziationsketten bilden können. Tim Berners-Lee bezeichnet es selbst als Vorläufer des World Wide Web. 1989 war er erneut bei CERN und stand wieder vor der Aufgabe, die großen Datenmengen so zu organisieren, daß die dort ständig wechselnde Belegschaft problemlos auf sie zugreifen konnte. Er stellte sich ein System vor, das es dem Anwender ermöglichte, ohne Schwierigkeiten „ von einer Softwaredokumentation über eine Telefonliste zur grafischen Darstellung einer Organisationsstruktur“ zu gelangen. Aus dieser Überlegung heraus entstand HTML, die Hypertext Markup Language“, mit ihr konnten die Informationen entsprechend aufbereitet werden. Zur Lokalisierung der Dokumente schuf er das Schema der URL des Universal Resource Locator und, um die Daten in einem Netzwerk zu übertragen, wurde das Hypertext Transfer Protocol – HTTP – entwickelt. Zur Sichtbarmachung und Aufbereitung der Daten am Monitor kam noch der erste Browser – Blätterer – hinzu. Mit ihm konnten HTML-Dokumente sowohl aufgerufen als auch erstellt werden. Eigentlich sollte das System nur in dem CERN eigenen Netzwerk laufen, doch Tim Berners-Lee entschied sich dafür, es dem gesamten Internet zur Verfügung zu stellen. Als Name für dieses System schwebten ihm zunächst verschiedene Bezeichnungen vor, etwa „Mine of information – Moi“ oder „The Information Mine – Tim“. Er entschied sich für „web“, weil dies als mathematischer Ausdruck im Englischen das Prinzip des Hypertextes, jeden Punkt eines Systems mit einem beliebigen anderen zu verbinden, am besten beschrieb. Eine Alternative dazu wäre der Begriff „graph“ gewesen. Er bedauert es nicht, das Web nicht kommerziell genutzt zu haben, im Gegenteil: Er ist sogar der Meinung, daß ein kommerzielles Netz sich niemals so schnell verbreitet hätte wie es nach der Veröffentlichung des Browsers Mosaic von Marc Andreessen und seinen Partnern geschah. Tim Berners Lee ist verheiratet und hat zwei Kinder, in seiner Freizeit surft er lieber auf dem Wasser als im Internet. Seit 1994 arbeitet er als Wissenschaftler am MIT, außerdem ist er Direktor des W3 C, des WWW Consortiums, das sich um die Koordinierung der HTML Standards kümmert. Seine Vision eines Netztes, in dem jeder Dokumente empfangen und diese selbst verändern kann, ist noch lange nicht verwirklicht. Er sieht das Netz Ende 1999 als ein Medium mit Millionen von Fernsehsendern.

Beitragsbild:Paul Clarke [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

David S. Bennahum

Amerikanischer Journalist

David S. Bennahum steht stellvertretend für die Generation der Amerikaner, deren Kindheit von der sich entwickelnden Computertechnik beeinflußt war. In seinem 1998 erschienenen Buch „Extra Live. Coming of Age in Cyberspace“, deutscher Titel „Bekenntnisse eines Computerfreaks“ beschreibt er den Computer als ein Mittel, sich von der Erwachsenenwelt abzugrenzen und eine eigene Welt zu schaffen. Der 1968 geborene David Bennahum kam 1972 mit seinen Eltern nach Paris, wo die Familie bis 1977 blieb, bevor sie in die USA zurückkehrte. Als Außenseiter flüchtete er sich in die Welt der Science Fiction Literatur, die er schon früh zu lesen begann. Er war fasziniert von den ersten Taschenrechnern und Digitaluhren. Natürlich liebte er Videospiele und hatte früh einen eigenen Rechner. Der Computerunterricht in der Schule lehrte ihn eine ganz spezielle Denkweise und das eigenständige Programmieren verlieh ihm ein eigentümliches Machtgefühl. Durch den Austausch mit Gleichgesinnten entstand eine spezielle Art der Gemeinschaft, die Bennahum Anfang der 90er Jahre im entstehenden Internet wiederentdeckte. Doch die sich rasant entwickelnde Technik machte den Heimcomputer vom „Kanal der gemeinsamen Innovation zum Gegenstand individuellen Konsums“. So wurde er weder Elektroingenieur noch Informatiker, sondern studierte in Harvard Geschichte und Literatur. Inzwischen beschäftigt er sich als Journalist mit Themen rund um den Cyberspace. Er schreibt für angesehene Zeitungen und Zeitschriften, gibt einen Newsletter über Technik und Kultur heraus und betreut eine Mailingliste, die sich mit der Geschichte des Internet befaßt.

Bennahum wurde wegen seines damals erschienenen Buches „Extra Live. Coming of Age in Cyberspace“ in das Lexikon aufgenommen.